Liberal sein, das heißt kräftig anpacken

Von: ran
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Steht wie kein anderer für die FDP in Eschweiler: Konstantin Theuer, der die Liberalen seit 1999 im Stadtrat vertritt, vollendet heute sein 75. Lebensjahr. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Wird in der Indestadt über den Stadtverband der Freien Demokratischen Partei (FDP) gesprochen, fällt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein Name. Im kommenden August vertritt er die blau-gelben Farben seit einem halben Jahrhundert. 35 Jahre lang kämpfte er um die Rückkehr „seiner“ Partei in den Eschweiler Stadtrat. Ein Traum, der 1999 schließlich Wirklichkeit wurde und bis heute andauert.

 Nach wie vor streitet er wortgewandt und, wenn es sein muss, auch lautstark für seine Überzeugungen. Am heutigen Montag vollendet Konstantin Theuer nun sein 75. Lebensjahr.

Eigentlich ist Konstantin Theuer „Öcher“, denn im Aachener Stadtteil Burtscheid erblickte er am 4. November 1938 das Licht der Welt. „Noch heute kenne ich nahezu jeden Winkel der Kaiserstadt“, verleugnet Konstantin Theuer keinesfalls seine Herkunft. Seine Heimat aber ist seit 1964 Eschweiler. Zunächst bewohnte er mit seiner Frau Brigitte, mit der er seit dem 7. Juli 1959 verheiratet ist („Damals war ich 20 Jahre alt und musste mich erst einmal für volljährig erklären lassen.“), sowie Tochter Ute und Sohn Frank eine Wohnung an der Hehlrather Straße, bevor es ihn 1979 nach Dürwiß zog, wo er Wurzeln schlug. Doch zwischen Burtscheid und Dürwiß gab es einige Umwege. Ein erster führte Konstantin Theuer im Herbst 1944 in das thüringische Altenburg, wohin er mit seinen Eltern evakuiert wurde. „Dort wurde ich auch eingeschult, bevor es im November 1945 in siebentägiger Fahrt im offenen Kohlenwagen zurück nach Aachen ging“, erinnert sich Konstantin Theuer. Erst 1990 sollte er seine erste Schule in der Skat-Stadt wiedersehen. In Aachen besuchte der Großvater von Enkelin Sarah die David-Hansemann-Realschule, die er 1955 mit der „Mittleren Reife“ abschloss. Sein beruflicher Werdegang war dann mehr oder weniger vorgezeichnet, schließlich war seine Mutter Büroleiterin bei einer bekannten Versicherung („für die damalige Zeit außergewöhnlich“) und auch sein Onkel war in Hamburg im Versicherungswesen tätig. „Während meine Bewerbungen bei Versicherungen liefen, erhielt ich die Nachricht, auch beim Finanzamt anfangen zu können. Als ich dieses Angebot vor einem erfahrenen Oberamtmann ausschlug, verstand dieser die Welt nicht mehr“, schmunzelt Konstantin Theuer rückblickend. „Ja, wir konnten uns die Arbeitsplätze noch aussuchen“, stellt er Unterschiede zur Gegenwart fest. 1958 schloss der Hobbymaler, der vor allem in seiner Jugend der Aquarellmalerei frönte, seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann ab, um zum Ende des Jahres 1960 als angestellter Außendienstmitarbeiter bis zu seiner Pensionierung 1998 tätig zu werden. Doch auch heute noch ist er für seinen ehemaligen Arbeitgeber vermittelnd, beratend und betreuend aktiv. „Die Katze lässt das Mausen nicht“, betont Konstantin Theuer augenzwinkernd.

Die erste Berührung mit der Indestadt erlebte das Geburtstagskind übrigens auf dem Bauch robbend, nämlich im Jahr 1959 als wehrdienstleistender Bundeswehrsoldat auf dem Donnerberg. Schuld daran, dass Eschweiler seine Heimatstadt wurde, hatte jedoch die Wohnungsnot in Aachen im Frühjahr 1964. „Wir lebten mit unseren beiden Kindern auf 48 Quadratmetern und fanden in Aachen einfach keine andere Wohnung“, nennt Konstantin Theuer einen trifftigen Grund. Die 120 Quadratmeter große Wohnung an der Hehlrather Straße in Eschweiler bot da schon ganz andere Möglichkeiten. „Dort konnten wir uns bewegen.“ Und von dort war der Weg zur und in die FDP nicht weit. „Ich war schon durch mein Elternhaus liberal geprägt. Freiheit und Gerechtigkeit waren für mich immer wichtige Güter“, so der Jubilar. „Als mich dann am 1. August 1964 mein Nachbar, der Tierarzt Dr. Hambloch, zu einer Versammlung der FDP mitnahm, bin ich am gleichen Tag noch eingetreten. Und dies hieß, anpacken, denn im gleichen Jahr war die FDP aus dem Eschweiler Stadtrat herausgeflogen.“ Ein Zustand, der 35 Jahre lang anhalten sollte. „Ich bin bei jeder Kommunalwahl angetreten. 1999 gelang es dann, als Einzelkämpfer in den Stadtrat einzuziehen. Das war eine große Genugtuung“, unterstreicht Konstantin Theuer, der momentan gemeinsam mit Ulrich Göbbels, Hans-Jürgen Krieger und Volker Willms die FDP-Fraktion im Rat der Stadt bildet und zur Kommunalwahl im kommenden Mai erneut antreten will.

„Voraussetzung ist, dass meine Parteifreunde dies unterstützen.“ Falls der Einzug in den Rat erneut gelingt („Grundsätzlich bin ich optimistisch. Ob es erneut vier Kandidaten schaffen, wird sich zeigen.“), wird Konstantin Theuer aber auf jeden Fall auf einen Koppelkandidaten drängen, „denn ob ich die vollständige sechsjährige Legislaturperiode absolviere, ist ungewiss.“ Schließlich bedeute aktive Kommunalpolitik viel Arbeit. „Für mich wären die Aufgaben im Rat nicht mit meinem Beruf zu vereinbaren gewesen. Es ist sehr beachtlich, was in den Stadträten von Ehrenamtlern, die noch im Berufsleben stehen, geleistet wird“, bricht der FDP´ler, der sich in den 70er Jahren als Kandidat des Nordkreises für ein Landtagsmandat bewarb, eine Lanze für seine Ratskollegen. Von Politikmüdigkeit kann bei Konstantin Theuer aber keine Rede sein. Nach wie vor ist das Fraktionsbüro im Rathaus (Zimmer 179) seine zweite Heimat und auf dem Schreibtisch herrscht eine ganz bestimmte (Un-)Ordnung. „In dieser finde nur ich mich zurecht, sonst niemand“, kommt er wunderbar klar. „Abschalten“ kann Konstantin Theuer am besten im Familienurlaub in Büsum an der Nordsee. „Seit 1964 mein Traumziel“, freut er sich bereits auf den nächsten Aufenthalt. Bis dahin gilt es aber, eine weitere Kommunalwahl zu bestreiten.

Am heutigen Montag steht jedoch zunächst einmal ein besonderer Geburtstag an. Zwischen 11 Uhr und 14 Uhr hat der Jubilar in das „Haus Lersch“ zum Empfang eingeladen. So manches Anekdötchen aus dem kommunalpolitischen Leben der Indestadt der zurückliegenden 50 Jahre dürfte heute also die Runde machen.

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