Mensa 2.0: Noch schnell per Internet-Handy Essen bestellen

Von: Stefan Herrmann
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Trockenübung zur „bargeldlosen Schulverpflegung”: Schüler haben den Kniff mit der Karte schnell raus. Da können (von links) Stephan Klein, Manfred Niehoff, Petra Seeger und Lothar Müller nur staunen. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Technik, die begeistert: An der Städtischen Gesamtschule hat zum neuen Schuljahr die Zukunft Einzug gehalten. Genauer gesagt: in der Mittagsverpflegung. Denn Schüler wie Lehrer kommen seit wenigen Monaten in den Genuss der Mensa 2.0. Die Schulverpflegung läuft in der Waldschule nämlich mittlerweile bargeldlos.

„Das hier ist unser Pilotprojekt”, erklärt Schulamtsleiterin Petra Seeger. Bisher ein voller Erfolg. „Wir planen daher, auch die nächsten Mensen im Städtischen Gymnasium, in der Realschule und im Schulzentrum Jahnstraße damit auszustatten.”

Damit dies möglich ist, braucht es (finanz-)starke Partner. Im Falle der Waldschule zeigte sich die Sparkasse Aachen spendabel. Sie übernahm die Kosten in Höhe von 4000 Euro für das aufwendige IT-System. Vor Ort überzeugte sich Lothar Müller, Leiter der Sparkassen-Geschäftsstelle an der Marienstraße nun davon, dass Spaghetti, Salat, Putenschnitzel oder Cordon bleu mit Karte problemlos zu bestellen ist.

Besser noch: „Wenn die Schüler oder Eltern es wollen, können sie per iPhone, iPad, vom Strand auf Mallorca oder halt ganz einfach von daheim den Speiseplan für die kommenden Tage festlegen”, erklärt Stephan Klein vom Amt für Schulen, Sport und Kultur. Klein ist als Administrator für die EDV an allen städtischen Schulen zuständig. Vom neuen Bestellsystem in der Waldschule ist er restlos überzeugt.

Es funktioniert ganz einfach: Jeder Schüler erhält eine Bankkarte von einem Kreditinstitut seiner Wahl. Diese ist erst einmal nur für die Essensbestellung und die Identifikation am Tresen notwendig. Funktionen wie ein Taschengeldkonto können zwar ebenfalls (kostenlos) benutzt werden, Zwang ist dies aber nicht. „Das war uns ganz wichtig”, sagt Seeger. „Wir hatten die Sorge, dass Eltern Bedenken haben.”

Zweifel wurden schnell zerstreut. Denn auch Zehn- oder Elfjährige lernen so früh den Umgang mit der Kartenzahlung. Das Ganze in einem geschützten und begrenzten Raum. Über eine Internetseite loggen sich die Schüler (oder Eltern) ein. Insgesamt, betont auch Schulleiter Manfred Niehoff, bestehe durch das neue System eine viel bessere Planungsmöglichkeit für den Caterer auf der einen Seite, aber auch Eltern genießen Vorteile. Derzeit nutzen knapp 200 Schüler das System.

Gemüse statt Gummibärchen

Gemeinsam mit dem Kind kann Mutter oder Vater am Computer den Essensplan durchgehen und darauf achten, dass auch Gesundes auf den Tisch kommt. Niehoff: „Zudem sind Eltern sicher, dass das Geld wirklich für die Mittagsverpflegung in der Schule verwendet wird.” Gummibärchen am Büdchen statt Gemüse in der Mensa sind so nicht mehr drin. Auch, ob das Essen auch wirklich abgeholt wurde, kann verfolgt werden.

Weitere Vorteile: Das Diebstahlrisiko ist minimiert, da die Karten nur personenbezogen funktionieren. Das Geld, das die Eltern im Vorfeld überweisen müssen, läuft sicher über ein Treuhandkonto der Stadt. Zudem brachte das vorherige Bon-System in der Waldschule zahlreiche Probleme mit sich: Alles wurde über das Sekretariat abgewickelt. Schülerschlangen in der Pause mit 50 Mädchen und Jungen waren keine Seltenheit.

„Kinder, deren Eltern Sozialleistungen empfangen, mussten sich zudem bisher dort outen”, nennt Petra Seeger einen weiteren Grund für das neue System. Denn Schüler aus sozialschwachen Familien erhalten über das „Kein Kind ohne Mahlzeit”-Programm einen Zuschuss. Doch dass sie weniger bezahlen müssen, war bei der Bon-Ausgabe im Sekretariat sichtbar. „Diese Stigmatisierung gibt es nun nicht mehr”, so Seeger.

Essen online bestellen, ID-Checks an der Menüausgabe, virtuelle Konten - sieht so die Schulwelt von morgen aus? „Ja”, sagen die Verantwortlichen. Die Weichen sind gestellt, Erweiterungen des Kartensystems auf andere Schulbereiche sind denkbar und auf lange Zeit sinnvoll. Nur eines hat sich nicht geändert: „Essen muss man immer noch ganz gewöhnlich mit Messer und Gabel”, sagt Klein schmunzelnd.
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