Literaturkurse des Gymnasiums inszenieren Büchners „Woyzeck“

Von: Andreas Röchter
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Auch beinahe zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung ist das Werk, dass zu den meistgespielten Theaterstücken der deutschen Literaturgeschichte zählt, immer noch hochaktuell. Foto: Röchter

Eschweiler. Von der Obrigkeit verlacht, verspottet und der Lächerlichkeit preisgegeben, durch seine Vorgesetzten auch öffentlich gedemütigt, von seinen Freunden unverstanden und seiner Liebsten hintergangen, tötet der einfache Soldat Johann Franz Woyzeck mit Marie die Mutter seiner Tochter und zerstört somit das einzige, was ihm sein klägliches Dasein ein wenig erträglich machte.

Das Drama „Woyzeck“, das Autor Georg Büchner in seinen letzten Lebensjahren vor seinem früher Tod 1837 verfasste, ist eine einzige Anklage der Lebensumstände der „einfachen“ Menschen der damaligen Zeit. Die Herkunft macht(e) den Menschen, nicht sein Charakter oder seine Fähigkeiten.

Auch beinahe zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung ist das Werk, dass zu den meistgespielten Theaterstücken der deutschen Literaturgeschichte zählt, immer noch hochaktuell. Am Samstagabend brachten die Literaturkurse der 11. Jahrgangsstufe des Städtischen Gymnasiums unter der Leitung von Jan Hildebrandt und Gottfried Hargasser „Woyzeck“ auf die Bühne der vollbesetzten Schulaula.

Dabei gelang es den jungen Darstellern auf eindringliche Weise, die bedrückende Ausweglosigkeit der Lebensumstände des Johann Franz Woyzeck in einer durch und durch feindlichen Umgebung darzustellen. Lautstarker und langanhaltender Applaus war der verdinte Lohn nach 26 verstörenden und nachdenklich stimmenden Szenen, in der das Opfer zum Täter wird, aber dennoch immer Opfer bleibt.

Einziger Lichtblick

Woyzeck (Arne Schön) ist ein einfacher Soldat und führt ein armseliges Leben. Einziger Lichtblick: Mit seiner Geliebten Marie (Letizia Grala) hat er einen kleinen Sohn. Da sein kärglicher Sold nicht reicht, drei Personen zu ernähren, verdient er ein kleines Zubrot durch die Rasur seines Hauptmannes (Christian Zylus) und verdingt sich als „Versuchskaninchen“ für die „wissenschaftlichen“ Experimente des Doktors (Jasmin Goldhausen), der ihn zwingt, sich über Monate ausschließlich von Erbsen zu ernähren.

Die beiden „feinen“ Herren demütigen und verspotten Woyzeck bei jeder sich bietenden Gelegenheit. „Woyzeck, er ist ein guter Mensch, aber ohne Moral. Moral ist, wenn man moralisch ist“, entlädt sich die ganze Überheblichkeit des Hauptmanns über Woyzeck, der für den Doktor lediglich ein „Subjekt“ ist und einen „interessanten Kasus“ darstellt.

Doch um Marie und den gemeinsamen Sohn zu unterstützen, ist Woyzeck bereit, die Demütigungen zu ertragen. Pflichtschuldigst liefert er sein gesamtes Geld bei Marie ab. Als er dann jedoch bemerkt, dass Marie ihn mit dem ebenfalls hochmütigen Tambourmajor (Jan Schiffeler) hintergeht, bricht sich der Wahnsinn Woyzecks langsam Bahn. Zwar klagt er sein Leid seinem Kameraden Andres (Hakim El-Kadaoui), doch dieser ist weder gewillt noch im Stande, sich mit Woyzecks Situation auseinanderzusetzen.

Schließlich beginnt der durch Mangelernährung auch körperlich geschwächte Woyzeck zu halluzinieren. Er hört Stimmen, die ihm befehlen, Marie umzubringen und sich so von seiner aufgestauten Wut zu befreien. Der Soldat kauft ein Messer, lockt Marie in den Wald und tötet dort die Mutter seines Sohnes.

Wer ist der Schuldige?

Doch wer ist der wirklich Schuldige? Woyzeck? Oder die Gesellschaft, deren Mitglied Woyzeck niemals war? Und was können wir, die Menschen von heute, aus einem Werk, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, lernen? Fragen, die die Zuschauer nach einem keinesfalls unbeschwerten, aber definitiv bemerkenswerten Theaterabend auch auf dem Heimweg noch begleitet haben dürften. „Eine unglaublich intensiv gespielte Vorstellung, deren Niveau weit über den Begriff Schultheater hinausging“, sparte auch Schulleiter Dr. Friedhelm Mersch nicht mit Lob.

Neugierig geworden? Zwei weitere Aufführungen von „Woyzeck“ folgen am Donnerstag, 13. Juni, und Freitag, 14. Juni, jeweils ab 20 Uhr in der Aula des Städtischen Gymnasiums.

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