Liebfrauenschule ärgert sich über Bistum Aachen

Von: Guido Jansen und Marlon Gego
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Eschweiler. Die Entscheidung ist zwar gefallen, aber schon wieder sind nicht alle zufrieden. Christel Ellerich wird am 1. August neue Leiterin der Bischöflichen Liebfrauenschule, wie das Bistum Aachen Anfang Mai mitteilte. Doch es gab auch etwas, das das Bistum nicht mitteilte.

Wie zuvor bei der Besetzung an zwei weiteren Schulen in Trägerschaft des Bistums, in Geilenkirchen und Mönchengladbach, gab es auch in Eschweiler erheblichen Ärger über das Bistum.

Der Ärger bezieht sich weniger auf die letztendliche Personalentscheidung, sondern auf die Art und Weise, wie das Bistum mit den jeweiligen Bewerbern und Lehrerkollegien umgegangen ist. In einem Schreiben des Geilenkirchener Lehrerkollegiums ans Bistum etwa hieß es: „Das Vertrauen in eine sorgfältige, wertschätzende und kollegiale Zusammenarbeit ist“ durch das Auswahlverfahren des neuen Schulleiters „erheblich erschüttert worden.“

Bereits vergangenen Herbst begann das Bistum mit der Suche nach Nachfolgern der drei Schulen. Die Abteilung Erziehung und Schule im Generalvikariat des Bistums bat die Kollegien aller drei Schulen darum, ein Profil für potenzielle neue Schulleiter zu erstellen, die Lehrerkollegien sollten zusammenfassen, was sie von ihrem neuen Direktor erwarten. Die Gymnasien in Eschweiler, Geilenkirchen und Mönchengladbach widmeten sich dieser Aufgabe mit großem Ernst.

Ergebnis: Kurz nach Übersendung des jeweiligen Bewerberprofils wurden in Geilenkirchen und Mönchengladbach jeweils drei mögliche Kandidaten vorgestellt, in Eschweiler waren es nur zwei: Christel Ellerich und der stellvertretende Leiter der Liebfrauenschule, Bert Schopen.

Schopen, 60 Jahre alt, ist seit 31 Jahren Lehrer an der Liebfrauenschule und seit zwölf Jahren Stellvertreter des bald in Pension gehenden Schulleiters Manfred Meier. Menschen, die Schopen lange kennen, sagen, er habe 31 Jahre lang für die Liebfrauenschule gekämpft. Als die Suche nach einem Nachfolger für Meier losging, wäre Schopen ein natürlicher Kandidat gewesen, aber Schopen winkte ab. Er selbst fand, er sei zu alt, sei außerdem jemand, der lieber in der zweiten Reihe arbeitet.

Erst als Schülersprecher, Schulpflegschaft und Teile des Lehrerkollegiums auf Schopen zukamen und ihn baten, sich doch im Interesse der Schule für den Direktorenposten zu bewerben, willigte Schopen ein. Bedingung: Als Stellvertreter solle sein zukünftiger Nachfolger eingestellt werden. Unter dieser Prämisse bewarb sich Schopen beim Bistum auf Meiers Posten, doch die Frist war bereits verstrichen. Das Bistum nahm seine Bewerbung trotzdem an.

Tatsächlich war Schopen dann neben Christel Ellerich, 49 Jahre alte Oberstudienrätin am Bischöflichen Aachener Pius-Gymnasium, einer von zwei Kandidaten, die das Bistum dem Lehrerkollegium der Liebfrauenschule präsentierte. Und zwar in vollem Bewusstsein des Planes von Lehrern, Schülersprechern und Schulpflegschaft, Schopens noch zu bestimmenden Stellvertreter zu seinem Nachfolger aufzubauen.

Nach Informationen unserer Zeitung passierte, noch bevor das Bistum eine Entscheidung darüber bekanntgegeben hatte, welcher der beiden Kandidaten nun Schulleiter werden soll, Folgendes: Schopen zog, als sich Indizien dafür mehrten, dass sich das Bistum nicht auf den von allen Seiten der Liebfrauenschule gefassten Plan einlassen würde, seine Bewerbung zurück. Übrig blieb nur noch: Christel Ellerich, die über keinerlei Erfahrung in Leitungsfunktionen an einem Gymnasium verfügt.

Unter Wahrung ihrer Anonymität bemängelten mehrere Mitglieder des Eschweiler Lehrerkollegiums gegenüber unserer Zeitung das Besetzungsverfahren, was die Geilenkirchener Lehrer in einem Schreiben ans Bistum so formuliert hatten: Das Kollegium „stellt sich im Nachhinein die Frage , warum zahlreiche Bewerber in ein aussichtsloses Verfahren geschickt wurden“. Der Eindruck der Geilenkirchener, Mönchengladbacher und Eschweiler Lehrer ist, dass die drei nun ausgewählten neuen Schulleiter von vornherein festgestanden haben und die übrigen Kandidaten wie Schopen als reine Zählkandidaten vom Bistum aufgestellt wurden. Das Bistum weist das zurück.

„Wir können nicht erkennen“, heißt es in dem Schreiben des Geilenkirchener Lehrerkollegiums weiter, dass das vom Bistum gewünschte Bewerberprofil „bei Ihrer Entscheidung Berücksichtigung fand“. Was die Frage aufwirft, warum das Bistum den Lehrerkollegien der drei Schulen die Arbeit auftrug, ein solches Bewerberprofil zu erstellen.

In einer entsprechenden Anfrage unserer Zeitung antwortete das Bistum: „Die endgültige Entscheidung trifft der Generalvikar“ Manfred von Holtum – was keiner der Lehrer infrage stellt. Es ist mehr die Art des Umgangs, der die Lehrer irritiert. „Das Bistum muss sich überlegen, wie es solche Verfahren in Zukunft handhaben will. So geht es jedenfalls nicht weiter“, sagte ein Lehrer, der seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte.

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