Mal mitreißend, mal anrührend: Cantabile

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der Kammerchor „Cantabile” g
Der Kammerchor „Cantabile” gehört zu den herausragenden Chören der Region. Die zwölf Sängerinnen und Sänger und ihr Chorleiter Gregor Josephs boten jetzt beim Jubiläumskonzert „Höhepunkte aus zehn Jahren a cappella”. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Faszination Musik - wenn ein Chor von gerade einmal zwölf Sängerinnen und Sängern einen achtstimmigen Chorsatz intoniert, dann ist das ein Wagnis, bei dem der Atem stocken kann. Jetzt bloß kein falscher Ton! Und dann fließt die Melodie, und die Zuhörer können wieder beruhigt ausatmen: Alles wird gut.

Mit dem schwierigen achtstimmigen „Agnus Dei” von Samuel Barber, der Chorfassung seines Streicher-Adagios, eröffnete der Kammerchor „Cantabile” am Sonntag sein Jubiläumskonzert. Zehn Jahre „Cantabile” - eigentlich sind es schon elf, berichtete Chorsprecher Peter Adrian, denn gegründet wurde der Chor bereits 2001 als „Kammerchor der Musikschule Eschweiler”. Einfühlsam und dramatisch zugleich sangen die sieben Sängerinnen und fünf Sänger das vor allem in den USA als Trauermusik geschätzte „Agnus Dei”, das bei der Beerdigung des erschossenen US-Präsidenten John F.Kennedy ebenso aufgeführt wurde wie bei der Trauerfeier für Albert Einstein. In der kleinen Besetzung, auf dem Klavier begleitet von Kantor Gerhard Behrens, wirkte diese sonst von großen Chören aufgeführte Trauermusik geradezu ätherisch.

Musikalische Perlen

„Höhepunkte aus zehn Jahren a cappella” stand als Motto über dem Jubiläumskonzert, und der von Gregor Josephs straff geleitete Chor bot - bei freiem Eintritt - den Zuhörern in der fast voll besetzten Kirche Herz Jesu eine Kette musikalischer Perlen. Die beiden gewichtigsten Werke standen gleich am Anfang. Auf Barbers „Agnus Dei” folgten die „Lagrime dAmante al Sepolcro dellAmatta”, die „Tränen des Liebenden am Grab der Geliebten”, des Renaissance-Komponisten Claudio Monteverdi. Die sechs unter dem Titel „Sestina” bekannten Lieder verbinden den Schmelz musikalischer Schönheit mit entsagungsvoller Trauer. Peter Adrian trug dazu die deutsche Texte der Lieder vor.

Mit religiös durchdrungener Trauer startete „Cantabile” ins Jubiläumskonzert, mit fröhlicheren, gelegentlich auch ausgelassenen Musikstücken ging es weiter. Hinreißend gesungen vor allem Mozarts Fassung des steirischen Volksliedes „D Bäurin hat dKatz verlorn”, und ein virtuoses Arrangement des französischen Volkslieds „Sur le pont dAvignon”. Nach diesem Stück brach der Beifall des zuvor eher verhaltenen reagierenden Publikums los, und als am Ende des Konzertes auch nach einer Zugabe immer noch weiter geklatscht wurde, sang der Chor dieses Lied als zweite Zugabe noch einmal.

Innig und schnörkellos

Staunenswert ist die musikalische Bandbreite des Cantabile-Chores; das wurde gerade in diesem Konzert deutlich, das eine Auswahl aus dem Repertoire der vergangenen Jahre vorstellte. Die Spanne reicht von der vertrackten Polyphonie der Renaissancezeit bis zur modernen a-capella-Popmusik, im Jubiläumskonzert mitreißend demonstriert am „Java Jive” der Gruppe Manhattan Transfer. Beeindruckend auch, wie innig und schnörkellos der Chor bei dem englischen Volkslied Greensleeves auf den Spuren der Kings Singers wandelte.

Dankesworte richtete Adrian an die Stadt Eschweiler und die Musikschule, an die Pfarrgemeinde, in deren Kirche „Herz Jesu” die Cantabile-Konzerte traditionell stattfinden, an den Chorleiter und Chorgründer Gregor Josephs, an Kantor Behrens und an die vielen treuen Zuhörer. Die haben schon bald wieder Gelegenheit, den Kammerchor zu hören. Beim Konzert zum 150-jährigen Bestehen der Städtischen Musikgesellschaft soll es einen kleinen Auftritt geben, im September ist ein Konzert zusammen mit dem Jülicher Figuralchor geplant, und zum Advent gibt es dann das große Vorhaben „Weihnachtsoratorium”, zusammen mit einem Projektchor der Evangelischen Gemeinde.

Mit einem fröhlichen „Nur ein Zimmerchen irgendwo” aus dem Musical My Fair Lady beendete „Cantabile” sein Jubiläumskonzert. Da hielt es die Zuhörer auch nicht mehr auf den Kirchenbänken, sie klatschen stehend Beifall.
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