Manfred Groß: Vom Spitzenkandidaten zum Hobby-Winzer

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Es ist ruhig geworden um Manfred Groß. Jahrelang hat der Weisweiler das politische Leben in der Stadt mitgeprägt – als engagierter CDU-Politiker, 15 Jahre lang als stellvertretender Bürgermeister, als Vorsitzender verschiedener Ausschüsse und des Partnerschaftskomitees.

Am Mittwoch wird Groß 70 Jahre alt. Inzwischen tritt er in der Öffentlichkeit zwar selten auf, über Langeweile wird der Pensionär aber nicht klagen, wie er im Interview unterstreicht.

Herr Groß, wollen wir über aktuelle Kommunalpolitik sprechen?

Groß: Lieber nicht.

Warum?

Groß: Weil ich es immer schon nicht gut gefunden habe, wenn ehemals Aktive im Hintergrund als Besserwisser auftreten. Deswegen war ich auch nach meiner Pensionierung nicht mehr an meiner ehemaligen Schule, der Grundschule Langerwehe.

Vermissen Sie denn die Ratsarbeit?

Groß: Mir fehlen natürlich einige Personen und Freunde, die ich im Laufe der Jahre gewonnen habe. Zu manchen habe ich immer noch Kontakt. Mit manchen Personen verbindet man auch mehr als eine reine Parteizugehörigkeit.

Was fehlt Ihnen denn in der aktuellen Kommunalpolitik?

Groß: Mir fehlen Menschen, die bereit sind, sich zunächst ein Bild von der Fraktionsarbeit zu machen. Für mich hat es den Anschein, dass viele sofort Ratsmitglied werden wollen, am besten sogar direkt als Mitglied des Fraktionsvorstands oder als Bürgermeister. Mir fehlt hier die Bewährung in der Partei- und Ratsarbeit. Das heißt: zunächst einmal nur zuhören, den Ablauf kennenlernen und sich mit notwendigen Informationen beschäftigen. Dann kommt es nicht dazu, dass bei Fraktionssitzungen hohe Fehlerquoten zu verzeichnen sind, es dafür aber endlose Diskussionen gibt, die oft nicht mehr zu einem für alle tragbaren Kompromiss führen.

Sie haben Ihre Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters im Jahr 2004 einmal als Ihren größten politischen Fehler bezeichnet – warum?

Groß: Ich war schon damals der Meinung, dass es für die CDU besser wäre, keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten gegen Rudi Bertram zu stellen. Ich habe bis zuletzt für diese Haltung keine Mehrheit in der CDU Eschweiler erhalten.

Aber Sie haben sich trotz dieser Meinung nominieren lassen...

Groß: Ja, ich habe mich leider breitschlagen lassen unter dem Motto: „Du musst das machen – wir haben sonst keinen. Als große Partei brauchen wir einen eigenen Kandidaten.“ Allerdings will das nach einer Niederlage keiner mehr wissen. Ich habe aber immerhin noch das beste Ergebnis der CDU-Kandidaten seit 1999 geholt. Aber eine verlorene Wahl kommt gerade bei der eigenen Partei nicht gut an, auch wenn schon vorher die Niederlage klar ist. CDU-Mitglied bin ich aber nach wie vor.

Welche schönen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Ratsarbeit?

Groß: Vor allem die Zeit als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees mit den Verbindungen zu beiden Partnerstädten war besonders schön. Bei mir entwickelte sich vor allem wegen meiner Sprachkenntnisse zum damaligen Bürgermeister von Reigate & Banstead, Tom Curtis, eine echte Freundschaft.

Die Arbeit des Partnerschaftskomitees hat ein Verein übernommen...

Groß: Was ich teilweise bedauere. Nicht, weil die Vereinsmitglieder schlechte Arbeit leisten. Im Gegenteil. Aber der Stadtrat ist bei der Partnerschaftsarbeit inzwischen außen vor. Das ist schade, denn von engen Verbindungen zwischen den politischen Gremien der Städte kann die Partnerschaft nur profitieren.

Können Sie den Brexit nachvollziehen?

Groß: Nein, das kann ich nicht. Ich glaube, dass auch die Mehrheit in England ihn nicht gewollt hat. Aber die Menschen sind halt zu Hause geblieben – dies erklärt das Ergebnis. Diese Tendenz fürchte ich übrigens auch bei kommenden Wahlen in Deutschland. Wenn die Menschen nicht zur Urne gehen, gewinnen die Falschen.

Langweilig wird Ihnen aber auch ohne Kommunalpolitik und Arbeit als Lehrer nicht?

Groß: Ich habe wenig Zeit. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich nun gerne einmal länger schlafe (lacht). Das hängt auch damit zusammen, dass ich jage und manchmal erst früh morgens aus dem Revier bei Gressenich nach Hause komme. Wenn ich etwas erlege, dann kann es nämlich schon einmal 4 Uhr morgens werden.

