Messe zeigt: „Amen” und „Alaaf” passen wunderbar zusammen

Von: jope
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„Alaaf” und „Amen” - geht
„Alaaf” und „Amen” - geht das zusammen? Bei der erlebenswerten Mundartmesse in Röhe lautete die eindeutige Antwort: „Bestens!” Foto: Joachim Peters

Eschweiler. In diesen Tagen verschwimmen die Grenzen zwischen dem erst am 2. Februar zu Ende gehenden kaholischen Weihnachtskreis (früher: „Mariä Lichtmess”) und der zeitlich weit vor den „heißen Tagen” in sie hineinreichenden Karnevalszeit.

„Alaaf” und „Amen” üben friedliche Koexistenz. Zumal dem rheinischen Katholizismus sauertöpfische Weltflucht jenseits der Fastenzeiten ja ohnehin fremd ist.

Bisweilen finden Kirche und Karneval sogar zusammen. Die „Bühne”: Altar und Kirchenraum der Pfarrkirche St. Antonius Röhe, wo der Männergesangsverein (MGV) St. Gregorius Röhe unter der Stabführung von Chordirektor Helmut Lausberg mit karnevalistischen Gästen die Mundart-Messe feierte. Zu prächtigen Bläserklängen, die passend zum endgültigen „Jahreszeiten-Wechsel” die Weisen von „Tochter Zion” und Prinzenlied anstimmten, hielt Stadtprinz Alfred III. - selbst passionierter Mundartdichter - Einzug in die vollbesetzte Kirche.

Noch einmal vermählten sich „Alaaf” und „Amen” in wogenden Tönen: Als nämlich Kantor Franz Surges bei der Kommunion eine glänzende Orgel-Improvisation hinlegte. „Tochter Zion” bildete die Eckpunkte der kleinen Sinfonie, dazwischen mischte sich der (karnevalistische) „Dom va Kölle” in die Manuale und Pedale. Gestalteten also Instrumentalisten das Proprium der Messe, so der Männergesangsverein Teile des Ordinariums: mit der Deutschen (besser: der textlich hierzu mutierten „rheinischen”) Messe von Franz Schubert - ungewohnt, aber originell. Wie überhaupt dann auch die Messtexte des Kölschen Gebetsbuches „Dem Här zo Ihre” - damals in freier Mundart vom Röher Heimatforscher Franz Koch übersetzt - bewiesen: „Moddersproch” bringt oft knapper und passender auf den Punkt, wozu die Hochsprache manchmal „Umstandskrämer” benötigt.

Erwähnte Originalität strömte auch aus dem religiösen Gedicht von Hans von Reth über rechten Lebensgenuss und die Predigt von Pastor Christoph Graaff. Die Gleichstellung von Pfarrer und Prinz als „Seelsorger” mutete zunächst vermessen an. Doch die Argumentation (selbstverständlich auch in „Platt”) war schlicht wie umwerfend: Sind nicht beide Therapeuten der Lebensfreude für Menschen, denen Themen wie Arbeitsmarkt und Eurosklerose den Alltag vergellen? Pastor und Narrenherrscher stehen Seit an Seit, wenn es darum geht, was Jesus im Evangelium des Tages schon leistete: die Austreibung der „unreinen Geister”. Die beschweren ja zu allen Zeiten den Seelenfrieden der Menschen.

Von Erdenschwere war in Röhe jedenfalls nichts zu spüren. „Beschwert” - nämlich am Hals mit den Vereinsorden der KG „Onjekauchde” - verließen allenfalls die Zelebranten, Prediger und musikalischen Leiter des Gottesdienstes die Pfarrkirche.
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