Liebfrauenstraße: Anwohner wollen lieber Bäume als Parkplätze

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Der Alleecharakter der Liebfrauenstraße soll nach dem Willen der Anwohner erhalten und nicht durch Senkrechtparken beeinträchtigt werden. Das Bild zeigt den Einmündungsbereich an der Jülicher Straße, wo mit den Bauarbeiten begonnen wird. Anhand von Plänen konnten sich die Anwohner ein erstes Bild von den Baumaßnahmen machen. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. „Alle Kanäle sind vollkommen marode.” Mit dieser Feststellung sahen sich die etwa 60 Anwohner der Liebfrauen- und der nördlichen Reuleauxstraße konfrontiert, die am Dienstag zu einer Bürgerversammlung in die Aula der Realschule gekommen waren.

Doch nicht nur der Kanal, sondern auch ein Großteil der Versorgungsleitungen und die Straßen selbst werden von Grund auf saniert.

Die Versammlung war im Rahmen der Bürgerbeteiligung angesetzt worden, und die Bürger beteiligten sich engagiert, denn mit einigem, was die Planer am Dienstag präsentierten, waren die Anwohner nun gar nicht einverstanden.

Auf dem Podium saß neben Vertretern der Stadt, der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) und der Energie- und Wasserversorgung (EWV) auch eine dreiköpfige Delegation von Tuttahs & Meyer; die Ingenieurgesellschaft macht für die WBE die Planung der Kanalsanierung.

Prof. Dr.-Ing. Markus Schröder, geschäftsführender Gesellschafter des Aachener Unternehmens, erläuterte den Anwohnern zunächst, warum das Abwassersystem in beiden Straßen erneuert werden muss. Hierbei handelt es sich weitestgehend um zwei nebeneinander liegende Kanäle, ein so genanntes Trennsystem, das Schmutz- und Regenwasser separat aufnimmt.

„Diese Kanäle sind zum Teil über 100 Jahre alt, die jüngsten immerhin schon 40 bis 50”, klärte Schröder auf. Befahrungen mit Kameras hätten „ein vernichtendes Ergebnis” an den Tag gebracht. Die Schäden, die den Anwesenden am Dienstag anhand von Kanal-TV-Aufnahmen gezeigt wurden, reichen von Wurzeleinbrüchen und verschobenen Verbindungen über nicht ordnungsgemäße Anschlüsse bis hin zu Brüchen, durch die Abwasser ins Erdreich eindringen kann.

Prof. Dr. Schröder: „Wie werden beide Kanäle durch einen einzigen neuen ersetzen.” Dieses seit den 80er Jahren gewollte Mischsystem nimmt sowohl Schmutz- als auch Regenwasser auf.

Der Kanal wird in der alten Trasse verlegt, um Kollisionen mit Versorgungsleitungen zu vermeiden. Durch beide Maßnahmen sollen unnötige Kosten vermieden werden. Für den Kanalbau schätzt Markus Schröder diese auf 840.000 Euro für den Fall, dass denn alle Hausanschlüsse erneuert werden müssen; pro Anschluss wären das im Schnitt 1500 bis 2000 Euro.

Gerhard Handels, Leiter der städtischen Abteilung für Straßenraum und Verkehr, stellte im Anschluss die Planung für den Straßenbau vor, der mit etwa 1,4 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Auf die Anwohner, so Helmut Gühsgen, Leiter der Bauverwaltung, kommen „grob” sieben bis neun Euro (Liebfrauenstraße) beziehungsweise fünf bis sieben Euro pro Quadratmeter beitragsfähiger Fläche zu.

Die Straßen werden von Grund auf saniert, weil der Unterbau, so Gerhard Handels, keine ausreichende Tragfähigkeit habe, was sich unter anderem an Netzrissen im Belag zeige. Vom Erscheinungsbild her wird die neue Oberfläche der der Jülicher- und der südlichen Reuleauxstraße angepasst sein, die bereits fertiggestellt sind.

Unmut gab es am Dienstag vor allem wegen der Parkplatzplanung. Für zwei Abschnitte auf der Nordseite der Liebfrauenstraße hat die Stadt Stellplätze senkrecht zur Fahrbahn vorgesehen, darunter in einem größeren Bereich südlich der Liebfrauenschule. Hier wie an anderer Stelle auch sollen Bäume gefällt werden, die laut Stadt nicht mehr vital sind. Insgesamt acht Bäume sind betroffen, die durch insgesamt zwölf neue ersetzt werden sollen.

„Diese Parkplätze werden nicht gebraucht”, meldete sich ein Anwohner. „Unsere Straße hat den Charakter einer Allee. Jetzt werden große Lücken gerissen, danach hat sie den Charakter eines Parkplatzes.” Der ganze Saal applaudierte. In einer spontanen Befragung der Nachbarn hätten sich quasi alle gegen Senkrechtparken ausgesprochen.

Hermann Gödde meinte: „Wenn Sie sagen, eine Senkrechtaufstellung wollen wir nicht, dann werden wir dies dem Planungsausschuss mitteilen.” Und: „Gehen Sie davon aus, dass wir jeden Baum möglichst ortsnah ersetzen.”
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