Lichtblick am See erhellt nicht jedes Gemüt

Von: Stefan Herrmann
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Hier soll für 49 Millionen Euro gebaut werden: Entsteht dabei ein Platz für alle oder ein elitäres See-Resort? Die Pläne des Architekten Tom Krause stoßen auf Gegenwind aus der Bevölkerung. Foto: Günther Paulsen

Eschweiler. „Ich weiß, es wird heiß”, nahm Planer Tom Krause am Dienstagabend in der Festhalle Dürwiß das Mikro in die Hand, wohlwissend, dass sein streitbares Projekt „Blausteinsee-Resort” nicht auf die ungeteilte Gegenliebe der Bürger stößt. Nach drei Stunden Diskussion stand fest: Einige Bedenken konnte der Architekt ausräumen, an vielen Stellen aber bleiben die Bürger skeptisch.

Dabei gaben sich Tom Krause und seine Partnerin Astrid Bohne alle Mühe, die zukunftsweisenden Planungen am Seeufer positiv zu verkaufen: Das 49 Millionen Euro teure Resort mit Hotelanlage, Künstlerateliers, Wohnappartements, Tagungsräumen, kleineren Veranstaltungssälen, Restaurants und vielen weiteren Angeboten ist in den Augen der Planer ein Juwel für die Region.

„So ein Hotel im Grünen gibt es nicht noch einmal in Aachen und Umgebung”, pries Krause das Resort an. Der Investor stehe zudem Gewehr bei Fuß - vorausgesetzt die Verhandlungen mit der Blausteinsee GmbH über den Grundstückskauf und die angestrebten geringfügigen Änderungen im seit 1996 gültigen Bebauungsplan führen zu einem einvernehmlichen Ergebnis.

Beim Informationsabend der CDU lauschten mehr als 100 Zuhörer - darunter zahlreiche Interessenvertreter der am See aktiven Wassersportler - den Worten des weltweit tätigen Architekten. Fragen und Kritik nach Krauses Präsentation ließen daher nicht lange auf sich warten: Es gehe bei dem Mammut-Projekt nur um den Kommerz und den Ausverkauf des Landes, die Bürger hätten davon kaum etwas. Die Vereine fühlen sich zu wenig berücksichtigt, die CDU bemängelt das scheue Versteckspiel des Investors.

Krause blieb bei allen Punkten gelassen und signalisierte Gesprächsbereitschaft, insbesondere was die Anliegen der Vereine betrifft. „Wir werden uns noch einmal zusammensetzen”, weiß er um die Quadratur des Kreises, eine Fülle an Einzelinteressen unter einen Hut zu bringen.

Bei der Forderung, der Investor solle endlich in Eschweiler aufschlagen und Rede und Antwort stehen, blieb Tom Krause dagegen hart: „Wir sind der Vertreter des Investors, wir sind sein verlängerter Arm. Wir wollen alle Probleme vorher lösen, indem wir Planungsrecht schaffen und das Grundstück kaufen.” Eine Verschleierungstaktik des Projektplaners? „Keinesfalls! Diesen Vorwurf nehme ich nicht an.”

Neben dem Investor stellte sich auch die Frage nach dem Betreiber des gesamten Resorts. Nur so viel wollte Krause verraten: „Es gibt ein Center-Management für das Projekt.”

Wann könnte es losgehen mit dem 49-Millionen-Bau am See? „Bis spätestens Ostern 2010 wollen wir die Bauanträge einreichen. Das ist unser Ziel!”, gab sich Krause zuversichtlich. Wenn dann alle Verträge unter Dach und Fach sind, geht es flott. Innerhalb von 16 bis 18 Monaten werde das komplette Resort gebaut. Mindestens zehn Baukräne werden dann am Seegelände stehen und den Tourismuskomplex aus dem Boden stampfen.

Bedenken der Bürger, dass die Fassaden der Hotelanlagen und der Wohnappartements zu stark aus dem Landschaftsbild herausstechen würden, entkräftete der Planer. „Die Gebäude werden größtenteils zweigeschossig, gestaffelt teilweise dreigeschossig sein”, versprach Krause den Skeptikern.

Bauliche Tricks, wie einige Kritiker befürchten, werden nicht angewandt. „Wir wollen hier etwas Ehrliches und Schönes!”, sind die Bauten laut Krause maximal knapp neun Meter hoch. Meist erreichen sie jedoch lediglich eine Höhe von gut fünfeinhalb Metern.

Dass eine Drei-Sterne-Hotelanlage mit 280 Zimmern und Wellnessbereich sowie 150 Bungalows für Eschweiler eine Nummer zu groß sein könnte, glauben Krause und Bohne nicht. Vielmehr sei solch ein ambitioniertes Projekt notwendig, um die restliche Erschließung des Seezentrums überhaupt finanzieren zu können.

„Der starke Partner bei diesem Projekt sitzt mit dem Hotel auf dem Berg”, machten Tom Krause und Astrid Bohne keinen Hehl daraus, dass die gesamten See-Pläne nur in einem integrierten Konzept realisiert werden können. „Wir installieren hier einiges für die Allgemeinheit aus einem privaten Invest. Dafür verlangt der Investor eine Chance für ihn, und das ist das Hotel.” Das bedeute aber nicht, dass lokale Gastronomen keinen Platz am See bekommen sollen.

Und auch das Thema „Parkplätze” spielt in Eschweiler traditionell eine große Rolle. Mehr als 700 sind vorgesehen, allerdings verständlicherweise nicht direkt am Seeufer. Hier soll lediglich - zum Beispiel für die Surfer und Taucher - ein Be- und Entladen möglich sein.

Einigen reicht das aber noch immer nicht. Man müsse sich aber eingestehen, so Krause, dass die Kapazitäten für Pkw-Stellplätze irgendwann erschöpft seien. Trotzdem: „Wir kitzeln jeden möglichen Stellplatz für jede Interessengruppe heraus”, versprach Krause eine erneute Überarbeitung der Pläne. Der Austausch mit den zehn Vereinen solle in nächster Zeit weiter intensiviert werden.

Alle Interessen am Blausteinsee in den Planungen zu berücksichtigen, stellt sich als Herkulesaufgabe dar. Die Architekten Krause und Bohne möchten den gordischen Knoten trotzdem lösen. Alle Kritiker, das zeigte der Abend in Dürwiß, werden sie nicht überzeugen können.

„Uns geht es nicht darum, etwas schlecht zu reden, schon gar nicht ein so gutes und wichtiges Projekt für Eschweiler”, setzt auch CDU-Bürgermeisterkandidat und Moderator der Informationsveranstaltung, Dr. Christoph Herzog, auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Tom Krause: „Wir wollen in diesen schwierigen Zeiten mit dem tollen See-Projekt für einen Lichtblick sorgen. Dafür gilt es nun, gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln.”
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