Meisterlich sind sie seit 50 Jahren

Von: fe
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Der Jugendchor „Lautstark” v
Der Jugendchor „Lautstark” von St. Severin Weisweiler trat beim Jubiläumskonzert in Nothberg auf. Hier gratulieren Hannah Wenzel-Theiler und die Vorsitzende von „Lautstark”, Maike Linden (von links) dem Harmonie-Vorsitzenden Fred Brandt zu „50 Jahre Meisterchor”.

Eschweiler. Fred Brandt, der Vorsitzende des Männerquartetts „Harmonie” Eschweiler-Nothberg, hatte am Samstag viele Hände zu schütteln, und er tat es strahlend und voller Stolz auf die Leistung des Chores, dem die Glückwünsche galten.

Die „Harmonie” führt seit 50 Jahren ununterbrochen den Titel „Meisterchor”. Das hat bislang kaum ein Chor in Deutschland geschafft. Die Sänger feierten das mit einem Konzert in der Kirche St. Cäcilia Nothberg und einem Jubiläumskommers in ihrem Vereinslokal Brauhaus Peltzer.

Wenn man es ganz genau nimmt, ist es bis zum Jubiläum noch einen knappen Monat hin. Am 3. Dezember 1961 wurde dem Männerquartett „Harmonie” Eschweiler-Nothberg nach einem bravourös absolvierten Bundesleistungssingen in Mönchengladbach der Titel Meisterchor verliehen. Diesen Titel verteidigte der Chor seitdem alle fünf Jahre aufs Neue. Seit 50 Jahren ununterbrochen Meisterchor, zehn Meisterchor-Titel in der Sammlung - das hat bislang kaum ein Chor in Deutschland geschafft.

Sängerisches Können muss natürlich vorhanden sein - aber um daraus einen Leistungschor entstehen zu lassen, gar einen Meisterchor, dazu braucht es auch überragende Chorleiter. Die Meistersänger aus Nothberg hatten immer wieder meisterhafte Dirigenten. Über 20 Jahre lang war das Hans-Josef Roth, der die „Harmonie” von Erfolg zu Erfolg und zu internationalen Auftritten führte. Wie stolz waren die Sänger, als Roth 1986 zum Domkapellmeister in Aachen berufen wurde - und wie betroffen, als sie erfuhren, dass er deswegen die Chorleitung abgeben musste! Aber sein Schüler Berthold Botzet wurde von ihm als Nachfolger vorgeschlagen und mit Rat und Tat unterstützt.

Bis 1999 leitete Botzet den Chor. Dann wurde auch er Domkapellmeister in Aachen, als Nachfolger von Hans-Josef Roth. Und die „Harmonie” suchte wieder eine neue Leitung und fand sie in der Roth-Schülerin Margarete Wegener. Mit ihr verteidigte man 2002 erneut den Meistertitel, musste sich dann aber doch Ende 2003 im Einvernehmen trennen, weil der Verein das Engagement finanziell nicht mehr stemmen konnte.

Vorsitzender Brandt am Samstag: „Es war ein Glücksfall, dass wir im Jahr 2004 dann den jungen Chorleiter Dr. Christian Hauptmann verpflichtet haben. Durch intensive Probenarbeit, seine ausgezeichnete Musikalität und sein pädagogisches Können schafften wir es, im Jahr 2008 zum zehnten Mal den Meistertitel zu holen. Das beweist einmal mehr, dass man auch mit einer kleinen Sängerzahl Großes erreichen kann. Wir dürfen alle ein wenig stolz darauf sein.”

Chorgesang auf hohem Niveau bot nicht nur der Meisterchor den Besuchern des Jubiläumskonzerts. Das Programm gestalteten auch der befreundete Leoni-Werkschor aus Stolberg mit und der Weisweiler Jugendchor „Lautstark”. Dieser von Marc Schmitz geleitete Jugendchor ist in kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Eschweiler geworden - und für die etablierten, seit Jahrzehnten bestehenden Gesangsvereine ein Zeichen, dass Chorgesang eine Zukunft hat.

Mitreißend der Auftritt des Weisweiler Jugendchores, begeisternd die Interpretation von zwei Schubert-Liedern durch das Männerquartett Harmonie. Gemeinsam mit der Sopranistin Nicole Hauptmann und begleitet vom Pianisten Theo Palm - er hatte das Konzert mit einem Ausschnitt aus der Orgelsonate c-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffnet - sangen sie das „Ständchen” von Schubert. Nicht das oft gehörte „Leise flehen meine Lieder”, sondern das Lied „Zögernd, leise, in des Dunkels nächtger Hülle” (D 920). Nicht minder beeindruckend das folgende Schubert-Lied „Das Dörfchen” (D 641).

Das Männerquartett zeigte im ersten Teil des Konzerts mit Volkslied-Bearbeitungen sein großes Können. Der dann folgende gemeinsame Auftritt mit dem Leoni-Werkschor darf aber getrost als Höhepunkt des Abends bezeichnet werden. Ein effektvolles „Ave Maria” von Franz Biebl, bei dem die beiden Chöre parallel von Kurt Haller und Dr. Christian Kaufmann geleitet wurden, und das Beethoven-Lied „Die Vesper” nach dem Adagio aus dem Es-Dur-Sextett op. 81b waren beeindruckende Interpretationen.

80 Jahre alt ist das Männerquartett Harmonie im vorigen Jahr geworden. Gegründet wurde es, als Nothberg noch eine selbständige Gemeinde war, wie Alfred Eßer als Vertreter des Hausherrn, der Pfarrgemeinde Heilig Geist, anmerkte. Mit einer gewissen Wehmut, weil auch die katholische Pfarrgemeinde St. Cäcilia Nothberg nicht mehr eigenständig ist. Dass der Meisterchor zum Abschluss des Jubiläumskonzertes den „Chor der Geier” aus dem Film „Dschungelbuch” sang, sollte aber gewiss kein Omen sein - auch in seinem 81. Jahr präsentierte sich der Meisterchor sehr lebendig.
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