Markt am Mittwoch lohnt kaum noch

Von: Sonja Essers
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Samstags kommen viele Besucher zum Eschweiler Marktplatz. Foto: Rudolf Müller (1)/Sonja Essers (3)
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Mittwochs lohnt es sich auf dem Markt kaum. Foto: Rudolf Müller (1)/Sonja Essers (3)
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Gerda Vleugels und Anne Klapperich stehen als einzige in Weisweiler.
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Stephanie Lucassen-Schumann kommt seit 13 Jahren auf den Markt.

Eschweiler. Es sind sechs Grad, der Himmel ist grau und der Wind pfeift. Einfach ungemütlich. Gerda Vleugels und Anne Klappe-rich stört das nicht. Sie haben wie jeden Dienstag ihren Stand an der Lindenallee in Weisweiler aufgebaut. Dort ist dienstags und samstags Wochenmarkt.

Weitere Händler sucht man allerdings vergebens. Bereits seit vier Jahren sind Vleugels und Klapperich die einzigen, die dort ihre Ware anbieten. Was die Zukunft der Eschweiler Wochenmärkte angeht, ist Gerda Vleugels skeptisch. Sie meint: „Ich glaube nicht, dass das noch lange gut geht.“ Wir haben uns auf den Wochenmärkten in der Innenstadt und in Weisweiler einmal umgeschaut und herausgefunden, dass zum Arbeitsalltag der Händler nicht nur weniger Kunden, sondern auch Unzufriedenheit bezüglich der Standorte gehört.

Händlermangel auf den Wochenmärkten der Indestadt? Das war nicht immer so, erinnert sich Vleugels. Vor acht Jahren habe es viele Händler in Eschweilers Osten gezogen, die sich vor dem Schützenheim die Klinke in die Hand gaben. Gemüse, Obst und Kartoffeln konnte man auf dem privat organisierten Wochenmarkt genauso erwerben wie Käse und Blumen.

Weniger Händler in der Innenstadt

Doch die Zeiten änderten sich und das nicht nur in Weisweiler. Auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt haben Kunden mittwochs die Auswahl zwischen sieben Ständen. Einer von ihnen gehört Stephanie Lucassen-Schumann und ihrem Ehemann Willem. Seit 25 Jahren hat Willem Lucassen seinen Stand auf dem Eschweiler Markt. Seine Frau ist seit 13 Jahren dabei. Die 38-Jährige hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass immer weniger Händler den Marktplatz aufsuchen. „Es hat schon abgebaut und es hält auch keiner mehr richtig durch. Vor allem jüngere Händler lassen schnell alles fallen.“

Auch in Weisweiler hielt die Euphorie nicht lange an. Jahr für Jahr verschwanden immer mehr Händler. Gerda Vleugels und Anne Klapperich wollen jedoch auch in Zukunft dort ihren Stand aufbauen, schließlich sei es vor allem für die älteren Kunden wichtig, einen Verkaufsstand in der Nähe zu haben. Das sehen ihre Kunden genauso. Da der Sturm den beiden Händlerinnen am vergangenen Samstag einen Strich durch die Rechnung machte, entschied sich der eine oder andere Kunde dazu, auf seine Kartoffeln zu verzichten. „Normalerweise versuchen wir aber immer hier zu sein“, sagt Vleugels.

Diese Einstellung vertritt auch Stephanie Lucassen-Schumann und erinnert an die heftigen Schneefälle vor zwei Jahren. „Als wir morgens auf dem Markt ankamen, war noch nicht mal geräumt. Da haben wir selbst Schnee geschippt“, sagt sie.

Jeden Monat zahlen sie und ihr Mann für den 18 Meter langen Hänger rund 500 Euro Standgebühren, Strom inklusive. Den beziehen die Händler über einen Stromkasten. Jeder Händler hat seine Uhr und kann sehen, was er verbraucht. Derselbe Betrag wird für den Wochenmarkt in Hasselt (Belgien) fällig, den die Lucassens ebenfalls zwei Mal pro Woche besuchen.

