Eschweiler - Liebfrauenschule: Bischof Cubillos berichtet über seine Heimat Kolumbien

Liebfrauenschule: Bischof Cubillos berichtet über seine Heimat Kolumbien

Von: ran
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Ließ die Schüler der Liebfrauenschule in sehr persönlicher Art und Weise an seinen Hoffnungen, aber auch an seinen Ängsten bezüglich der Zukunft seiner Heimat Kolumbien teilhaben: Bischof Omar Alberto Sánchez Cubillos brachte seinen jugendlichen Zuhörern den Alltag der Menschen seines Bistums Tibú im Grenzgebiet zu Venezuela näher. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es war eine eineinhalbstündige Reise in eine unbekannte, fremde und vor allem ferne Welt. Doch am späten Freitagvormittag stand diese Welt in Person von Monsenor Omar Alberto Sánchez Cubillos plötzlich vor Schülern der Bischöflichen Liebfrauenschule.

Der Bischof des kolumbianischen Bistums Tibú, das im Nordosten des südamerikanischen Landes im Grenzgebiet zu Venezuela liegt, besucht noch bis zum 29. November im Rahmen der Adveniat-Jahresaktion „Frieden jetzt - Gerechtigkeit schafft Zukunft“ mehrere Bistümer in Deutschland und machte dabei auch in der Indestadt Station.

In der Kapelle der Liebfrauenschule berichtete er über das alltägliche Leben der Menschen seines Bistums, das am Rande eines Landes liegt, das reich an Bodenschätzen ist, dessen Fauna und Flora den Atem raubt, in dem die Schere zwischen Arm und Reich aber unglaublich weit auseinanderklafft, in dem staatliche Institutionen kaum vorhanden sind, das unter Korruption leidet und in dem seit nunmehr einem halben Jahrhundert ein Bürgerkrieg wütet, der bisher mehr als 200.000 Todesopfer forderte und für sechs Millionen Flüchtlinge innerhalb Kolumbiens verantwortlich ist.

Gut vorbereitete Schüler

Mit den außergewöhnlich gut informierten und vorbereiteten Schülern der Stufe Q1 (Jahrgangsstufe 11) sowie des Arbeitskreises „Eine Welt“ entwickelte sich ein 90-minütiger Dialog, in dessen Verlauf Omar Alberto Sánchez Cubillos seine Zuhörer in sehr persönlicher Art und Weise sowohl an seinen Hoffnungen als auch seinen Ängsten teilhaben ließ.

Die Herausforderungen, denen sich der kolumbianische Würdenträger täglich stellen muss, sind enorm: 17 Pfarreien mit 23 Priestern zählt das Bistum Tibú, das im Vergleich zum Bistum Aachen doppelt so groß ist, aber nur über ein Fünftel der Einwohner verfügt.

„Eine fünfstündige Fahrt per Jeep durch den Urwald ist notwendig, um von einer Gemeinde zur nächsten zu gelangen“, erzählt der Bischof. Die Bewohner leben vor allem vom Anbau der Coca-Pflanze, aus der Rauschgift gewonnen wird. „Dies ist quasi die einzige Chance auf Einkommen“, macht er deutlich. Der kolumbianische Staat habe sich weitestgehend zurückgezogen, das Alltagsleben der Bevölkerung sei vom Kampf der unterschiedlichen Guerilla-Gruppen, von denen die Farc die bekannteste ist, mit der Armee geprägt.

„In meinem Bistum ist der Krieg täglich zu spüren. Es gab Momente, in denen auch mir die Gewehrkugeln um die Ohren geflogen sind. Ich habe die Geräusche des Krieges kennengelernt und kann sagen, dass sie das Grausamste sind, das man sich vorstellen kann“, so Omar Alberto Sánchez Cubillos.

Ein Hoffnungsschimmer

Doch inzwischen gebe es einen Hoffnungsschimmer: Seit November 2012 laufen im kubanischen Havanna Friedensverhandlungen, in deren Verlauf sich die Parteien in fünf von sechs Kriterien einigen konnten. „Allerdings treten die ausverhandelten Punkte erst in Kraft, wenn auch das letzte Kriterium erfolgreich ausverhandelt worden ist und damit ein Gesamtfriedensvertrag unterzeichnet werden kann“, räumt der katholische Geistliche ein. Dies soll bis Ende März des kommenden Jahres geschehen.

„Der Handschlag zwischen Präsident Santos und dem obersten Farc-Anführer im vergangenen September war für Kolumbien nach 50 Jahren Krieg ein besonderer Moment“, weiß der Bischof, der die katholische Kirche seines Heimatlandes vor allem in der Vermittlerrolle sieht. „Unsere Hauptaufgabe ist dabei, unseren Platz an der Seite des Volkes einzunehmen!“

Überwindung der Armut

Und so bedeutet für Omar Alberto Sánchez Cubillos Frieden nicht zuletzt auch die Überwindung der Armut. „Entscheidend für die Zukunft Kolumbiens wird sein, wie stark die Zivilgesellschaft bereit sein wird, den Friedensprozess von den Machthabern einzufordern und zu begleiten.“

Bisher habe diese Zivilgesellschaft, deren größter Teil nichts anderes als Bürgerkrieg kennengelernt habe, jedoch noch nicht wirklich verstanden, worum es gehe. „Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Menschen in Kolumbien beginnen, vom Frieden zu träumen“, ist der Monsenor überzeugt. Doch selbst im günstigsten Fall dauere es 20 Jahre, bis sich der Frieden durchgesetzt habe, lautet die Einschätzung.

Zum Abschluss der beiden außergewöhnlichen Schulstunden sprach der Bischof den Segen und stellte den Liebfrauenschülern sichtlich bewegt ein großartiges Zeugnis aus: „Für mich ist es beinahe unglaublich, eure Sensibilität für ein Land zu spüren, das so weit entfernt liegt. Ihr zeigt Interesse und Mitgefühl am Mitmenschen, um damit eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Hört niemals auf, dafür zu kämpfen. Ihr habt mir Hoffnung gegeben!“

Schulseelsorger Frank Klinkenberg, der gemeinsam mit den Lehrerinnen Birgit Herkenhoff-Portik und Rita Weiskorn für das Zustandekommen der Begegnung verantwortlich zeichnet, zeigte sich erfreut, dass das Ziel „ein Stück Weltkirche in die Bischöfliche Liebfrauenschule zu holen“ nicht nur erreicht, sondern übertroffen wurde. „Sie haben uns während des Treffens in ihr Innerstes blicken lassen. Dafür danken wir ihnen!“, verabschiedete der Seelsorger den Gast aus Südamerika.

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