Medizinforum: Bewegung beugt den Schmerzen im Knie vor

Von: ran
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Gingen dem weitverbreiteten Phänomen „Knieschmerzen“ während des Medizinforums unserer Zeitung genauestens auf den Grund: Dr. Markus Schlächter, Dr. Oliver Heiber, Dr. Klaus Geller, Dr. Ture Wahner, Moderator und Forumsleiter Dr. Eberhardt Schneider sowie Norbert Schallenberg (v. l.) beleuchteten das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln und standen den Fragen der zahlreichen Forumsteilnehmern Rede und Antwort. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Vor fünf Millionen Jahren war die Welt noch in Ordnung! Zumindest aus der Sicht der Kniegelenke unserer Ahnen. „Diese bewegten sich nämlich noch in einer dem Knie und seinen Gelenken genehmen gebeugten Art und Weise“, blickte Dr. Eberhardt Schneider, Chefarzt und Ärztlicher Leiter des Euregio-Reha-Zentrums am St.-Antonius-Hospital, zu Beginn des sehr gut besuchten Medizinforums ziemlich weit zurück.

Doch dann hätten sich unsere Vorfahren immer weiter zu aufrecht gehenden Geschöpfen entwickelt und damit sich sowie letztlich dem modernen Menschen, neben zahlreichen Vorteilen, ein echtes Problem aufgebürdet.

„Gelenke, die ursprünglich für die Beugung geschaffen worden waren, wurden durch den aufrechten Gang in die Streckung gebracht. Und dies behagt keinem Kniegelenk, denn nun ruht die häufig nicht unerhebliche Last des Körpers auf ihm“, erläuterte der Leiter und Moderator der Medizinforen, der gemeinsam mit den Experten Dr. Klaus Geller, niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg, Dr. Oliver Heiber, Chefarzt und Leiter des Regionalen Traumazentrums und Koordinator des Endo-Prothetik-Zentrums Eschweiler, Dr. Ture Wahner, Chefarzt und Leiter des Endo-Prothetik-Zentrums Eschweiler, Dr. Markus Schlächter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Norbert Schallenberg, Oberarzt in der Klinik für Rehabilitation am St.-Antonius-Hospital, der Frage „Knieschmerzen ...was tun?“ auf den Grund ging.

„Das Kniegelenk ist das größte der insgesamt rund 360 Gelenke des menschlichen Körpers“, betonte Dr. Markus Schlächter zum Auftakt seines Vortrags, in dem er seinen Zuhörern einen Überblick über den Aufbau, die Struktur sowie die Funktion des Knies verschaffte. Als „echtes Gelenk“, das aus Kniescheiben- und Kniekehlgelenk zusammengesetzt sei, verfüge es über knöcherne Strukturen und sei mit einer Knorpelschicht überzogen. Deren altersbedingter Abbau führe häufig zur schmerzhaften und bewegungseinschränkenden Arthrose, einem der Hauptprobleme des Themenbereichs „Knie“.

Gelenkentzündungen

Neben Verletzungen, die durch plötzliche Bewegungen, die die Belastungsgrenze des Kniegelenks überschritten, hervorgerufen würden, seien auch Gelenkentzündungen und seltener Tumore, Fehlbildungen und Wachstumsstörungen Verursacher von Knieschmerzen. „Wichtig ist, dass Betroffene bei Beschwerden rechtzeitig professionellen Rat einholen. Darüber hinaus ist Vorbeugung durch maßvolle Bewegung und die weitgehende Vermeidung von Übergewicht natürlich immer zu empfehlen“, schloss der Facharzt seine Ausführungen.

Als „konservativ tätiger Orthopäde“ schilderte Dr. Klaus Geller seine Erfahrungen mit Kniepatienten, die hauptsächlich mit dem Symptom „Schmerz“ seine Praxis aufsuchten. „Die Betroffenen leiden oft bereits unter extremem Ruhe- und Nachtschmerz und sind in ihren Bewegungen eingeschränkt“, so der Mediziner.

