Lustige Anekdoten und Sitzschalen aus der Soers

Von: Christoph Hahn
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Die Rektorin macht mit: Michaela Silbernagel (rechts) traf auch singenderweise zusammen mit Kollegen und Schülern am Samstag bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen der Realschule Patternhof in Eschweiler den richtigen Ton. Foto: Christoph Hahn
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Lockerer Talk: Schülersprecherin Lucie Müller beim Festakt im Gespräch mit Ex-Rektor Manfred Schwane (links) und dem ehemaligen Schüler Thorsten Schnitzler. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. Aufgekratzte Geburtstagsstimmung herrschte jetzt am Patternhof – und über dem Gelände mit der Hausnummer 7 schwebte, ganz anders als sonst, mehr als nur eine Wolke Popcorn-Duft. Dafür gab es einen besonderen Grund.

Lehrer und Schüler der Realschule, die hier, am Ufer der Inde, ansässig ist, feierten am Samstag mit vielen Gästen das 60-jährige Bestehen der Bildungsinstitution. Doch das schönste Geschenk zum Fest machten sich die Mitglieder der Schulgemeinde selbst.

Elke Cornetz, die zweite Konrektorin, hatte die Sache eingefädelt. Seit langer Zeit ehrenamtlich als Helferin beim Reitturnier in der Aachener Soers tätig, hatte sie aus erster Hand erfahren, dass in den Reihen des Stadions die Sitzschalen ausgetauscht wurden. Kurzerhand sicherte sich die Pädagogin 60 der strapazierfähigen Teile. Aus Anlass des Schulfestes wurden mit Hilfe der Handwerker Oliver Feucht und Frank Röntgen, beide selbstredend ehemalige Patternhof-Schüler, sowie der Mitarbeiter der LF-Werkstätten (diese Eschweiler Integrationsfirma betreibt unter anderem eine Schlosserei) die ersten Sitzgelegenheiten aufgestellt und gleich von den künftigen Nutzern begutachtet.

Für Aufsehen sorgten zudem die Stände des Schulfestes, an denen nicht nur der Förderverein des Hauses seine Arbeit präsentierte – darüber hinaus gab es im Freigelände sogar Cocktails, und zwar nicht nur alkoholische, sondern auch – streng konform mit dem Jugendschutz – auch Kreationen aus Säften und anderen unbedenklichen Zutaten. Einen Festakt gab es, dem historischen Anlass gemäß, natürlich auch. Das erste Wort dabei hatte die Hausherrin, Rektorin Michaela Silbernagel. Ihr Ideal: „Eine Schule für viele, eine Schule, die Vieles bietet, eine Schule, die Vielfalt lebt“. Mit anderen Worten: „60 Jahre Realschule Patternhof“. Dazu gibt es laut Silbernagel eine wichtige Voraussetzung: „Ohne Herzblut lebt eine Schule nicht.“

Eine Schule wie die am Patternhof braucht nach dem Dafürhalten der Hausherrin noch mehr: „Der Respekt und die Wertschätzung jedem Menschen gegenüber beginnt hier und heute.“ Dass diese Werte hier so hochgehalten werden, hat einen konkret fassbaren Hintergrund: „Wir sind eine Schule, in der Schülerinnen und Schüler aus 29 Nationen vertreten sind.“ Das Fazit der Rektorin: „Wir sind stolz darauf und dankbar, so viele, ganz unterschiedliche Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet zu haben und sie weiterhin begleiten zu dürfen.“

Doch das Fest am Patternhof war nicht nur für Michaela Silbernagel ein großer Tag. Auch für Schülersprecherin Lucie Müller schlug, kurz vor dem Abgang, die Stunde – und zwar als Talkmasterin. Bürgermeister Rudi Bertram, Entlassjahrgang 1973, war ihr erster Gast. Der Rathaus-Chef ließ sich nicht lange bitten und gab sehr persönliche Erinnerungen preis – zum Beispiel die, wie ein missgünstiger Rektor, dem das politische Engagement von Bertrams Vater nicht gefiel, ihm den Übergang von der damaligen Volksschule in Bergrath schwer machte.

Die weiteren Gesprächspartner der charmanten Fragestellerin geizten ebenso wenig mit ihren Erinnerungen. Frederike Lahnstein, inzwischen pensionierte Lehrerin, wusste etwas von Cancan-Tänzen am Fettdonnerstag zu erzählen, von einem Volleyball-Turnier auf dem Hof „vor circa 20 Jahren“ – und davon, dass sie heute nicht mehr so gerne in einer Schule unterrichten möchte, „wegen der vielen Verwaltungs- und anderen Aufgaben“. Ein weiteres Glanzlicht: die Gesprächsrunde mit Ex-Schulleiter Manfred Schwane (Rektor von 1989-2007) und seinem ehemaligen Schüler Thorsten Schnitzler (Entlassjahrgang 1996), bei der sich Schwane an eine Rundfahrt durch die Innenstadt „in einer Art von Prinzenwagen“ erinnerte. Schnitzler wiederum erinnerte sich mit Dankbarkeit seines früheren Lehrers Günther Rusch: „Der hat mich immer zu packen gewusst.“

Das Rahmenprogramm des Festakts gab im Übrigen die Vielfalt, die Michaela Silbernagel in den Mittelpunkt ihrer Rede gestellt hatte. Die Trommelgruppe, der Schüler- und der Lehrerchor: Jeder Auftritt zeigte, was die Realschule Patternhof auch nach 60 Jahren immer ist – ein Ort voll prallen Lebens. Und dass die Junioren der „Kaafsäck“ mit vollem Blech den Zuhörern die Ohren gehörig durchblies – das war gewissermaßen wie das Tüpfelchen auf dem i an jenem denkwürdigen Samstag.

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