Marktplatz: Kein Platz für ideologische Schlachten

Von: Rudolf Müller
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Das Spielmobil (links) bleibt, wo es ist. Aber dahinter lädt künftig eine Sitzbank mit Wasserfall zum Verweilen ein. Daneben verbindet eine 16 m breite Freitreppe Markplatz und Kirchenplateau. Und die Außengastronomie hat beiderseits künftig unter einem Dach aus barrierefrei gepflanzten Platanen deutlich mehr Platz.

Eschweiler. Freitreppe, Wasservorhang, Platanen... die Umgestaltung des Marktplatzes ist seit Donnerstagabend auch offiziell beschlossene Sache. Gegen die beiden Stimmen von Grünen und Linken beschloss der Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss, dem Marktplatz ein neues Gesicht zu geben.

Einziger bedeutender Unterschied zu den Anfang Februar in einer Bürgerversammlung vorgestellten Plänen: Auf einen Zwei-Richtungs-Verkehr im südlichen Teil der Marktstraße zwischen Indestraße und Marktplatz wird verzichtet, die Zufahrt zu den hier vorhandenen Geschäften (und Parkplätzen) kann wie gehabt nur von der Wollenweberstraße her erfolgen.

Grüne-Sprecher Dietmar Widell hatte vergebens versucht, die Wasserwand samt angrenzender Freitreppe zu verhindern: Vor allem aber stört ihn abgesehen davon, dass der Markt nicht rigoros vom motorisierten Verkehr befreit wird, die Tatsache, dass die Bäume auf dem Markt gefällt und ersetzt werden sollen. Und das, obwohl viele von ihnen derart krank sind, dass sie weg müssen, wie ein von den Grünen selbst bestellter Gutachter konstatierte. Dietmar Widell: „Die sind nur deshalb marode, weil die Stadt sie nicht gepflegt hat!“

Linke-Sprecher Wilhelm Schürmann lehnte das „viel zu teure, völlig überzogene Facelifting“ für den Markt mit dem Argument ab, es sei viel wichtiger, das City Center und Hertie anzupacken. Dass die Stadt darauf bekanntermaßen keinerlei Einfluss hat, focht den Linken dabei nicht an.

SPD-Fraktionschefin Nadine Leonhardt sieht die Pläne weder als überteuert noch als überzogen an: Sie seien das Ergebnis zahlreicher Gespräche und Workshops; eine Planung, die den Markt in seinem bisherigen Charakter erhält und ihn zudem durch Barrierefreiheit unter den Baumreihen, durch die Freitreppe vor der Kirche und die Wasserwand am Spielmobil in Sachen Aufenthaltsqualität aufwertet. Teure, überzogene Vorschläge wie z.B. der Bau einer Tiefgarage seien nicht zum Tragen gekommen. Leonhardt bat darum, den Markt nicht zum „Battle-ground“, sprich: Schlachtfeld, ideologischer Auseinandersetzungen zu machen: „Ja – es sollen Fahrräder und Fahrradständer auf den Markt! Und ja – es sollen in Maßen auch Autos dort fahren können!“

Noch offen ist ein Antrag der CDU, an Markttagen eigens Seniorenparkplätze anzubieten: „Keiner schleppt sein Obst oder Gemüse quer durch die City!“, plädierte auch UWG-Sprecher Erich Spies für Kurzzeit-Stellplätze am Markt.

Noch offen ist auch der genaue Standort der geplanten Büchervitrine, in der sich jeder zum Nulltarif mit Lesestoff eindecken kann – oder seine Bücher anderen zur Verfügung stellen kann. Der Förderverein der Stadtbücherei, der angeboten hatte, die Patenschaft über die Vitrine zu übernehmen, soll da ein Wort mitreden können. Beigeordneter Hermann Gödde: „Es ist ganz toll, dass Bürger hier die Patenschaft übernehmen. Denn hier ist ja auch eine gewisse Kontrolle darüber nötig, welche Bücher da drin stehen.“

FDP-Sprecher Christian Braune hatte sich zuvor bei der Verwaltung ausdrücklich für deren detaillierte Beantwortung etlicher Fragen der Liberalen bedankt. Auch die SPD hatte Auskunftsbedarf und erfuhr nun zum Beispiel, dass die Marktbühne sowohl über der Treppe an der Kirche als auch an der Südseite des Platzes errichtet werden kann. Und dass die Stadt die Unterhaltungskosten der Wasserwand auf jährlich 2400 Euro beziffert.

Im Oktober soll mit dem Umbau begonnen werden, der im April kommenden Jahres fertiggestellt sein soll. Damit wird die Außengastronomie so wenig wie möglich beeinträchtigt, und auch in der Weihnachtszeit wie zu Karneval herrscht Baustopp, um Veranstaltungen auf dem Marktplatz nicht zu stören.

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