Lesung: Leben und Werke von Jane Austen

Von: ran
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Michael Schikowski ließ seine Zuhörer während der Lesung in der Buchhandlung Librodrom in die beeindruckende literarische Welt der Jane Austen abtauchen. Foto: Andreas Röchter
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Eschweiler. Sie war ein Phänomen und fasziniert auch zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod noch zahlreichen Leser. Ihre Werke zählen zu den Klassikern der britischen Literatur, gelten als formal perfekt und sprühen nur so vor Geist, Beobachtungsgabe und humorvollen Charakterskizzen.

In ihren Romanen gibt es weder Mord noch Totschlag. Auch andere Katastrophen oder weltbewegende Ereignisse fanden keinen Eingang in ihre Erzählungen. Und vielleicht ist gerade diese Tatsache eine Erklärung ihres Erfolgs.

Am Freitagabend widmete sich Michael Schikowski, Lehrbeauftragter an der Universität Bonn, im Librodrom der Schriftstellerin Jane Austen und tauchte mit seinen Zuhörern in die Welt der „Gentry“, dem gehobenen Bürgertum des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, ab. Mit geschickt ausgewählten Leseproben lies er die Literaturliebhaber am schon zu Lebzeiten Austens als zukunftsweisend eingeschätzten literarischen und sprachlichen Stil der Autorin teilhaben.

Unscheinbares Leben

„Jane Austen wurde 1775 geboren, lebte und starb 1817. Damit wäre eigentlich alles gesagt, wären da nicht sechs Romane, die unter dem Pseudonym ‚be a lady‘ erschienen und ihren Weg zum Weltruhm ebneten“, betonte Michael Schikowski zu Beginn seiner Ausführungen und wies so auf die Werke „Sense and Sensibility“ („Verstand und Gefühl“), „Pride and Prejudice“ („Stolz und Vorurteil“), „Mansfield Park“, „Emma“, „Northanger Abbey“ („Die Abtei von Northanger“) sowie „Persuasion“ („Überredung“) und deren Außergewöhnlichkeit hin.

Außergewöhnlichkeit? „Das Frauenbild, das Jane Austen in ihren Werken zeichnet, ist spektakulär unspektakulär. Ihre Heldinnen zeichnen sich am ehesten durch Durchschnittlichkeit aus und hegen zum Beispiel keinerlei berufliche Ambitionen“, so der Mitherausgeber der Zeitschrift „Non Fiktion - Arsenal der anderen Gattungen“. Dies sei eigentlich eine Abweichung von allem, was Roman genannt werde.

„Und dennoch zeichnen sich die Erzählungen Jane Austens durch eine Kraft und Tiefe aus, die faszinieren und amüsieren. Die Form des Erzählens ist beeindruckend, nicht der Inhalt, schließlich passiert ja kaum etwas“, machte Michael Schikowski augenzwinkernd deutlich.

Nicht zuletzt die von der Schriftstellerin gewählte Erzählperspektive, die erlebte Rede, ließen die Romane im wahrsten Sinne des Wortes zum Erlebnis werden. „Der Leser nimmt die Perspektive einer der Romanfiguren ein und schaut über deren Schulter. So können Irrtümer und Missdeutungen eingesetzt werden, die für den Leser nicht selten erst beim zweiten Lesen deutlich werden.“

Grundsätzlich stünde in den Romanen Jane Austens der Dialog zwischen den Menschen im Mittelpunkt. Es gibt keine Beschreibungen der Landschaft, der Landsitze oder der Kleidung der Protagonisten. Auch über die Zeitgeschichte wird der Leser in ihren Romanen nicht informiert.

Gespräch im Vordergrund

„Das alles interessierte Jane Austen literarisch nicht. Deshalb fehlt in ihren Romanen auch nichts. Ebenso ist Austen die Suche nach sich selbst gänzlich unbekannt. Viel mehr steht das Gespräch im Vordergrund. In der Zeit, in der Austen lebte, war jeder Mensch auf das Gespräch angewiesen. Bei Jane Austen ist der einsame Mensch der ärmste Mensch der Gesellschaft“, erklärt Michael Schikowski.

Keinesfalls übersehen werden dürfe aber die Tatsache, dass die weiblichen Hauptfiguren in Austens Romanen keinesfalls gehorsam agieren, sondern autonome Entscheidungen treffen. „Austen formuliert die Forderung, sich um geistige Autonomie zu bemühen, eine ruhige Urteilsbildung und den Willen zur Selbstvervollkommnung zu entwickeln sowie in einem Feld der Fremdbestimmung Integrität zu bewahren,“ meint Schikowski. Auffällig sei auch, dass alle Heldinnen Austens von unfähigen Eltern erzogen wurden.

„Das macht es notwendig, Autorität und Selbstsicherheit aus sich selbst heraus zu entwickeln“, betonte der Lehrbeauftragte. Das Interesse der Schriftstellerin habe nahezu ausschließlich ihrer eigenen Klasse gegolten, deren Innenleben sie aber keinesfalls als heile Welt dargestellt habe. „Mit Jane Austen erscheint erstmals der Gesellschaftsroman in der Welt der Literatur. Immerhin rund 80 Jahre bevor Theodor Fontane diese Literaturgattung in Deutschland einführte“, so Schikowski, der es nicht unterließ zu berichten, dass Jane Austen durchaus auch „andere“ Seiten aufwies. „In ihren Briefen konnte sie boshafter sein, als sie es den Figuren in ihren Romanen jemals gestattet hätte“, ließ der gelernte Buchhändler wissen.

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