„Massive Vorwürfe“ gegen Katzenhalterin

Von: Tobias Röber
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39 Maine-Coon-Katzen wurden einer Züchterin weggenommen. Die Tiere sollen in schlechtem Zustand gewesen sein. Foto: stock

Eschweiler. Am Ende zeigte sich die Angeklagte einsichtig. Nach Rücksprache mit ihrem Anwalt räumte die 31-Jährige ein, mit der Situation überfordert gewesen zu sein. Die von der Staatsanwaltschaft zunächst geforderte Freiheitsstrafe blieb ihr erspart. Die 39 Katzen, die ihr im April des vorigen Jahres vom Veterinäramt aus der Wohnung entzogen wurden, bekommt sie jedoch nicht wieder.

Am Dienstag wurde dieser Fall am Amtsgericht Eschweiler verhandelt. Vor recht großer Kulisse: 15 Zuschauer waren beim Prozess dabei, die meisten mussten in Sitzungssaal 16 auf Stufen Platz nehmen.

Der Reihe nach. Sylvia M. zog im Januar 2012 nach Eschweiler. Zuvor hatte sie in Frechen gewohnt und dort seit 2007 Katzen gezüchtet, Maine-Coon-Katzen, um genau zu sein. Das setzte sie auch in der Indestadt fort. Bis zum 26. April des Vorjahres, als Amtstierärztin Dr. Ulla Fincke mit weiteren Zeugen, unter anderem einer weiteren Tierärztin, das Haus von Sylvia M. und ihrem Mann in Eschweiler aufsuchte. 39 Katzen sahen sie dort, zusätzlich zwei Hunde und Fische im Teich. Die Katzen seien in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen.

Oberstaatsanwalt Alexander Geimer las vor, was Sylvia M. vorgeworfen wird. Es war eine lange Liste. Etliche Tiere hätten an Infektionskrankheiten gelitten, an deren folgen zwei Tiere im Juni des Vorjahres schließlich auch gestorben seien. Bei 23 Katzen habe man Erkrankungen des Kehlkopfes festgestellt, bei 16 Tieren sei das Zahnfleisch entzündet gewesen. Durchfallerkrankungen, Hautpilz, ein schlechter Ernährungszustand, stark verfilztes Fell, Ohrmilben, Diabetes – all das wird der Angeklagten vorgeworfen.

Eindringliche Warnung

Bereits seit dem April des Vorjahres ist Sylvia M. das Halten von Tieren vorläufig untersagt. Nun war in der Anklageschrift von einer Freiheitsstrafe in Höhe von sieben Monaten die Rede – zusätzlich zum Verbot, Tiere halten zu dürfen, da die Halterin gegen das Tierschutzgesetz verstoßen habe, so Geimer.

Sylvia M. hatte Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, und sie bestritt am Dienstag zunächst einen Großteil der Anschuldigungen. Zwei Katzen seien verfilzt gewesen, sonst habe sie kaum Erkrankungen feststellen können. Das hatte eine eindringliche Warnung der Richterin Juliana Schwartz zur Folge, der sich der Oberstaatsanwalt anschloss. „Sie stehen mit einem Bein im Gefängnis“, sagte er zu Sylvia M.

Richterin Juliana Schwartz musste derweil die Zuschauer beruhigen, die sich mit Kommentaren wie „furchtbar“ meldeten.

Eine Genehmigung zur Katzenzucht, wie sie erforderlich ist, hatte Sylvia M. in Frechen, in Eschweiler jedoch noch nicht. Sie habe diese beantragt, sagte sie. Und sie habe zum Zeitpunkt der Kontrolle zwei Würfe gehabt, eine Genehmigung sei ab fünf Würfen nötig, so Meurer. Dr. Ulla Fincke sprach als Sachverständige später von sieben Würfen.

Begonnen hatte der Ärger im Sommer 2012, als Sylvia M. zwei Maine-Coon-Katzen bei einer Züchterin in Bayern abgeholt hatte. Inwiefern diese bereits bezahlt waren, wurde am Dienstag nicht klar. Eine Katze wurde krank, die Verkäuferin wollte diese und später auch die zweite Katze zurück haben. „Ich war vom Aussehen der ersten Katze geschockt“, gab sie zu Protokoll.

Die Tierärztin, die Dr. Ulla Fincke damals begleitet hatte, schilderte im Anschluss ihre Eindrücke des 26. April. Im Haus habe sie gleich wahrgenommen, dass ein Ammoniakgeruch in der Luft gelegen habe. Mehrere Tier seien sehr dünn gewesen. Von einem „sehr schlechten Allgemeinzustand“ der Katzen sprach sie. Auf dem Boden habe sie Kot und Urinpfützen gesehen. „Das hätte auch Laien auffallen müssen“, sagte sie.

Sämtliche Tiere wurden daraufhin eingefangen, ins Tierheim gebracht und dort untersucht. Katzenschnupfensymptome habe man ebenso festgestellt wie angeschwollene Lymphknoten. „In einem Raum waren alle 13 Katzenjunge an Durchfall erkrankt.“ Zudem habe sie Ohrmilben bei den Tieren festgestellt und Wattestäbchen mit Ohrmilben auf dem Treppengeländer gefunden. Dies sei Dreck gewesen, keine Ohrmilben, sagte Sylvia M. dazu.

Zudem seien die beiden verstorbenen Katzen pathologisch untersucht worden. Als „schrecklich“ bezeichnete die Tierärztin den Anblick.

Als nächste Zeugin trat eine weitere Tierärztin auf, bei der Sylvia M. ab Februar 2012 mehrfach mit ihren Tieren war. Die Tiere seien „häufig schwer erkrankt gewesen“, sagte sie, und sie habe bei vielen Katzen Kotverschmutzungen im Fell festgestellt. Weitergehende Untersuchungen habe sie vorgeschlagen, dieser Rat sei jedoch von Sylvia M. nicht befolgt worden.

Der Ehemann von Sylvia M. brachte neue Aspekte ein. Die Flecken, die die Tierärztinnen als Kotreste identifiziert hatten, seien „Kotzflecken“. Nach einigen Ausführungen verdeutlichte ihm Alexander Geimer, dass er sich auch strafbar machen könne, wenn sich herausstelle, dass er ebenfalls Tierhalter sei. Nach mehrmaliger Belehrung und deutlichen Worten verzichtete er schließlich auf eine Aussage.

Dr. Ulla Fincke sprach danach mehrere Minuten über den Gesundheitszustand der Katzen – noch etwas ausführlicher, als es bereits in der Anklage zu hören war. Fotos ersparte die Richterin den Anwesenden ebenso nicht.

Den Einspruch gegen den Strafbefehl beschränkte der Anwalt der Angeklagten daraufhin auf das Strafmaß. Und er regte an, seiner Mandantin das Halten von Tieren nicht komplett zu verbieten.

3000 Euro Strafe

Alexander Geimer sagte: „Bei solchen Verfehlungen muss die Halterin zwei Jahre auf die Tiere verzichten. Die Vorwürfe sind zu massiv.“ Die Strafe fiel schließlich wie folgt aus: Die Angeklagte muss 120 Tagessätze zu je 25 Euro als Strafe zahlen. Zudem sind ihr das Halten sowie der Handel mit sämtlichen Haustieren für zwei Jahre untersagt. Die Katzen aus ihrem Haus bekommt sie nicht wieder.

Ob Einspruch gegen das Urteil eingelegt werde, wolle man sich noch überlegen, gab Sylvia M‘s Anwalt an. Sylvia M. und ihr Mann wohnen nicht mehr in Eschweiler.

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