Eschweiler - Manfred Rosa: Für die einen Scharlatan, für andere „Seher“

Manfred Rosa: Für die einen Scharlatan, für andere „Seher“

Von: Annika Thee
Letzte Aktualisierung:
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Seit über 30 Jahren sagt der hauptberufliche „Hellseher“ Manfred Rosa, 54 Jahre alt, seinen Kunden die Zukunft voraus.

Eschweiler. Das Haus auf der Jülicher Straße sieht unscheinbar aus. Auf dem Klingelschild der Nummer 37 steht nur der Nachname „Rosa“. Nichts verrät, dass sich in der Wohnung im Erdgeschoss ein Zimmer befindet, in dem Manfred Rosa (54) bis zu fünf Menschen am Tag empfängt, die ihn um Botschaften aus der Zukunft bitten.

Dort, inmitten von Kerzen, Engelsfiguren und Marienstatuen, bereitet sich der „Seher“ auf seine nächste Sitzung vor: „Vor einer Sitzung ziehe ich mich eine halbe Stunde zurück, schalte das Handy aus und bete, um mich darauf zu konzentrieren, was geschehen wird“, erklärt der braun gebrannte Mann mit der akkuraten Frisur, dem Halstuch und der Steppjacke.

Seine Kunden kämen aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten. „Von Politikern über Immobilienhändler bis zum Harz-IV-Empfänger ist alles dabei“, gibt der selbstbezeichnete „Hellseher“ an. Auf dem Tisch, an dem Manfred Rosa seinen Kunden vermeintliche Botschaften von Verstorbenen mitteilt, stehen nur eine Kerze und ein paar Porzellanfiguren. Keine Tarotkarten, keine Kristallkugel.

„Ich bin hellsichtig und hellhörend. Das bedeutet, dass ich Bilder der Zukunft sehe und mir Verstorbene Botschaften schicken, die ich hören kann. Karten oder so etwas brauche ich nicht. Nur einen Zettel und Stift, um die Botschaften aufzuschreiben“, sagt Manfred Rosa.

Erste Bilder mit 14 Jahren

Er habe früh bemerkte, dass er anders sei als die meisten Menschen. Er beschreibt, bereits im Alter von 14 Jahren Bilder gesehen und Stimmen von Verstorbenen gehört zu haben. „Was soll das, fragte ich mich. Ich konnte mir das nicht erklären“, gibt Manfred Rosa zu. „Doch weil sich die Botschaften immer wieder bewahrheiteten, wurde mir klar, dass ich Einblicke in die Zukunft erhalten kann“. Mit 21 Jahren begann Rosa dann, Menschen gezielt die Zukunft vorherzusagen.

Man mag an die „Gabe“ von Menschen wie Manfred Rosa glauben oder eben nicht. Dass er trotz seines ungewöhnlichen Berufs ein ganz normales Leben führt, kann jedenfalls nicht abgestritten werden. Bis vor ein paar Jahren führte er ein Hotel, eine Disco und ein Textilgeschäft in Eschweiler und Aachen. Seine Tätigkeit als „Hellseher“ lief nebenbei. Nach der Arbeit beriet er Menschen am Telefon. „Dann konnte ich mich dem für mich vorgesehenen Weg nicht mehr entziehen und ich entschloss mich dazu, hauptberuflich ‚Seher‘ zu sein und von meiner Gabe zu leben“, sagt Rosa.

Wie alle anderen Menschen geht er ins Kino, in die Disco oder trifft sich mit Freunden. „Bloß manchmal höre oder sehe ich eine Botschaft und schreibe sie mir schnell auf“, gesteht der selbst ernannte „Seher“.

Seit Manfred Rosa seine Dienste in den sozialen Medien bewirbt, erntet er nicht nur begeisterte Bewertungen von treuen Kunden, sondern auch Spott und Beleidigungen. Für die meisten Menschen ist Hellseherei Unfug, ein Phänomen, das nicht wissenschaftlich belegbar ist oder eine Masche, die dazu dient, leichtgläubigen und verzweifelten Menschen das Geld aus den Taschen zu ziehen.