Wichtig sei nun die Anamnese, bei der Faktoren wie Alter, Gewicht und Begleiterkrankungen, aber auch die berufliche Tätigkeit sowie die Familiengeschichte des Patienten sowie die Frage, ob der Schmerz häufig und/oder permanent auftrete, bis hin zu einer möglichen Wetterfühligkeit eine Rolle spielten. „Fakt ist, dass rund 80 Prozent aller 70-jährigen Menschen in Deutschland erste Anzeichen einer Kniearthrose aufweisen, wobei Frauen auf Grund ihrer Anatomie häufiger betroffen sind“, nannte Dr. Klaus Geller Zahlen.

Hilfsmittel zur Diagnose seien der Ultraschall (heute eher unbedeutend), das Röntgen sowie die Kernspintomographie, die jedoch keinesfalls Routine darstelle. „Die Therapieziele lauten Schmerzminderung oder Schmerzfreiheit bei verbesserter oder zumindest gleichbleibender Mobilität und können sowohl durch pharmakologische (medikamentöse) als auch nicht pharmakologische Behandlungen erreicht werden“, so der Referent.

Knorpelschäden nicht aufzuhalten

Unstrittig sei, dass Arthrose Bewegung, zum Beispiel durch Reha-Sport, erfordere. Sportliche Betätigungen wie Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren oder Nordic-Walking seien bei einer Minimierung von Belastungsspitzen zu empfehlen. „Stop-and-go“-Sportarten wie Fußball, Handball, Volleyball etc. gelte es jedoch zu vermeiden.

„Jedem Patienten muss bewusst sein, dass Knorpelschäden nicht rückgängig zu machen oder aufzuhalten sind. Allerdings haben wir die Möglichkeiten, das Fortschreiten zu verlangsamen. Und klar ist auch, dass vieles, aber nicht alles ohne eine Operation machbar ist“, gab Dr. Klaus Geller dem nächsten Referenten Dr. Oliver Heiber eine Steilvorlage. „Entscheidend bei der Frage, ob eine Operation stattfinden soll, und falls ja, welche Art von Eingriff ratsam ist, ist nicht zuletzt der Wunsch und das Ziel des Patienten“, ging der Chefarzt auf den weit verbreiteten Vorwurf ein, in Deutschland werde zu schnell und zu häufig operiert.

Eine kniegelenkserhaltende Arthroskopie sei definitiv zu empfehlen, wenn ein eindeutiger medizinischer Grund vorliege und im Vorfeld die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden seien. Gehe jedoch sowohl konservativ als auch gelenkerhaltend nichts mehr, müsse über ein Kunstgelenk nachgedacht werden. „Voraussetzung dafür ist, dass die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigt ist. Das heißt, der Schmerz nimmt ständig zu und die Beweglichkeit kontinuierlich ab. Liegen dann objektive Arthroseanzeichen vor und alle konservativen Maßnahmen sind erschöpft, sollte eine Kniegelenksprothese eingesetzt werden“, empfahl Dr. Ture Wahner.

Einerseits sei die Annahme, eine Prothese sei der Weisheit letzter Schluss, falsch. Andererseits zeigten Umfragen, dass 95 Prozent der Patienten sich nach einem Endo-Prothetischen-Eingriff mit dem Ergebnis zufrieden zeigten, da sie sich besser als vor der Operation fühlten. „Dies heißt aber im Umkehrschluss, dass fünf Prozent der Patienten unzufrieden sind, obwohl keine Komplikationen aufgetreten sind“, räumte der Referent ein.

Physiotherapie und Reha

Von größter Bedeutung für den Patienten sei, dass unmittelbar nach dem Eingriff die Rehabilitation beginne. „Damit keine Komplikationen, etwa eine Thrombose, auftreten, sollte noch am Tag der Operation mit der Physiotherapie begonnen werden, bevor es 10 bis 14 Tage nach dem Eingriff in die Reha geht“, unterstrich abschließend Norbert Schallenberg.

„Nicht unwesentlich ist, in welcher Verfassung der Patient in die Operation geht. Vorbereitende Maßnahmen im Vorfeld der OP, zum Beispiel das Üben der Fortbewegung mit Gehhilfe, erleichtern die erste Zeit nach dem Eingriff erheblich“, riet der Oberarzt.

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