Lions-Club Eschweiler-Stolberg: Frauen bringen die Männerriege auf Trab

Von: Rudolf Müller
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Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen das Schwimmen beizubringen, das hat der Lions-Club Eschweiler-Stolberg sich auf die Fahne geschrieben. Wie auch der Lions-Club Eschweiler Ascvilare ist der Club Teil der weltweit größten Hilfsorganisation, die überall dort aktiv wird, wo staatliche Stellen an ihre Grenzen stoßen. Foto: imago/Belga
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Clubsekretär Andreas Fries (Mitte) und Team im Einsatz beim Familienfest am Blausteinsee. Foto: Rudolf Müller
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Mit frischen Ideen auf Zukunftskurs: Rica Reinisch und Gerd Thormann.

Eschweiler/Stolberg. Was haben Schwimmkurse mit Lions zu tun? Eine Menge, wenn das dabei federführende Lions-Mitglied Rica Reinisch heißt. Die dreifache Olympia-Goldmedaillengewinnerin ist Mitglied des Lions-Clubs Eschweiler-Stolberg. Und der hat es sich nun auf die Fahne geschrieben, jungen Flüchtlingen und anderen Kindern des Hauses St. Josef das Schwimmen beizubringen. Eine Aktion, die vor wenigen Jahren noch undenkbar erschienen wäre.

Wenn ein Club schon etwas in die Jahre gekommener Männer sich regelmäßig zu meist geselligen Anlässen trifft, ist das eine schöne Sache. Männerfreundschaft eben. Ohne damenkompatibles Kniggegetue. Was in keiner Weise abfällig zu verstehen ist. Allerdings: Sehr zukunftsträchtig ist so etwas nicht. Das haben auch die weltweit inzwischen fast 1,4 Millionen Lions-Mitglieder eingesehen. Deren Clubs waren einst reine Männerdomänen. Heute sind dort auch Frauen willkommene Mitglieder.

Das gilt auch für den Lions-Club Eschweiler-Stolberg. Der ist nun mit über 56 Jahren einer der ältesten Lions-Clubs Deutschlands. Und nimmt seit vier Jahren auch Frauen auf. Nachdem sich einige der Herren jahrelang vehement dagegen gesträubt hatten. Heute sind die Damen im Club nicht nur zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie sind auch die Motoren einer Entwicklung, die den Club ideenreich auf immer mehr Feldern aktiv werden lässt.

Gerd Thormann, derzeitiger Präsident des Clubs (im Juni wird er turnusgemäß von Hans-Gerd Vogelsberg abgelöst), ist stolz auf seinen Club. Der nämlich ist inzwischen so aktiv wie kaum ein anderer. 36 Mitglieder hat er derzeit, bald sind es 37. Das älteste – Gründungsmitglied Dr. Franz Jansen – ist 95 Jahre hat, das jüngste – Kerstin Rüther – gerade 41.

„Wenn auch drei Mitglieder aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten teilnehmen können, so kommen zu unseren Treffen doch immer zwischen 30 und 43 Teilnehmer“, sagt Thormann. Ehepartner eingeschlossen. Und die sind nicht nur an Bord, wenn es ums Martinsgansessen und ähnlich gesellige Events geht. Die waren zum Beispiel auch am vergangenen Sonntag am Blausteinsee, als der Club mit Kaffee und Kuchen sowie Losverkauf für Einnahmen von 2700 Euro für einen guten Zweck sorgte.

„Da waren im Vorfeld Spenden und Tombolapreise zu akquirieren, da mussten über 700 Stücke Kuchen gebacken werden, da mussten Lose angeboten, Kaffee ausgeschenkt und Preise ausgegeben werden“, berichtet Gerd Thormann. „Für mich ist solches gemeinsames Tun ganz wichtig: Gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, das stärkt den Club.“

Dessen ureigenster Zweck war schon immer, überall dort helfend einzugreifen, wo das soziale System des Staats das nicht vermag. Viele Jahre hindurch taten die Lions des Clubs Eschweiler-Stolberg dies überwiegend dadurch, dass sie die eigenen Portemonnaies aufmachten, gibt Thormann zu. Inzwischen ändert sich das – so wie es auch eine der Lions-Leitideen vorsieht: Die Mittel sollen gemeinschaftlich erarbeitet werden.

Wie zum Beispiel bei der Aktion „Kochen für Nepal“: Da schwangen Rica Reinisch, Christiane Karl und Dagmar Fries im Restaurant Lersch die Kochlöffel und servierten 82 Gästen im vollen Haus Schmackhaftes für den guten Zweck. Ergebnis: fast 4000 Euro für die Nepal-Erdbebenhilfe. Auch die regelmäßigen Konzerte gemeinsam mit dem Lions-Club Würselen bringen Geld: In zehn Jahren kamen rund 100.000 Euro für den Förderverein des Sozialpädiatrischen Zentrums in Aachen und Stolberg zusammen. Aktiv sind die Lions auch im Advent: Schon zwölf mal veranstalteten sie Adventsnachmittage für jeweils über 50 Gäste der Eschweiler und Stolberger Tafeln – Geschenke inklusive.

Spenden gingen und gehen an die Sozialdienste katholischer Frauen und Männer in den beiden Städten, an den Kinderschutzbund, das „Flügelschlag“-Netzwerk gegen Kinderarmut, das Friedensdorf in Oberhausen, an eine Kinderaugenklinik in der Elfenbeinküste und ein Hospital in Nepal. „Was wir tun, ist schon einiges, aber mir noch zu wenig“, sagt Gerd Thormann. „Wir sind dabei, neue Ideen zu entwickeln“, ergänzt Rica Reinisch. „Der Club hat inzwischen etliche jüngere Mitglieder, die mit frischen Ideen beim Präsidenten ein offenes Ohr finden.“ Zum Beispiel Sprachkurse für junge Flüchtlinge in Stolberg. Dazu hat Google eigens sieben Notebooks gespendet. Die Lions zahlen die Lehrer.

41000 Euro an Hilfe

Eine weitere Idee: Schwimmkurse für unbegleitete junge Flüchtlinge. „Und im Sinne der Integration gerne auch für andere sozial schwache Kinder, nicht nur aus dem Haus St. Josef“, betont Thormann. Mit Stadtsportbund-Chef Christoph Herzog und St.-Josef-Leiter Wolfgang Gerhards ist das Projekt abgestimmt. „Wir wollen auf keinen Fall eine Konkurrenz zu Schwimmvereinen sein“, sagt Thormann.

„Aber angesichts der Tatsache, dass immer weniger Kinder in den Schulen schwimmen lernen, wollen wir mithelfen, dass es nicht ganz so viele bleiben.“ Der Lions-Club zahlt nicht nur die Ausbilder, sondern auch die Badesachen der Teilnehmer. Ein Projekt, das sich andernorts bereits bewährt hat: In Aachen bietet Rica Reinisch dies mit dem Kinderheim Maria im Tann und dem SV Neptun an.

„We serve“ - wir dienen. So lautet das Motto der weltweiten Lions-Bewegung. Der Spendenbericht 2015 des Clubs Eschweiler-Stolberg mit über 41.000 Euro an gezielt eingesetzten Mitteln unterstreicht das eindrucksvoll. Und dass die Präsidenten des einstigen Männerclubs bei steigender Mitgliederzahl immer jünger werden, spricht dafür, dass Bedürftige auch in etlichen Jahren noch auf die Hilfe der Lions zählen können.

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