Mehr Grün steht auf der Wunschliste für das Quartier West

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Experten am Werk: Bürger aus den Wohnquartieren zwischen Inde und Hauptbahnhof beteiligten sich an der Planung für ein neues „Integriertes Handlungskonzept“, das Eschweiler-West aufwerten soll. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Zum Beispiel: Die Mittelstraße in Röthgen soll schöner werden – nur wie, wenn alle Anwohner um den Parkplatz vor ihrer Haustür kämpfen? Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Oder: Nicht nur den alten Supermarkt wegreißen, sondern auch gleich die Straße: Für die Idee, hier einen Quartiersplatz anzulegen und die Gutenbergstraße weiter südlich auf die Steinstraße münden zu lassen, können sich viele Bürger erwärmen. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. „Sie sind hier die Experten!“ machte Stadtplaner Dr. Frank Pflüger den Bürgern Mut, die am Mittwochabend zum Treffen in der Adam-Ries-Schule an der Jahnstraße gekommen waren. Ihr Thema: die Zukunft des Stadtteils Eschweiler-West. Und die Anwohner zeigten sich mit vielen Anregungen, Ideen und Diskussionen tatsächlich als Fachleute für ihre Stadt.

Eschweiler-West ist kein gewachsener Stadtteil. In diesem Teil der Stadt zwischen Inde und Hauptbahnhof, dem Hohenstein und der Röthgener St.-Marien-Kirche gibt es sehr unterschiedliche Wohnquartiere. Sie alle haben gemeinsam, dass es viel Verbesserungsbedarf gibt.

Aber auch die Vorteile haben sie gemeinsam, zählte Dr. Pflüger auf: tolle Erschließung durch zwei Bahnhöfe, Buslinien und Autobahn, mehrere Schulen und Freizeiteinrichtungen, Nähe zur Innenstadt und zu Einkaufsmöglichkeiten, tolle Landschaft ringsum.

Geld vom Land NRW

Die Chance, Eschweiler-West zu verbessern, wird durch Geld vom Land möglich, schilderte der Eschweiler Baudezernent Hermann Gödde am Mittwoch die Vorgeschichte. Schon 2012 hatte sich Eschweiler um Landesmittel beworben, wurde damals aber nicht berücksichtigt. Den dringend notwendigen Kindergarten im Gutenberg-Viertel hat die Stadt dann trotzdem gebaut.

Das damals eingereichte „Integrierte Handlungskonzept“ war aber nicht vergebens. Denn jetzt stehen erneut Fördermittel in Aussicht, und die Bezirksregierung ermunterte die Stadt Eschweiler, ihr damaliges Konzept noch einmal zu überarbeiten und wieder Geld zu beantragen.

Hermann Gödde ist sich ziemlich sicher, dass es diesmal klappt. Im nächsten Sommer werde man den Antrag stellen, mit der Bewilligung rechnet er im Jahr 2018. „Vielleicht können wir auch schon 2017 erste kleine Maßnahmen anfangen.“

Drei Schwerpunkte stellte Dr. Frank Pflüger vom Aachener Planungsbüro HJP den Bürgern am Mittwoch vor: den Hauptbahnhof, den Eingang des Wohnquartiers Gutenbergstraße und die Mittelstraße/Karlstraße. Was man dort verbessern kann, ob die bisherigen Vorstellungen der Stadtplaner sinnvoll sind und welche Probleme bei der Planung bedacht werden müssen, diskutierten die Bürger in drei Gruppen. An jeder der drei Stationen in der Aula der Hauptschule hatten die Bürger 25 Minuten Zeit, ihre Ideen einzubringen.

Die Idee der Stadtplaner, einen Parkplatz hinter den Gleisen des Hauptbahnhofs anzulegen, um den Verkehr am Bahnhofsvorplatz und in den zuführenden Straßen zu verringern, fand überwiegend Zustimmung. Da die Deutsche Bahn ohnehin plant, ab 2018 die Unterführung zu erneuern und zwei Fahrstühle einzubauen, wäre es möglich, diese Unterführung bis auf den neuen Parkplatz zu verlängern.

