Lichtblicke in den dunkelsten Momenten

Von: Patrick Nowicki
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Verbrachte ein Großteil seine
Verbrachte ein Großteil seines Lebens auf der Kinderkrebsstation im Aachener Klinikum: Der 17 Monate alte Benjamin Esser aus Dürwiß. Seine Eltern wollen nun mit anderen Betroffenen einen Förderverein gründen.

Eschweiler. Den 22. November des vergangenen Jahres werden Zlata und Frank Esser nie mehr vergessen. Es ist der Tag, der ihr Leben veränderte, es auf den Kopf stellt. Ihr Sohn Benjamin hat allergisch auf eine Routineimpfung reagiert.

Das passiert schon mal, ist eigentlich nicht Besorgnis erregend. Aber die Schwierigkeiten nehmen zu, sodass die Ärzte genauer hinschauen und eine schreckliche Feststellung machen: In ihm wuchert ein 15 mal 15 Zentimeter großer Tumor. Ein Neuroblastom. Bei der Diagnose ist Benjamin gerade acht Monate alt.

Wochen des Ungewissen

Seitdem weiß das Paar, das in Dürwiß lebt, was nach solch einem Schicksalsschlag als Eltern blüht. Wochen des Zweifelns und des Ungewissen haben sie geplagt. Ständig schwanken sie zwischen Hoffen und Bangen. Und sie kennen die Krebsstation des Aachener Klinikums, kennen andere Betroffene und kranke Kinder. Monate verbrachten Zlata und Frank Esser inzwischen dort, um ihren Sohn zu sehen, um bei ihm zu sein und um ihm eine einigermaßen gesunde Entwicklung eines Kleinkindes zu geben.

„Man vermisst jedoch oft die Momente, die einem das Leben etwas leichter machen, die Lichtblicke”, schildet Zlata Esser ihre Situation. Dies ließ bei ihr und anderen Eltern die Idee wachsen, einen Verein zu gründen, der nicht nur schnell helfen möchte, wenn es an etwas fehlt in der Kinderkrebsstation, sondern der auch für erheiternde Momente sorgen möchte. Sein Name: Lichtblicke.

Noch ist er kein eingetragener Verein, denn die Satzung liegt zur juristischen Prüfung noch bei einem Notar, aber einen Vorsitzenden hat er schon: Michael Hoppstädter aus Köln. Nach der offiziellen Anerkennung beim Eschweiler Amtsgericht soll eine Internetseite des Vereins ins Netz gestellt werden. 15 betroffene Eltern und Kinder haben sich bisher zusammengefunden. Beim Lauf die „Zehn Kilometer von Dürwiß” wollen sie zum ersten Mal öffentlich auftreten und für ihre gute Sache werben.

Unterstützung erhalten sie dafür auch von einem prominenten Sportler: dem Profifußballer Simon Rolfes. Der Nationalspieler und Kapitän von Bundesligist Bayer Leverkusen organisierte die Shirts mit dem Vereinslogo und schaute auch schon bei den Kindern in der Station vorbei. Der Kontakt war auf eine simple Anfrage von Frank Esser per Mail entstanden.

Die Stunde mit Simon Rolfes war eine der ersten Aktionen des Vereins, Ausflüge mit Eltern und Kindern zum Angeln und zum Chio folgten. „Wir haben auch schon gemeinsam gekocht”, erzählt Frank Esser. Anschließend wurde das Essen verputzt, was nicht selbstverständlich ist, denn in einer Chemotherapie verlieren die Kinder meistens den Appetit. Neben den posititiven Impulsen wollen die Eltern vor allem ins Gespräch kommen, aber auch die Kontakte der Kinder untereinander sind wichtig. „Wenn ein Kind plötzlich so schwer erkrankt, dann ist es gut, wenn jemand im gleichen Alter da ist, der schon Ähnliches durchgemacht hat und mit dem man reden kann”, ist sich Zlata Esser sicher.

Das Szenario bei Benjamins erster Chemo hat sie noch vor Augen. Der Kleine war in der Quarantänestation an Geräten angeschlossen und durfte das Bett nicht verlassen. Sein Blick auf die Außenwelt führte durch das Außenfenster auf den Innenhof des Klinikums. „Der ist so trist und grau, dass ich sogleich zehn bunte Windräder besorgt habe”, erzählt Frank Esser. Mit Erfolg, denn Benjamin war begeistert von den sich drehenden Rädern. Diese kleinen erfreulichen Momente wollen die Eltern möglichst allen Kindern auf der Krebsstation bescheren.

Nach mehreren Chemotherapien - eine starke und sechs weitere - befindet sich Benjamin nun wieder Zuhause in Dürwiß. Eine große und schwere Operation musste er ebenfalls über sich ergehen lassen, schließlich musste das wuchernde Gewebe beseitigt werden. Vollständig gesund ist er nicht, aber er hat sich wie ein normales kleines Kind entwickelt, stapft durch das Haus und spielt mit dem Ball.

Dass er so weit gekommen ist, hat den Eltern viel Kraft gekostet. Die Ungewissheit bleibt. Erst am Freitag kam ein erneutes Ergebnis, Benjamin muss nun bestrahlt werden. Erfreuliche Nachrichten lauten in der Tat anders. Aber ihr Mut und ihr Einsatzwille sind ungebrochen. Selbst wenn Benjamin den Krebs endgültig besiegt hat, werden sie den Verein, den sie mit ins Leben gerufen haben, unterstützen: „Wir wissen ja, wie schrecklich dies ist”, sagen sie beide. Und deswegen wollen sie anderen Betroffenen Lichtblicke schenken...

Kontakt zu den Vereinsgründern

Wer zu den Intitiatoren Kontakt knüpfen will, kann sich per E-Mail unter Esser.Frank75@gmx.de bei Frank Esser melden. Oder man spricht die Vereinsgründer bei den „Zehn Kilometern von Dürwiß” am nächsten Samstag persönlich an. Sie sind an den T-Shirts mit dem Vereinslogo zu erkennen.

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