Eschweiler - Manfred Hahnen scheidet als Leiter des Berufskollegs aus

Manfred Hahnen scheidet als Leiter des Berufskollegs aus

Von: Andreas Röchter
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Noch liegt Arbeit auf dem Schr
Noch liegt Arbeit auf dem Schreibtisch von Manfred Hahnen, doch im Juli geht der Schulleiter nach 38 Jahren Berufskolleg Eschweiler in den Ruhestand. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sein Weg vom Schüler zum Lehrer verlief nicht unbedingt ohne Umwege. Und dass er einmal die größte Schule der Städteregion Aachen (derzeit 2860 Schüler) leiten würde, dürfte ihm zu Beginn seines Arbeitslebens recht unwahrscheinlich erschienen sein.

Der gelernte Werkstoffprüfer „baute” sein Abitur an der Abendschule, studierte an der RWTH Aachen Fertigungstechnik und Germanistik und kam 1974 noch als Referendar an das Berufskolleg Eschweiler, seiner beruflichen Heimat für die nächsten 38 Jahre. In wenigen Wochen nimmt Manfred Hahnen nun Abschied und geht in den Ruhestand.

Am 3. Juli steht für den dann 65-Jährigen (Geburtstag am 27. Juni) die Verabschiedungsfeier an, am 6. Juli folgt der letzte Schultag, am 31. Juli, an dem das Schuljahr offiziell abgeschlossen wird, endet die Berufslaufbahn des überzeugten Wahl-St.-Jörisers schließlich endgültig.

16 Jahre alt war Manfred Hahnen, als er seine Ausbildung zum Werkstoffprüfer bei Thyssen abschloss. „Ausgelernt! Aber reicht das bis 65?”, lautete die Frage des gebürtigen Oberhauseners an sich selbst. „Nein” hieß die Antwort. Sofort nutzte er den zweiten Bildungsweg, ging tagsüber seiner Arbeit nach und büffelte Abends für das Abitur, das er 1969 ablegte.

„Während Schulungserfahrungen mit Lehrlingen war bei mir der Wunsch entstanden, Lehrer zu werden”, denkt er zurück. Da es damals nur in Aachen möglich war, auf Lehramt zu studieren, schnappte sich Manfred Hahnen sein Moped und machte sich auf den dreistündigen Weg von seiner damaligen Heimatstadt Duisburg in Richtung Kaiserstadt.

„Ich war zuvor noch nie in Aachen gewesen, und habe mir als erstes an einem Kiosk einen Stadtplan gekauft”, erinnert sich der scheidende Schulleiter. Die RWTH hat Manfred Hahnen gefunden, doch nun ging es darum, auch in Sachen Fächerwahl fündig zu werden. „Eigentlich wollte ich Eisenhüttenkunde studieren, was an der RWTH auch möglich war. Es existierte jedoch kein Studienplan für dieses Fach. Und mir einen solchen selbst zusammenzustellen, habe ich mir damals nicht wirklich zugetraut. Deshalb entschied ich mich für Fertigungstechnik und Germanistik.”

Die Folge: „Ich wurde von den Kommilitonen beider Studiengänge wegen meines jeweils anderen Fachs als Exot angesehen”, sagt Manfred Hahnen, der nach acht Semestern das Staatsexamen in der Tasche hatte, 1973 sein Referendariat begann und ein Jahr später am Berufskolleg Eschweiler „anheuerte”. Ein Schritt, den er nie bereut hat.

„Damals bestand das Kollegium aus 61 Lehrern, heute sind es 131”, nennt er Zahlen, die deutliche Veränderungen in der Schullandschaft belegen. „Im Vergleich zu heutigen Referendaren hatte ich es leichter. Stellen gab es damals zu hauf, ich konnte mir nach dem Referendariat meine Schule aussuchen”, betont der zweifache Vater. „Auch vor diesem Hintergrund hat es mir als Schulleiter immer sehr leid getan, manchem Bewerber absagen zu müssen.”

Nachdem Manfred Hahnen Mitte der 70er Jahre beruflich Fuß gefasst hatte, galt es nun, auch privat Wurzeln zu schlagen. Gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise ging es auf Grundstücksuche. In St. Jöris wurden die beiden Ruhrgebietler fündig - und heimisch. „Wir haben unser Haus freitags bezogen, am folgenden Dienstag wurde ich von einem Nachbarn zur Probe des Kirchenchors St. Gregorius mitgenommen. Ich war im Ort angekommen”, berichtet Manfred Hahnen, der nach wie vor seinem Chor die Treue hält.

Beruflich kamen für den Pädagogen neue Aufgaben am Berufskolleg hinzu. Zwölf Jahre lang war Manfred Hahnen als Vorsitzender des Lehrerrates tätig, beteiligte sich am Aufbau des dualen Bildungsganges „Verfahrensmechaniker”, absolvierte eine Zusatzausbildung zum Beratungslehrer und übernahm zunehmend Verantwortung in verschiedenen Bereichen der erweiterten Schulleitung.

1999 wurde er stellvertretender Schulleiter, bevor er im Februar 2008 die Nachfolge von Reinhard Ernst als Schulleiter übernahm. „Ich habe in meiner Lehrerlaufbahn immer versucht, die Schüler nicht ausschließlich als Lernende, sondern in erster Linie als Menschen zu sehen”, zieht er Bilanz.

Die gravierendsten Veränderungen? „Die Schüler sind heute älter und von daher in ganz anderen Lebenssituationen als sie es früher waren.” Darüber hinaus sei ein Berufskolleg immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. „Hier werden sowohl Förderschüler als auch Abiturienten und Studienabbrecher unterrichtet. Dies und die daraus folgenden Probleme gibt es an keiner anderen Schulform”, macht Manfred Hahnen deutlich.

Kritisch sieht der Beinahe-Ruheständler die Wahrnehmung der Berufskollegs in der Öffentlichkeit. „Da tut sich zu wenig. Im Blickpunkt stehen allgemeinbildende Schulen.”

In den kommenden Wochen möchte Manfred Hahnen vor allem keine Entscheidungen treffen, „die andere im nächsten Schuljahr ausbaden müssen.” Ein „Auslaufen lassen” komme aber ebenfalls nicht in Frage. Eins sei jedoch ab dem 31. Juli klar: „Der Abschied bedeutet Abschluss. Wenn ich raus bin, bin ich raus”, hat er keine Angst, loszulassen. „Ich werde in kein Loch fallen. Nicht, weil ich 1000 Hobbys habe, sondern eine Familie, die mir Halt gibt”, ist der leidenschaftliche fünffache Großvater überzeugt.

So hat sich Manfred Hahnen vorgenommen, erstmals in seinem Leben 14 Tage im September in Urlaub zu fahren, „noch mehr Opa zu sein”, sein Klavierspiel sowie sein Englisch aufzupolieren, sowie ausgiebige Wanderungen und Radtouren zu unternehmen. Und er wird einen Container bestellen, um im Haus aufräumen zu können.

„In den 36 Jahren, die wir inzwischen in St. Jöris wohnen, hat sich sehr viel Schulmaterial angesammelt. Von einigem werde ich mich, wenn auch schweren Herzens, trennen”, so der Ausblick. Es ist eben der Abschluss eines Lebensabschnitts. Doch der nächste wartet bereits.
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