Besonders ärgert sich die 38-Jährige über das Verhalten einiger Kollegen. „Wer samstags auf den Markt kommt, der sollte auch mittwochs kommen müssen. Wir könnten auch sagen, dass wir mittwochs nicht mehr kommen, aber dann wäre hier ja noch weniger los. Man kann als Händler nicht einfach kommen, wann man will.“

Eine Händlerin, die nur samstags auf dem Markt zu finden ist, ist Brigitte Rolshoven-Wiesen. Vor vier Jahren übernahm sie den Stand ihrer Eltern und führt diesen nebenberuflich weiter. Sie meint: „Der Mittwoch auf dem Markt lohnt sich einfach nicht mehr. Da wird kaum noch Gewinn gemacht.“ Gerne würde sie ihren Kunden diesen Service anbieten, doch finanziell lohne sich das einfach nicht. „Vom Mindestlohn sind wir an diesem Tag weit entfernt“, sagt die EDV-Fachkraft.

Discounter als „großes Problem“

Mit weniger Kunden müssen sich auch Vleugels und Klapperich abfinden. Denn: Nicht jeder sei ein Fan von Wochenmärkten. Immer wieder gebe es Menschen, die ihnen vorwerfen, teurer zu sein, als der Supermarkt um die Ecke. „Das stimmt aber nicht“, sagt Vleugels. In puncto Frische sieht das wieder anders aus. „Die finden die Kunden bei uns viel besser.“ Trotzdem seien Discounter ein großes Problem. „Die machen uns kaputt“, ist sich Vleugels sicher.

Während dort der Großeinkauf stattfinde, sei der Verkaufsstand eher für kleinere Einkäufe beliebt. „Unsere Kunden wollen manchmal auch nur zwei Äpfel oder drei Birnen haben“, erzählt Klappe-rich, die gerade Rosenkohl für eine Stammkundin vorbereitet.

Stephanie Lucassen-Schumann kann das so nicht bestätigen. Discounter würden ihr Geschäft nicht beeinflussen. „Wenn ein Kunde zufrieden war, dann kommt er auch wieder“, meint sie.

Dafür gebe es allerdings ein anderes Problem, mit dem sich die Händler auf dem Eschweiler Markt auseinandersetzen müssen. Wenn der Marktplatz für Veranstaltungen gebraucht wird, müssen die Händler ihre Stände vor dem Rathaus aufbauen, und das gefalle weder den Marktbeschickern, noch den Kunden. „Wenn der Markt am Rathaus stattfindet, ist das eine Katastrophe. Da haben wir jedes Mal Einbußen von fast 30 Prozent.“

Auch viele Kunden würden den Wochenmarkt am Rathaus meiden. „Ihnen gefällt es einfach nicht. Da ist keine schöne Atmosphäre, es ist sehr laut und eng“, so die Händlerin. Ihr Vorschlag: „Die Uferstraße oder der Platz vor dem Talbahnhof wären doch schön, da gibt es auch Parkplätze.“

Brigitte Rolshoven-Wiesen ist da anderer Meinung. Die Uferstraße sei für den Wochenmarkt viel zu klein und der Talbahnhof zu weit weg. „Immerhin wird der Markt verlegt und fällt nicht aus“, meint sie. Schließlich sei das oft in Kornelimünster der Fall. Dort baut die 42-Jährige freitags ihren Obst- und Gemüsestand auf.

Trotzdem ist Lucassen-Schumann auf dem Wochenmarkt gerne zu Gast. Schließlich sei es schön, sich mit den Kunden auszutauschen. Diese Erfahrung haben auch Vleugels und Klapperich gemacht. „Man bekommt hier so viel Herzlichkeit zurück“, sagt Vleugels und berichtet davon, dass sie und ihre Kollegin bereits von Anwohnern mit Kuchen versorgt worden sind. Da ist es für die beiden Verkäuferinnen Ehrensache, Kaffee und Plätzchen mit den Kunden zu teilen.

Gerda Vleugels und Anne Klap-perich fühlen sich in Weisweiler wohl, auch wenn sie dort die einzigen Händler sind. Darüber freuen sich auch ihre Kunden. „Was machen wir nur, wenn Sie mal nicht mehr hier sind?“, fragt eine Stammkundin und verabschiedet sich mit den Worten: „Dann bis Samstag!“

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