Ich vermisse einen Hund in Ihrem Haus, schließlich haben Sie auch einmal Cockerspaniel gezüchtet...

Groß: Das stimmt. Meine Eltern hatten immer eine Vorliebe für die Tiere, was sich vererbt hat. Ich habe sogar erfolgreich an Prüfungen teilgenommen. Aber da ich auch gerne mit meiner Frau weit verreise, bleibt für einen Hund inzwischen keine Zeit mehr.

Wie kamen Sie zum Jagen?

Groß: Daran war ein Hund beteiligt. Er hat Wild gejagt, was er eigentlich nicht darf. Ich meldete ihn zur Jagdprüfung an und wurde so letztlich im Jahr 1979 selbst ein Waidmann. Einmal in der Woche probe ich mit den Jagdhornbläsern, dieser Termin ist fest in meinem Kalender verankert.

Sie sind ganz schön vielseitig, was Ihre Hobbys betrifft: Auch Tauchen zählt zu Ihren Leidenschaften...

Groß: Das mache ich aber inzwischen nicht mehr, dafür fehlen mir die Kondition und die Übung. Im Urlaub habe ich erstmals getaucht und habe viele Jahre in Ägypten Tauchgänge unternommen. Meine Tochter Britta ist inzwischen Tauchlehrerin – da ist wohl etwas hängen geblieben.

In Ihrem Garten wachsen Weintrauben – Sie keltern?

Groß: Ja, ich habe eigenen Wein hergestellt, der sogar genießbar war. Ich habe ihn Weisweiler Rößler genannt, wegen der Nähe zum Hubert-Rößler-Weg. Viel war es aber nicht, etwa fünf bis sechs Liter. Die Flaschen habe ich dann mit eigenem Etikett versehen und Freunden geschenkt. Ich bin eigentlich kein großer Weintrinker, aber er soll gut geschmeckt haben. Bei meinem ersten Schnaps war die Resonanz nicht so gut, denn er hatte 70 Prozent. Ich wusste gar nicht, dass man ihn verdünnen kann und auch muss. (lacht)

Sie brennen Schnaps?

Groß: Natürlich alles im Rahmen der Zollvorschriften. Das ist ganz schön aufwendig, denn man benötigt fürs Brennen von 0,3 Liter etwa drei bis vier Stunden. Allzu lange mache ich das aber noch nicht, da ist noch viel Luft nach oben.

Sie sind in Weisweiler inzwischen fest verwurzelt. Woher stammt eigentlich Ihre Sehnsucht nach fernen Ländern?

Groß: Mein Vater war bei der Bundesbahn, so konnten wir kostenlos mit dem Zug nach Österreich fahren. Als Kind habe ich das Reisen also schon früh kennengelernt. Dies ist irgendwie geblieben, nur die Ziele sind manchmal weiter weg.

Welche Orte würden Sie noch auf Ihrer Reise über den Globus besuchen?

Groß: Als nächstes Ziel haben wir uns erneut Indien ausgesucht. Viele Orte haben ihren Reiz. Wir waren schon in Thailand und Vietnam, aber auch in den Vereinigten Staaten, in Südafrika und Namibia. Es gibt dort vieles zu entdecken. Ich bin kein Typ, der den Tag im Hotel verbringt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Safari in Südafrika, wo ich natürlich keine Flinte dabei hatte. (lacht)

Hand aufs Herz: Vermissen Sie die Schule, Ihre Tätigkeit als Lehrer, vermissen Sie die Arbeit mit den Kindern nicht manchmal?

Groß: Ich habe ja schon viele Jahre nicht mehr vor einer Klasse gestanden, weil ich im Personalrat tätig war. Natürlich habe ich die Schule organisatorisch geleitet, aber Unterricht musste ich schon lange nicht mehr geben. Ich glaube auch nicht, dass ich ein besonders fähiger Grundschullehrer gewesen wäre. Da gibt es Geeignetere. Aber die Organisation einer Schule lag mir.

Was ist eigentlich aus Ihren Ambitionen geworden, einmal Prinz Karneval zu werden?

Groß: (lacht) Die hatte ich nie wirklich. Das ist aus einer Laune heraus nach einer Ratssitzung entstanden. Der leider inzwischen verstorbene Albert Wegmann und ich foppten Franz-Josef Dittrich damit, dass wir für dieses Amt kandidieren wollen. Wir haben nie festgelegt, wer welche Funktion übernimmt. Aber dieses Gerücht machte so sehr die Runde, dass manche wirklich glaubten, wir kandidieren. Ich bleibe aber nach wie vor der Lätitia Blaue Funken Weisweiler eng verbunden und dort Mitglied des Elferrates. Das Prinzenamt überlasse ich lieber anderen.

Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag feiern?

Groß: Am Geburtstags selbst werde ich mit meiner Familie im engsten Kreis anstoßen. Einige Tage später werde ich dann mit guten Freunden, manche kenne ich seit meiner Jugend, am Blausteinsee in Dürwiß feiern.

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