Direkte Kritik an seinen Fähigkeiten und typische Fragen wie „Was sind denn die Lottozahlen für Samstag?“ kann Manfred Rosa nur belächeln. „Generelle Ereignisse kann man nur sehr schwer voraussehen“, gibt der Mann aus Eschweiler zu. „Bei einzelnen Personen erhalte ich viel konkretere Botschaften bezüglich ihrer beruflichen Zukunft, ihrer Gesundheit oder ihrer engsten Beziehungen. Da kann ich gezielt sagen ‚geh zur Vorsorgeuntersuchung‘ oder ‚bleib nicht an der roten Ampel stehen‘“, erklärt der 54-Jährige seine „Gabe“.

Lediglich Hilfe

Manfred Rosa legt Wert darauf, die Grenzen seiner Fähigkeit offenzulegen. „Ich nehme meine Gabe als Seher sehr ernst. Ich kann Kunden nur sagen, dass ihr Partner nicht gut für sie ist, aber ob sie die Partnerschaft beenden, liegt nicht in meiner Hand. Handeln müssen die Menschen selber, ich kann nur helfen“, erläutert er.

Manfred Rosa gibt zu, nicht bei jedem Menschen einen Blick in die Zukunft erlangen zu können. „Bei manchen gibt es eine Blockade. Dann empfange ich keine Bilder oder Botschaften. Ich sage dann immer: Wenn keine Antenne da ist, gibt es kein RTL. Dann muss ich die Menschen wieder wegschicken.“

Ihm selbst falle es leicht, seinen Beruf vom Privatleben zu trennen. „Seher sehen nichts für sich selber, nichts für ihre Familie und auch nichts für ihre Freunde und Partner“, erklärt er. „Für mich selbst zählt, wie bei jedem anderen Menschen auch, das Bauchgefühl. Ansonsten könnte ich keine entspannte Beziehung führen“, sagt Manfred Rosa mit einem Augenzwinkern.

Über Formate wie „Astro TV“ regt sich der „Seher“ auf. Bereits fünfmal habe er eine Anfrage des Senders erhalten, um bei „Astro TV“ aufzutreten. Dabei könne er gut von seiner Gabe leben. Außerdem verachte er die „Unterhaltungskultur bei Astro TV“. Er selbst empfing einmal eine Kartenlegerin des Senders als Kundin, habe sie allerdings nach kurzer Zeit wieder hinausgebeten. „Die Frau gab zu, die Anrufer möglichst lange in der Leitung halten zu wollen und den Job nur des Geldes wegen zu tun. Die Menschen bei ‚Astro TV‘ sind sicherlich keine Kollegen von mir“, regt sich Manfred Rosa auf. Besonders verachte er, dass hilflose Leute dort um ihr Geld gebracht würden und in die Abhängigkeit gerieten. „Es gibt Junkies, die keine eigenen Entscheidungen mehr fällen können, weil sie so sehr auf sogenannte Wahrsager angewiesen sind“, beschwert sich Rosa. „Solche Menschen schicke ich sofort wieder nach Hause“.

Kein Blatt vor den Mund

Auf die Frage, ob er davor zurückschrecke, Kunden schlechte Botschaften zu überbringen, antwortete er fest entschlossen: „Ich bin hier nicht auf der Kirmes und ich rede nichts schön, wenn es nichts schönzureden gibt. Aber ich frage immer, wie weit die Kunden gehen wollen, bevor ich über Tod und Krankheiten spreche“.

Für viele Menschen mag der Beruf von Manfred Rosa Unfug sein und seine Vorhersagen nichts als leere Worte. Für andere verändert der Gang zum „Hellseher“ vielleicht sogar das Leben.

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