Ob der Bahnhofsvorplatz in seiner jetzigen Form akzeptabel, prima oder verbesserungsbedürftig sei, wurde diskutiert. Kritisiert wurden die schlechte Anbindung des Bahnhofs an die Innenstadt, die Verkehrssituation vor allem in der Invalidenstraße und die Situation für Rollstuhl- und Rollatornutzer – dies nicht nur am Bahnhof, sondern an vielen anderen Stellen im Stadtviertel.

Mehrere Bürger wiesen darauf hin, dass seit dem Neubau der Umgehungsstraße Richtung Stolberg der Hohenstein als Naherholungsgebiet fast nicht mehr besucht werden kann. Eine bessere Zugänglichkeit wurde gefordert, zum Beispiel von der Odilienstraße aus, wo das Überqueren der Straße erleichtert werden müsste.

Die Grundschule Karlstraße hat pädagogisch einen guten Ruf – aber was nützt ein guter Ruf, wenn Schulhof und Gebäude schäbig aussehen? Da muss viel verbessert werden, meinen die Bürger. Die Stadtplaner würden gern den Schulhof verkleinern und nach dem Abriss der unansehnlichen blauen Container dort Wohnbebauung ermöglichen.

Spielmöglichkeiten für Kinder

Von Bürgern kam hingegen der Vorschlag, eine Sporthalle zu bauen. Bisher werden die Kinder zum Turnen in andere Stadtteile gekarrt, da bleibt für den Sportunterricht selbst nur wenig Zeit übrig. Und überhaupt gebe es in diesem Teil von Röthgen zu wenige Spielmöglichkeiten für Kinder.

Einig waren sich die Anwohner, dass es rund um die Marienkirche schöner werden müsse: Mehr Grün! Mehr Blumen! Die Nutzung der Kirche selbst wird mit der Pfarrgemeinde zu klären sein. Grundsätzlich sei man offen für neue Nutzungen, versicherte Pfarrer Hannokarl Weishaupt. Konzerte und Ausstellungen können die Bürger sich vorstellen; auch das Beispiel Maastricht wurde genannt. Dort wurden zwei alte Kirchen zu Buchhandlung und Hotel umgebaut.

Drei Möglichkeiten, den Eingangsbereich zum Viertel Gutenbergstraße neu zu gestalten, stellten die Stadtplaner den mitplanenden Bürgern vor. Allen drei Vorschlägen gemeinsam ist, dass der seit Jahren geschlossene Supermarkt abgerissen und eine Begegnungsstätte, genannt Quartierszentrum, errichtet wird.

Den Anwohnern gefiel die voraussichtlich teuerste Lösung am besten: Die Einmündung der Gutenbergstraße ein Stück Richtung Süden zu verlegen und aus der Kreuzung eine T-Einmündung zu machen. Dann könnte dort, wo jetzt die Gutenbergstraße in die Steinstraße mündet, ein „Quartiersplatz“ angelegt werden. Bedenken gab es gegen den geplanten Standort einer Spielelandschaft westlich des Gutenbergviertels. Die sollte man besser verlegen, eventuell mit einer Wohnbebauung tauschen.

Der Fußweg entlang der Inde sei aber sehr wichtig und sollte ausgebaut werden. Überhaupt sei das Viertel für manche Leute eine No-Go-Area, hieß es. Eine Aufwertung müsse auch das berücksichtigen und korrigieren. Immer wieder angesprochen wurde der hohe Parkdruck in der August-Thyssen-Straße, bedingt durch die erwachsenen Schüler des Berufskollegs. An der Steinstraße will die Stadt Eschweiler unabhängig von dem jetzt geplanten Programm weitere Parkstände schaffen.

Manchmal sind es nur kleine Sachen, die Bürger stören. So wurde mehrfach auf eine alte Litfaß-Säule in dem Planungsbereich hingewiesen. Vielleicht kann man die ja schon vor dem Jahr 2018 wegreißen...

Alle Anregungen und Vorschläge der Bürger, das sicherte Baudezernent Gödde zu, werden in den Planungsprozess einbezogen. Das heiße nicht, dass sie auch alle umgesetzt werden. Aber Gödde ist sich sicher, dass die Bürger viele ihrer Ideen in dem, was schließlich beschlossen wird, wiederfinden werden.

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