Eschweiler - Maja Azarashvili: Vom denkwürdigen Olympia-Lauf nach Eschweiler

Maja Azarashvili: Vom denkwürdigen Olympia-Lauf nach Eschweiler

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Zieleinlauf im Aachener Waldstadion 1996 im 200-Meter-Lauf neben Anke Feller (Bayer Leverkusen), Weltmeisterin 1997 und Europameisterin 1998 mit der deutschen 4 x 400-m-Staffel.
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Maja Azarashvili im ESG-Trikot: 20 Jahre ist es her, dass der Eschweiler Vereinen den spektakulären Zugang präsentierte.

Eschweiler. Vor genau 20 Jahren hatte die Leichtathletikabteilung der Eschweiler SG einen ziemlich spektakulären Neuzugang zu vermelden. Eine Sprinterin mit fremdem Namen, aber erstaunlich guter sportlicher Vergangenheit hatte sich plötzlich und unerwartet dem Verein angeschlossen. Maja Azarashvili hieß die 31-jährige Athletin aus Georgien.

Sie konnte große Erfolge aus den Jahren davor aufweisen. Ihre größten erreichte sie im Jahr 1988, als sie bei den Olympischen Spielen in Seoul (Südkorea) das Finale im 200-Meter-Lauf erreichte und in diesem denkwürdigen Lauf den 7. Platz belegte. Denkwürdig war der Lauf deswegen, weil die damalige Siegerin Florence Griffith-Joyner (USA) bei ihrem Olympiasieg in 21,34 Sekunden einen Weltrekord aufstellte, der heute noch besteht. Mit der 4-x-100-Meter-Staffel der Sowjetunion trug Azarashvili zum Gewinn der Bronzemedaille bei. Im gleichen Jahr bei den Olympiaqualifikationswettkämpfen der UdSSR in Kiew stellte sie glänzende persönliche Bestzeiten auf. Über 100 Meter lief sie 11,08 Sekunden, über 200 Meter international noch wertvollere 22,24 Sekunden. Wie fand eine solche Weltklasseathletin den Weg ausgerechnet nach Eschweiler? Das ist eine etwas längere, aber interessante Geschichte.

Im Sommer 1993 fanden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Stuttgart statt. Hubert Meisen, gebürtiger Eschweiler und ehemaliger ESG-Leichtathlet, damals 47 Jahre alt und ehrenamtlicher Geschäftsführer der Bezirksgruppe Aachen der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), fuhr mit einer Reisegruppe dieses Vereins nach Stuttgart. Er war auch deswegen besonders an der WM interessiert, weil er zu dieser Zeit Athletenmanager von Achilles Top Kerkrade bei dessen jährlicher Ausrichtung des Internationalen Leichtathletikmeetings war.

Weltmeisterschaften im eigenen Land sind eine günstige Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Die Aachener DOG-Zuschauergruppe hatte ihre Sitzplätze im Gottlieb-Daimler-Stadion zufällig unmittelbar am 200-Meter-Start. Bei den Vor- und Zwischenläufen fiel ihnen eine Läuferin besonders auf. Eben jene Maja Azarashvili. Als Nation war auf der Anzeigetafel „GEO“ für Georgien aufgeführt. Meisen wusste, dass er aus diesem Land noch keine Athleten für Kerkrade verpflichtet hatte. Das war weiter nicht verwunderlich. Schließlich war es gerade mal gut drei Jahre her, dass sich die UdSSR aufgelöst hatte und die ehemaligen Sowjetrepubliken als eigenständige Nationen bei derartigen Meisterschaften auftraten.

Meisen fand über den georgischen Leichtathletikverband heraus, dass Azarashvili in Slowenien lebte und sich einem Club in Ljubljana angeschlossen hatte. Dieser Club hatte aber seine Versprechungen nicht eingehalten, so dass die Sportlerin nach einer Veränderung Ausschau hielt. Langer Rede kurzer Sinn: Die vorwiegend schriftlichen Kontakte führten letztlich dazu, dass die von ihrem Ehemann Zurab Memarnishvili trainierte Sprinterin ab Februar 1994 von Hubert Meisen gemanagt wurde und nach einem weiteren halben Jahr mit ihrer Familie, also Ehemann und fünfjährigem Sohn, nach Aachen-Brand übersiedelte.

Mit DJK Agon Düsseldorf wurde auch ein Verein gefunden, für den die Athletin starten konnte. Dem Verein gelang es auch, recht schnell für den Ehemann einen Arbeitsplatz zu finden. Sportlich begann die Zusammenarbeit zunächst mit einem Rückschlag. Nach tollen Trainingsergebnissen in der Düsseldorfer Leichtathletikhalle hoffte Azarashvili auf einen Medaillengewinn bei den im März stattfindenden Hallen-Europameisterschaften in Paris. Bei ihrem ersten Start bei einem Hallenmeeting in Mannheim passierte es dann. Klar in Führung liegend erlitt sie im Finale des 60-Meter-Laufs eine schwere Muskelzerrung im Oberschenkel. Damit war die Hallensaison beendet.

Ehemann Zurab Memarnishvili war nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein ausgebildeter Physiotherapeut. Das half natürlich, die Athletin rechtzeitig für die Freiluftsaison wieder einigermaßen fit zu bekommen. Beim ersten Freiluftstart nach der Verletzung am 28. Mai in Kerkrade lief sie die 100 Meter schon wieder in 11,46 Sekunden. Bei den weiteren international gut besetzten Meetings, z. B. in Rhede, Wipperfürth, Hamburg und Lille (Frankreich) gab es stetig Leistungssteigerungen.

Im baden-württembergischen Oberkochen lief sie in 22,96 Sekunden erstmals während ihrer Zeit in Deutschland unter 23 Sekunden. Da sie die einzige Leichtathletin ihres Landes war, die zu international ansprechenden Leistungen in der Lage war, durfte sie ohne Teilnahme an den georgischen Landesmeisterschaften an den Europameisterschaften im August in Helsinki (Finnland) an den Start gehen. Um kein Risiko einzugehen, verzichtete sie auf die 100 Meter und nahm nur am 200-Meter-Lauf teil. Das war ohnehin für sie die Strecke mit den größeren Erfolgsaussichten.

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