Eschweiler - Lottokönig garantiert Lachsalven: Vorlese-Quintett erinnerte an Loriot

Lottokönig garantiert Lachsalven: Vorlese-Quintett erinnerte an Loriot

Von: Joachim Peters
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Seine feine Ironie begeistert
Seine feine Ironie begeistert immer noch: Ein Eschweiler Quintett erinnerte jetzt an den verstorbenen „Loriot”. Foto: imago/Reto Zimpel

Eschweiler. Der Autor und Darsteller Vicco von Bülow, besser bekannt als „Loriot”, starb vor wenigen Monaten. Doch: Niemals geht man so ganz. Wo andere Humoristen die Menschen zu lauten Lachsalven oder Schenkelklopfen animierten, da hat er über viele Jahrzehnte durch Bücher und im Fernsehen sein Publikum zu Tränen gerührt.

Da, wo er Schwächen bloßlegte, geschah dies nicht mit dem sprichwörtlichen Holzhammer, sondern mit einer Ironie, die, glaubt man Thomas Mann, neben Kritik auch immer Sympathie für den Gegenstand des Spottes beinhaltet.

Fünf Eschweiler - vom Literaten bis zum Arzt am St.-Antonius-Hospital - hatten nach dem Tod des Preußen und Wahl-Bayern von Bülow die Idee, ihn mit einem Abend im Kulturzentrum Talbahnhof zu ehren. „Keine schlechte Idee”, befanden die Indestädter insgesamt und bescherten dem früheren Schauspieler und jetzigen Talbahnhof-Wirten Walter Danz ein fast volles Haus.

Zwar ohne die im Fernsehen üblichen Bewegungen, aber mit der bloßen Macht der Sprache und der richtigen Betonung am rechten Fleck, verwandelten den Talbahnhof in ein „Loriot-Theater”: Stéfan Horn, Beate Lohse, Veronika Siebert, Walter Danz und Dr. Eberhardt Schneider. Walter Danz und Stéfan Horn verbindet ein persönliches Verhältnis zum jüngst Verstorbenen Grandseigneur des feinen Humors. Ein einziges Mal, Ende der 80-er Jahre, inszenierte Loriot am damaligen Stadttheater Aachen seine Werke. Mit im Ensemble der Aufführenden damals: Stéfan Horn und Walter Danz!

„Das Ei ist hart!” Diese brummende Äußerung eines muffeligen Ehemannes beim Frühstück führte ein in eines der Lieblingsthemen Loriots: verbale Missverständnisse und (unvermeidliche?) Abnutzungserscheinungen in einer langjährigen Beziehung.

Ein zweites Beispiel gefällig? Die Probleme eines älteren Paares, wenn das Fernsehen einmal seinen Geist aufgibt. Eigentlich die Chance des Lebens, sich einmal mit anderen Dingen - und vor allem mit sich selbst und seinen Gefühlen - zu beschäftigen. Stattdessen gibt es eine Redeschlacht und Schuldzuweisungen an den anderen, ohne Fernsehen nicht mehr leben zu können...

Wie die gut bürgerliche Fassade zweier scheinbar gesitteter und miteinander befreundeter Ehepaare über den Streit um die Größe des Desserts in einem Lokal pulverisiert wird, zeigte der Sketch „Kosaken-Zipfel”. Beim Teilen eines nur einmal vorhandenen Desserts für beide Männer kochen lange unterdrückte Rivalitäten, Minderwertigkeitsgefühle und bisher versteckte „Großkotzigkeit” hoch. Durch ihre Männer angeheizt, die sie zunächst beruhigen wollten, entfachen dann auch die Frauen einen „Zickenkrieg”.

Opern, die menschliche Vornamen tragen, führen zu Verwirrungen an der Theaterkasse. Bei diesem Sketch entbrennt zwischen Besuchern der Streit um Karten für „Siegfried” (von Wagner) und „Martha” (von Flotow). Wenn dann auch noch eine Cousine eines Besuchers, von Walter Danz gesprochen, „Martha” heißt, ist die Konfusion komplett: „Wie kann es Mittwoch Karten für Martha geben, wo sie erst Donnerstag kommt? Ich möchte aber nicht mit Martha zu diesem Siegfried gehen, sondern mit Martha bei Martha bleiben.”

Ein weiterer Genuss: Die Charikatur des Literaturkritikers. Walter Danz dürfte ihm nicht ohne Hintersinn das rollende „R” eines früheren Llteraturpapstes (Reich-Ranicki) geliehen haben, als er einem (von den Lesern auf lokale Verhältnisse abgestimmten) Fahrplan der Deutschen Bahn die lyrische Weihe gab: „Ab Langerwehe 21.51 Uhr, an und ab Nothberg 21.57 Uhr, an Eschweiler Hauptbahnhof 22.07 Uhr. Solche Klarheit findet man kaum in der neuen Literatur. Und die untergründige Spannung des Textes wird mit dem Schluss ,Ankunft Hauptbahnhof Aachen´ glänzend aufgelöst.”

Wie könnte es anders sein: Das Finale gehörte „Erwin Lindemann” und seinem Lotto-Gewinn. Da spätestens kugelten die Tränchen in den Augen der Talbahnhof-Gäste: vor lauter Freude - aber am Ende auch ein wenig wegen Trauer. Darüber, dass so ein begnadeter Humorist wie „Loriot” nicht mehr unter uns weilt.
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