Ludwigs Biografie fesselt bis zur letzten Minute

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Referierte über Ludwig den Frommen: Professor Max Kerner. Foto: Geschichtsverein

Eschweiler. Unter dem Titel „Ludwig der Fromme – überforderter Erbe des großen Karl“? referierte Professor Max Kerner jetzt im Talbahnhof vor dem Eschweiler Geschichtsverein über den von der Geschichtsschreibung eher stiefmütterlich behandelten Sohn Karls des Großen, genannt der Fromme.

Kerner setzt dem entgegen, dass die Herrschaftsphase Ludwigs (814 – 840) ein Kernstück der karolingischen Geschichte und wichtiges Bindeglied zwischen der Machtballung unter Karl dem Großen und der Auflösung des Frankenreichs in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts gewesen ist.

Ludwig setzte sich entschieden für eine Kirchenreform ein (in diesem Rahmen ist auch die Gründung der Klosters Inda/Kornelimünster zusammen mit Benedikt von Aniane zu sehen) und geriet damit wohl in einen Gegensatz zum Willen der Päpste und anderer Großer seiner Zeit.

Sein eigener Plan, schon bei Lebzeiten das Reich einerseits unter seine Söhne zu teilen, die Reichseinheit jedoch durch den Supremat einer seiner Söhne, Lothar, zu erhalten (Ordinatio Imperii 817) stellte er durch die angestrebte Einbeziehung seines Sohnes Karl (der Kahle), Sohn aus 2. Ehe mit der Kaiserin Judith in das Machtsystem wieder in Frage, innere Auseinandersetzungen im Reich waren die Folge, sie gipfelten in der Absetzung Ludwigs 832.

Auch nach der Wiedereinsetzung 834/35 kam es zu keiner endgültigen Entscheidung. Erst nach seinem Tod 840 kam es in dem berühmten Vertrag von Verdun 843 zur endgültigen Reichsteilung. Damals entstand die im Mittelalter Jahrhunderte überdauernde Westgrenze Deutschlands.

Ein weiteres bleibendes Erbe der Politik Ludwigs war die erste erhaltene Verbriefung des Kirchenstaates von 817, die ein Zugeständnis des Kaisers an die Päpste war im Gegenzug für deren Zustimmung zur kaiserlichen Kirchenreform und der Erbfolgeordnung.

Professor Kerner gelang es, die teilweise recht komplizierten Zusammenhänge verständlich zu machen. Die geistreiche und zugleich humorvolle Art der Behandlung einer wichtigen Persönlichkeit des Mittelalters begeisterte das zahlreich erschienene Publikum bis zur letzten Minute.

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