„Made in Germany”: Qualitätssiegel droht, an Glanz zu verlieren

Von: Thomas Vogel
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Eine Chance, „Made in Germany
Eine Chance, „Made in Germany” als Gütesiegel zu erhalten, liegt in Innovationskraft: Der Verkauf dieser neuentwickelten Industrie-Nähmaschine läuft laut Geschäftsführer Dr. Hendrik Dohle gut. Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Es ist ein Ruf, der nicht über Nacht entsteht. Präzise Arbeit, verbunden mit hohen Standards über einen langen Zeitraum, ließen ihn wachsen. Heute sind sich viele ausländische Abnehmer deutscher Produkte sicher: Kaufe ich ein Produkt „Made in Germany”, kaufe ich Qualität.

Die Kennzeichnung ist mittlerweile 125 Jahre alt. Auch in Eschweiler hat sie eine lange Tradition. Dennoch ist nicht sicher, ob es mit dem guten Image weitergeht.

Über 160 Jahre ist es her, als Friedrich A. Neuman in Aachen ein Unternehmen gründete, dessen Hauptsitz sich heute in Eschweiler befindet. Hier, im Stich 2, leitet Manfred Esser das Werk der F.A. Neuman Anlagentechnik GmbH. „?Made in Germany gilt speziell in den Wachstumsmärkten immer noch als ein gewisses Gütesiegel für Qualität und Terminsicherheit, gerät aber bei größer werdender internationaler Konkurrenz immer deutlicher in den Hintergrund”, erklärt er.

Dennoch: Es bestehen Chancen, dass Produkte aus Deutschland auch in Zukunft einen besonderen Ruf in der Welt genießen. Werksleiter Esser identifiziert diese Chancen in der Innovationskraft und im Spezialwissen in der deutschen Wirtschaft. Der Global Player aus Eschweiler ist in dieser Hinsicht gewappnet. Esser: „Mit unserer Kompetenz, unserer Erfahrung in Bezug auf internationale Standards und unserem schweißtechnischen Know-How für spezielle Apparate und Reaktoren, ist die F.A. Neuman Anlagentechnik GmbH ein führender Partner der chemischen Industrie, der Petrochemie sowie der Mineralölindustrie in Europa und in den globalen Wachstumsmärkten.”

Ein guter Ruf in Zukunft also nicht mehr auf breiter Basis, sondern höchstens in Marktnieschen? Die Risiken für das Ansehen von „Made in Germany” sind nicht wegzudiskutieren. Für Dr. Andreas Wagemann, Gründer und Geschäftführer der BeaTec GmbH, einem Eschweiler Unternehmen, das Präzisionsteile aus Keramik und Metall sowie Umformwerkzeuge herstellt, ist der Ruf vor allem durch den Fachkräftemangel bedroht: „Facharbeitermangel ist ja nichts, das sich abzeichnet, sondern etwas, das bereits da ist.”

Die technischen Berufe erführen zu wenig Wertschätzung. Außerdem: „Es gibt auch in anderen Ländern gute Leute. Es ist etwas dran, an ?Made in Germany, aber es ist nicht die ganze Wahrheit.” Sein Fazit: Deutschland müsse investieren - in Bildung und Qualifikation, um die im Ausland geschätzte Verlässlichkeit, Termintreue und Qualität weiter auf hohem Niveau anbieten zu können.

Was professionelle Nähmaschinen für den industriellen Einsatz angeht, herrscht in der Indestadt kein Qualitätsnotstand. Ein guter Stich wird rund um den Erdball geschätzt. „Es gibt kaum Länder, in denen nichts von Dohle steht”, sagt Dr. Hendrik Dohle, Geschäftführer der Dohle GmbH & Co KG, einem Unternehmen, das Industrie-Nähmaschinen herstellt. Besonders die Inder, so seine Erfahrung, schätzen Deutschland als Herstellungsort und zahlen dafür gerne etwas mehr. „In Bangladesch hat sich ?Made in Germany sogar als schlagendes Argument gegenüber der europäischen Konkurrenz erwiesen”, führt Dohle aus.

Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: Die Eschweiler Maschinen seien robust und pflegeleicht - wichtig in einem Metier, in dem Abnehmer auf die Zuverlässigkeit des Gerätes angewiesen sind.

In die Zukunft schaut Dohle hoffnungsvoll, was das Image deutscher Waren angeht. „Ich denke aber, es wird nicht so wichtig sein, dass jedes einzelne Teil in Deutschland gefertigt wurde”, meint er. Viel mehr zähle das Know-How am Standort und die Qualität des Endproduktes. Wie groß der Anteil des Herkunftslandes und dem damit verbundenen Ruf am Erfolg des Unternehmens ist, das kann kein Chef beziffern.

Das es nicht nur die Fertigungsqualität deutscher Produkte ist, die im Ausland mit dem Gütesiegel „Made in Germany” verknüpft ist, merken Unternehmen in besonderer Weise, die keine Produkte exportieren. Viele VW- und Audi-Fahrer aus Belgien und Frankreich lassen ihre Fahrzeuge bei Jakobs Automobile in Eschweiler warten. „Das Vetrauen in deutsche Werkstätten ist im benachbarten Ausland extrem hoch”, erklärt Alois Herrmann, KFZ-Techniker-Meister bei Jakobs Automobile. Die Kunden kommen wegen des Know-How und Service „Made in Germany”.
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