Eschweiler - Männerarzt hält auch Jugend fit

Männerarzt hält auch Jugend fit

Von: tim
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Professor Joachim Steffens (4. v.r.) traf sich mit Vertretern weiterführender Schulen, sowie der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheitsförderung, um Lösungen für eine bessere Sexualaufklärung von Jungen zu finden. Foto: Timo Müller

Eschweiler. „Gibt es eigentlich auch einen Männerarzt?“ Viele Kinder und Jugendliche hätten auf diese Frage vermutlich keine Antwort oder würden sie gar verneinen. Während für Mädchen in der Pubertät durch das Auftreten ihrer ersten Menstruation, oder durch die Verschreibung der Pille ein Besuch beim Gynäkologen ganz normal ist, bleiben Besuche ihrer männlichen Altersgenossen beim Urologen fast gänzlich aus.

So besteht der Patientenstamm vieler Urologen hauptsächlich aus älteren Männern. Dabei ist gerade ein Besuch beim „Männerarzt“ auch in jungen Jahren schon sehr zu empfehlen. Er sorgt für den Erhalt verschiedener Impfungen die beispielsweise gegen Mumps, der zu Hodenentzündungen und dadurch auch zu Unfruchtbarkeit führen kann, oder gegen HP-Viren, die unangenehme Warzen verursachen oder gar verantwortlich sind für die Entstehung von Penis- und Analkrebs.

Gleichzeitig sind diese Viren auch gefährlich für die Sexualpartnerin, deren Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöht wird. Dazu kann der Urologe viele Fragen bezüglich der eigenen Sexualität beantworten und dient den heranwachsenden Jungen als Ansprechpartner.

Damit die Aufklärung bei Jungs zukünftig besser funktioniert und auch mehr junge Männer die urologischen Praxen besuchen, hat Professor Joachim Steffens, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, eine Initiative zum Thema „Sexualkunde bei Jungen“ gegründet.

Jetzt traf er sich mit Vertretern der Schulleitungen sowie der Biologiefachschaften der Bischöflichen Liebfrauenschule, des Städtischen Gymnasiums Eschweiler, der Realschule Patternhof, sowie mit zwei Vertreterinnen der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheitsförderung (ÄGGF) in der Liebfrauenschule, um gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu finden.

So berichteten Dr. Erdmute Kallenberg, Ärztin für Allgemeinmedizin, und Dr. Mechthild Lutz-Wirz, Gynäkologin, von ihren langjährigen Erfahrungen, die sie bei Gesprächen mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern sammelten. Die beiden Ärztinnen besuchen regelmäßig weiterführende Schulen, um, außerhalb des eh stattfindenden Sexualkundeunterrichts, auf Fragen der Kinder eingehen zu können. Und das mit Erfolg: „Wenn die Kinder merken, dass sie ernst genommen werden, nehmen sie das Thema auch ernst“, so Kallenberg.

Geplant ist nun eine Kooperation der drei weiterführenden Schulen. So sollen sich die Schüler abwechselnd in einer der Schulen zu Vorträgen und nach Geschlechtern getrennten Fragestunden mit ihren jeweiligen Biologielehrern und Gynäkologen beziehungsweise Urologen einfinden.

Dabei wird auch nach dem Alter der Kinder differenziert. Ist der Umgang mit dem Thema Sexualität bei Sechstklässlern eher spielerisch, nehmen Jugendliche aus den neunten Klassen die Thematik schon ernsthafter auf, daher liegt der Fokus der geplanten Aktionen auch erst einmal auf den älteren Schülern.

Außerdem ist die Schaffung eines Fragenkatalogs, mit von Schülern häufig gestellten Fragen geplant, sowie im Internet frei zugängliche Lehrvideos, in denen Antworten gegeben werden. Professor Steffens zeigte sich erfreut über den regen Erfahrungsaustausch und die vielen Ideen und Vorschläge zu dem schulübergreifenden Projekt, die bei dem Treffen zustande kamen. Die ersten Aktionen sollen noch vor den Sommerferien stattfinden.

Die Bischöfliche Liebfrauenschule, das Städtische Gymnasium und die Realschule Patternhof kooperieren übrigens nicht nur beim Thema „Sexualkunde für Jungen“ miteinander. So fand am Montag im städtischen Gymnasium bereits eine schulübergreifende Veranstaltung zum Thema „Cybermobbing“ für alle sechsten Klassen der drei Eschweiler Schulen statt.

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