Eschweiler - Maurerin setzt auf Charme und Ellbogen

Maurerin setzt auf Charme und Ellbogen

Von: Stefan Schaum
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Beim Verputzen kommt es nicht
Beim Verputzen kommt es nicht so sehr auf Muskelkraft an: Doch auch schwerere Arbeiten gehen der Maurermeisterin Romina Mathonet leicht von der Hand. Foto: Stefan Schaum

Eschweiler. Es ist schon sehr lange her, dass auch Romina Mathonet mal vom Klassiker unter den Mädchenberufen geträumt hat: Tierärztin zu werden. „Das war aber nur so eine Phase”, sagt die heute 26-Jährige. Und die war ziemlich schnell wieder vorbei.

Denn schon früh habe sie gewusst, dass sie mal genau das machen möchte, was der Papa macht. Und der ist nun mal nicht Tierarzt, sondern Maurer- und Betonbaumeister. Den Meisterbrief hat jetzt auch die Tochter in der Tasche. Überhaupt war sie ganz schön fleißig, was ihre bisherige Laufbahn betrifft.

Abi gemacht, dann eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Weil Vater Dieter gemeint hatte: „Kind, mach doch lieber was ordentliches!” Das sollte wohl eher heißen: „Liebe Tochter, willst Du wirklich so einen Knochenjob auf dem Bau machen?” Ja, das wollte sie. Und hat deshalb nach Abschluss der ersten Lehre gleich noch eine zweite drangehängt und obendrein die Meisterschule besucht. Das alles natürlich mit Exotenstatus. „Auf der Schule war ich die erste Frau seit 15 Jahren,” sagt Romina Mathonet, „die Prüfer haben ganz schön gestaunt als ich da reinkam.” Ob ihr das wohl eher Vor- oder Nachteile eingebracht habe? Sie überlegt kurz: „Ich glaube, keins von beidem. Im Grunde haben mich alle ganz einfach nur als Kollegin akzeptiert.” Wobei sie einräumt, dass das mit dem Knochenjob schon stimme. „Wenn ich abends nach Hause komme, will ich mich meistens nur noch duschen und dann ausruhen.” Ein Fitnessstudio hat sie schon lange nicht mehr von innen gesehen - und warum sollte sie auch? „Dieser Job hält mich rundherum fit.”

Die ganz schweren Zementsäcke lässt sie sich aber auch schon mal von den Jungs auf der Baustelle heranschleppen. „Es gibt da durchaus Gentlemen beim Bau”, sagt sie und lacht. „Ich hab mir jedenfalls noch keinen einzigen blöden Spruch anhören müssen, bloß weil ich eine Frau bin.” Wie sie andernfalls wohl reagieren würde? „Gefallen lassen würde ich mir das ganz bestimmt nicht”, sagt sie und meint dann, dass sie als Frau auf der „Männerdomäne Baustelle” im Grunde immer einen Spagat hinlegen müsse. „Es kommt auf die richtige Mischung aus Charme und Ellbogen an”, sagt sie. Und meist höre sie dann, dass die Jungs es ganz gut finden, dass eine Frau einen genau so guten Job machen kann. „Ist steh halt meine Frau.”

Das schwere Arbeitsgerät hat sie im Griff, jüngst hat sie eine eigene Firma angemeldet, später will sie vom Vater den Laden übernehmen, den einst ihr Großvater gegründet hatte. Nicht nur die Eltern sind stolz auf sie. Auch ihr Mann, ein Luft- und Raumfahrttechniker, findet es gut, dass seine Frau einen handfesten Job hat.

Typisch Mann, typisch Frau? Romina Mathonet ist das letztlich einerlei. Und wer nach Klischees sucht, sollte wissen: sie reitet. Mit dem eigenen Pferd geht sie bei Dressurwettbewerben an den Start. Klar, sie liebt Pferde - aber immer nur Tierärztin? Wäre ihr zu langweilig. „Die Baustellen sind schon super”, sagt sie, „da gibts jeden Tag eine neue Herausforderung für mich.”
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