Low-tec wendet Aus an der Südstraße ab

Von: Tobias Röber
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Ab September soll Low-tec an der Nothberger Burg arbeiten. Den Zuschlag erhielt die Beschäftigungsgesellschaft jetzt. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. So ein wenig verloren kommt sich Peter Brendel mitunter schon vor, wenn er durch die Low-tec-Räume an der Südstraße geht. Erst im Jahr 2008 ist die gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft dort eingezogen, für rund 20.000 Euro wurde etwa ein aufwendiger Küchentrakt eingebaut. Der wird ebenso nicht mehr genutzt wie einige Werkstatthallen.

Auf nur noch etwa 50 Prozent beziffert Brendel die Auslastung der Räume. Bis vor wenigen Tagen war noch gar nicht klar, ob es an der Südstraße überhaupt eine Zukunft gibt. Die ist nun für ein weiteres Jahr mehr oder weniger sicher. Zufrieden ist Low-tec-Geschäftsführer Brendel damit jedoch keineswegs. Die Gründe für die schlechte Auftragslage sieht er in Fehlentwicklungen in der Arbeitsmarktpolitik.

Seit dem Jahr 2010 sind die Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik um 50 Prozent gekürzt worden. Brendel beklagt, dass in dem immer härter werdenden Wettbewerb teils Dumpingpreise gezahlt würden. Bereits im Jahr 2010 verlor die Low-tec die erste Maßnahme. „Aqtion“ hieß diese und wendete sich an Jugendliche, die vom Jobcenter betreut wurden.

Keine BVB-Maßnahme mehr

Vor kurzem verlor die Low-tec ein großes Standbein. Seit 2007 bot die Low-tec sogenannte Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BVB) an. Im Rahmen einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme sollen die Jugendlichen vorrangig auf die Eingliederung in eine Ausbildung vorbereitet werden. Für Jugendliche, die noch ohne Schulabschluss sind, bietet die Maßnahme zudem die Möglichkeit, sich auf den Erwerb eines Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses vorzubereiten. Diese BVB-Maßnahmen gibt es in Eschweiler nun nicht mehr. Immerhin: Von den fünf Low-tec-Mitarbeitern aus dieser Maßnahme haben bereits vier eine neue Stelle.

Noch vor wenigen Wochen sah Peter Brendel für den gesamten Standort Südstraße schwarz. Zwischenzeitlich wurden die Räume an der Südstraße sogar zum Kauf angeboten, zu einer Einigung mit einem Interessenten kam es nicht. Für (mindestens) ein weiteres Jahr ist ein Verkauf nun vom Tisch.

Zum einen wurde in Teil des Standortes in Aachen an der Theaterstraße aufgelöst. Der Mietvertrag dort lief ohnehin aus. Im Rahmen des Projekts „Xenos Zirqel“, das sich an Jugendliche und junge Erwachsenen (insbesondere mit Zuwanderungsgeschichte) wendet, wurden in Aachen Qualifizierungskurse angeboten. Mitte September startet wieder ein Kurs, dann in Eschweiler.

In der Verlagerung von Aachen nach Eschweiler sieht Brendel einen Schritt in die richtige Richtung. Ein Kritikpunkt der Initiative Pro Arbeit Aachen, die sich unter anderem mit der Zukunft der gemeinnützigen Qualifizierungs-, Bildungs- und Beschäftigungsträger in der Städteregion beschäftigt, ist nämlich, dass mehr und mehr Maßnahmen in der Stadt Aachen und nicht mehr in der Städteregion angeboten werden.

Peter Brendel ist Vorsitzender der Initiative, in der sich die gemeinnützigen Beschäftigungsträger der Region zusammengeschlossen haben. Brendels Kritik in Richtung Jobcenter zielt vor allem auf dessen Einfluss ab. „Das Jobcenter hat größere Einflussmöglichkeiten, wenn es diese auch wahrnehmen möchte“, sagt Brendel. Das Jobcenter sieht den Bund in der Pflicht, Gespräche zwischen den Beteiligten laufen derzeit, wie Brendel erklärt.

Beim zweiten Schritt in Richtung Erhalt des Standorts Südstraße kommt die Nothberger Burg ins Spiel. Vor wenigen Tagen bekam Low-tec den Zuschlag für zwölf Qualifizierungsplätze im Bereich Bau. Die Qualifizierung von jungen und Langzeit-Arbeitslosen an der Bachufermauer der Vicht in Stolberg ist vor kurzem ausgelaufen. Ein Folgeauftrag war für den Anleiter der Low-tec GmbH Günther Steudel und seine Truppe erstmal nicht in Sicht. Nun geht es in Eschweiler weiter.

Wie es in einem Jahr an der Südstraße weitergeht, steht noch nicht fest. „Diese Entscheidungen sind ein klares Bekenntnis zu diesem Standort“, sagt Brendel. Neben den genannten Maßnahmen finden unter anderem noch Beratungen, Coaching und Bewerbungstrainings etwa für die ehemaligen Beschäftigten des Prysmian-Kabelwerks Lynen statt. Der sogenannte Transferbereich also.

„In dem einen Jahr müssen wir die Auslastung für den Standort sicherstellen“, sagt Peter Brendel. Wie das genau aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest.

In der Eschweiler Politik ist die Situation von Low-tec ebenfalls Thema. So bekannte sich der Sozial- und Seniorenausschuss in seiner letzten Sitzung zu Low-tec und dem Standort in Eschweiler. Unter anderem auf Grund der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der guten Vernetzung von Low-tec in Eschweiler wäre es verheerend, wenn der Standort an der Südstraße aufgegeben werden müsse.

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