Malteser machen in Erste-Hilfe-Kursen auf das Thema Blutkrebs aufmerksam

Von: Katrin Fuhrmann
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Ein Einsatz, der Leben retten kann: Lukas Ritgens (21,links) und Jan-Philipp Düppengießer (31) referieren in den Erste-Hilfe-Kursen des Malteser Hilfsdienstes über das Thema Blutkrebs. Foto: Katrin Fuhrmann

Eschweiler. Sarah (17) und Johannes (35) (Namen von der Redaktion geändert) führen eine ganz besondere Freundschaft. Eine Freundschaft, die aus großer Hilfsbereitschaft entstanden ist. Sarah erhielt vor vier Jahren die Diagnose Blutkrebs. Die Ärzte stellten ihr eine Lebenschance von drei Monaten in Aussicht. Nicht mehr. Ein passender Spender fand sich damals nicht. Zunächst zumindest nicht. Als Sarah schon jede Hoffnung verloren hatte, kam der Anruf, den die heute 17-Jährige niemals vergessen wird.

Man hatte kurz vor dem Ende der drei Monate einen passenden Spender für sie gefunden. Ein Lichtblick für Sarah, die auf einmal wieder Träume und Ziele hatte. Ihr Spender ist der damals 31-jährige Johannes. Das weiß Sarah allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die DKMS, der weltweit größte Verbund von Stammzellspenderdateien, hält ihre Spender geheim.

Der Malteser Hilfsdienst unterstützt die DKMS bei der Suche nach Stammzellenspendern. Die Malteser in Eschweiler waren einer der ersten, die das Thema Blutkrebs in ihren Erste-Hilfe-Kursen thematisierten.

Passende Gewebemerkmale

Lukas Ritgens (21) und Jan-Philipp Düppengießer (31) leiten die Erste-Hilfe-Kurse beim Malteser Hilfsdienst. Ihnen liegt das Thema Blutkrebs am Herzen. Sie kennen Sarah und Johannes und wissen, wie wichtig es ist, dass sich Menschen typisieren lassen. Warum?

Sarah hatte Glück. Johannes hatte die passenden Gewebemerkmale und kam als Spender für Sarah infrage. Andere haben das Glück nicht. Jeder siebte an Blutkrebs erkrankte Mensch verliert den Kampf gegen die Krankheit, weil kein geeigneter Spender gefunden wird. Dabei könnte es so einfach sein, Leben zu retten. „Mit einem Wattestäbchen muss man bloß einen Wangenabstrich machen und zwei, drei Fragen beantworten. Das war es“, sagt Ritgens. Natürlich könne man niemanden zwingen, sich registrieren zu lassen. Aber der Aufwand sei verhältnismäßig gering.

Ausreden gibt es immer

Bei den Maltesern ist das Thema Blutkrebs ein wichtiger Bestandteil der Kurse geworden. Rund 1700 Menschen besuchen jedes Jahr einen der 120 Erste-Hilfe-Kurse. 800 davon lassen sich jedes Jahr registrieren. Ein Erfolg für den Hilfsdienst. „Wir sagen den Teilnehmern, dass eine Registrierung wichtig ist. Denn je mehr Menschen registriert sind, umso eher besteht die Chance für Kranke einen passenden Spender zu finden“, sagt Ritgens. Ausreden, sich nicht registrieren zu lassen, kennen Ritgens und Düppengießer allerdings auch.

„Man findet immer eine Ausrede, Dinge nicht zu tun“, sagt Düppengießer. In dem Fall könne er das allerdings nicht verstehen. Denn immerhin dauere die Registrierung nicht einmal fünf Minuten. Ob man, sollte man als Spender infrage kommen, wirklich spendet, könne man immer noch entscheiden, wenn es so weit ist. Düppengießer liegt das Thema auch deswegen so sehr am Herzen, weil ein guter Freund an Leukämie erkrankt ist. Ihm geht es immer schlechter. Ein passender Spender wurde noch nicht gefunden.

Anders, als bei vielen anderen Krebsarten, ist Blutkrebs mit dem richtigen Spender heilbar. Aber: Blutkrebs hat eine höhere Sterberate, weil es immer noch zu wenig Spender gibt. Das greifen Ritgens und Düppengießer auch in den Kursen auf. Sie erklären den Teilnehmern genau, was mit ihren Daten und dem Wattestäbchen passiert. „Viele haben Angst davor, wenn sie als Spender in Frage kommen, dass der Eingriff weh tut oder sie Folgen davontragen“, sagt Ritgens.

Diese Ängste könne man ihnen aber nehmen. „Die meisten fangen erst an, sich mit dem Thema Blutkrebs zu beschäftigen, wenn jemand im Familien- oder Freundeskreis betroffen ist. Das wollen wir ändern, um anderen Menschen eine höhere Chance auf einen Spender zu ermöglichen“, sagt Ritgens. Das Beispiel von Sarah und Johannes erzählen Ritgens und Düppengießer regelmäßig. Für viele Teilnehmer sind die beiden ein Grund dafür, sich typisieren zu lassen.

Sarah und Johannes hatten nach der Blutspende Kontakt – anonym. Sie schrieben sich Briefe, die die DKMS an den jeweils anderen weiterleitete. Die beiden wussten weder, wo der andere herkommt, noch wie alt er ist und wie er heißt. Nach zwei Jahren gibt die DKMS allerdings allen Patienten und Spendern die Möglichkeit, sich kennenzulernen.

Für Sarah und Johannes war schnell klar: Sie wollten sich kennenlernen. Ein erstes Treffen und noch viele mehr folgten. Mittlerweile sehen sich Sarah und Johannes regelmäßig, machen sich kleine Geschenke und sind in jeder Lebenssituation für den anderen da.

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