„Loss mer singe”: Der größte und schönste Chor von Eschweiler

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Mitsingen und mitfeiern bei „Loss mer singe”, das ist wie Karneval im Oktober. Dicht gedrängt stand das Publikum am Sonntagabend im Kulturzentrum Talbahnhof.

Eschweiler. „Ihr seid der schönste Chor aus Eschweiler! Und der Größte!” Erwin Dohmen vom „Loss mer singe”-Team Eschweiler war begeistert. Das Publikum nicht minder. „So etwas hat in Eschweiler gefehlt! Das ist eine tolle Idee”, schwärmten Besucher am Sonntagabend im Talbahnhof.

Der war pickepacke voll. Rund 250 Gäste drängten sich im Saal und sangen lauthals mit, wenn die Bands auf der Bühne alte und neue, bekannte und noch unbekannte Mundartlieder anstimmten. Es war wie Karneval im Oktober, und den Moderatoren rutschte mehr als einmal ein „Leev Karnevalsfreunde” über die Lippen.

Die Idee zu „Loss mer singe” kommt aus Köln. Da gibt es das „Einsingen in den Karneval” schon seit zehn Jahren. Es sind Konzerte zum Mitsingen, bei denen die Kölner Mundart-Bands zugleich ihre neuen Lieder vorstellen. Das mitsingende Publikum bestimmt dann per Abstimmung, ganz demokratisch mit Stimmzetteln, welches die besten Kneipenhits des Jahres sind.

Was in Köln funktioniert, klappt im karnevalsbegeisterten Eschweiler natürlich auch, keine Frage. Aber dass gleich derart viele begeisterte Fans, Jung und Alt, dabei mitmachen, das verblüffte dann auch Georg Hinz, den Kölner Erfinder von „Loss mer singe”, der von Erwin Dohmen herzlich begrüßt wurde. Hinz wünschte dem Eschweiler Ableger dieser Aktion viel Erfolg.

Dass es den geben wird, steht nach dem ersten Konzert wohl außer Frage. In der kommenden Karnevalssession wird es eine Kneipentour von Eschweiler Bands geben, bei denen die Musikgruppen ihre neuen Lieder vorstellen. Das Publikum kann dann nicht nur, wie am Sonntag, mitsingen, sondern auch abstimmen, welche der Titel ihnen am besten gefallen, und zwar nicht nur der neuen Mundart-Hits aus Köln, sondern auch der Eschweiler Titel. „Mitfeiern, mitsingen und mitbestimmen” heißt das Motto.

Das mit dem Feiern und dem Singen klappte beim Start-Konzert schon vorzüglich. Aufwändig gestaltete Hefte mit den Texten aller Lieder lagen aus. Da konnten selbst Fans, die der rheinischen Mundart nicht ganz so mächtig sind, aus voller Kehle mitsingen: „Ich ken et Leed, doch ich han verjesse, woher un wie un wann...”

Drei Gruppen heizten am Sonntag den Eschweiler Mitsängern ein: Die erst vor wenigen Monaten gegründete Band „Puddelrüh”, deren Mitglieder allerdings viel Bühnenerfahrung mitbringen, die seit 30 Jahren bestehenden „Kröetsch” - eine Institution des Eschweiler Karnevals - , und das „Loss mer sing”-Team selbst.

„Wir sind ganz überrascht, dass die ganze Halle ausverkauft ist”, freute sich Puddelrüh-Frontmann Marcus Rothkranz. Und dann legte die Band los, dass die Besucher in Saal nicht nur begeistert mitsangen, sondern auch mit hüpften und mit klatschten. Eine Mischung bekannter Mundart-Hits wie „Hey Kölle” von den Höhnern, „Ich han de Musik bestellt” von den Paveiern und „Su lang mer noch am Lääve sind” von Brings ließen die Stimmung im Talbahnhof hoch kochen. Als eigenen Beitrag für die kommende Session stellte die Band ihr Lied „Schatzepaav” vor.

Drei Stimmen, eine Gitarre - das Team von „Loss mer singe” zeigte, dass auch ganz ohne harte Rhythmen Mundartlieder wunderschön sein können. Sonja Essers, Rene Bäcker, Andreas Bergs und als Gitarrist Jochen Fiedler brachten Lieder bekannter Gruppen und Interpreten aus der Geschichte der rheinischen Mundart-Musik - Stücke, die fast jeder auch ohne Textheft mitsingen konnte: „Rheinhotel” und „Roxy” von den Bläck Fööss, „Westerwald” von den Höhnern, bis zurück zum Karnevalsklassiker „Ach wat wor dat fröher schön doch en Colonia”, den Karl Berbuer 1938 geschrieben hat.

Ausschließlich eigene Stücke brachten dann die „Kröetsch” auf die Bühne - und auch hier brauchten viele Mitsänger nicht ins Heft zu schauen, denn die Hits der seit 30 Jahren bestehenden Eschweiler Mundartgruppe - ob „Ich wor noch nie op Mallorca”, „Lisbeth” oder „Der Sommer met 18 Johr” sind derart bekannt...

Als am Schluss alle Bands und Organisatoren auf der Bühne standen und mit dem „größten und schönsten Chor von Eschweiler” das Lied „Heimjon” sangen, war eigentlich klar, dass an „heimjon” noch nicht zu denken war. Es wurde weiter gesungen, und der „Laridah”, die Eschweiler Karnevalshymne, war dann auch noch zwei Straßen weiter deutlich zu hören.
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