Eschweiler - Lesung im Grünen: Anno 1000, nach dem Verfall von Gression

Lesung im Grünen: Anno 1000, nach dem Verfall von Gression

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Vor der Kulisse der Laufenburg aus einem noch nicht erschienenen historischen Roman vorgelesen zu bekommen, vom Autor selber, das hat schon etwas Besonderes. Autor Günter Krieger und die Eschweiler Buchhandlung Librodrom machten das möglich. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Seine Bücher und seine Wanderungen sind spannende Ausflüge in die Vergangenheit: Autor Günter Krieger.
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Das Franzosenkreuz im Laufenburger Wald. Hier wurde vor über 300 Jahren ein französischer Offizier ermordet und begraben.

Eschweiler. Mit einem Schriftsteller unterwegs auf den Spuren seiner Romanheldin – ein faszinierendes Angebot, das die Buchhandlung Librodrom ihren Leserinnen und Lesern machte. Am Freitagabend wanderten jene gemeinsam mit Günter Krieger, Autor von inzwischen 17 historischen Romanen, über Stock und Stein durch den Laufenburger Wald, zu geheimnisvoll schimmernden Weihern und zum Schauplatz einer Jahrhunderte zurückliegenden Mordtat.

Schriftsteller wandern ja ohnehin gerne. Hermann Hesse, Wilhelm Heinse, Johann Gottfried Seume. Und natürlich Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“. Günter Krieger aus Langerwehe-Schlich wandert ebenfalls gern, und er bietet seinen Lesern an, mit ihm zu wandern. Zehn solcher Touren gibt es pro Jahr. Sie beginnen auf dem Dorfplatz am Schloss Merode. In diesem Schloss ist Krieger quasi aufgewachsen, sein Vater war Kastellan dort. „Offenbar hat mich das historische Ambiente nachhaltig geprägt, denn in vielen meiner Romane spielen Burg und Herrschaft Merode eine tragende Rolle.“

Die reiche Stadt am Omerstrom

Nicht in das Schloss – es ist Privatbesitz – sondern zunächst in die monotonen Fichtenkulturen des Laufenburger Waldes führt die Wanderung mit dem Titel „Durch das sagenhafte Gression“. Gression ist sozusagen das Atlantis der Nordeifel. Eine versunkene Stadt. Viele heute kaum noch bekannte Sagen der Region berichten von einer riesigen und reichen Stadt, die am „Omerstrom“ gelegen habe, südlich von Eschweiler, irgendwo in dem Dreieck Gressenich, Hamich, Hastenrath.

In manchen Sagen hat sich die Stadt bis nach Aachen und Jülich hin erstreckt. Von einem türkischen Heer sei Gression verwüstet worden. Aber in der Weihnacht höre man noch aus dem Duffesmaar (oder diversen anderen Teichen, je nach Sage) die Glocken von Gression läuten.

Vor 99 Jahren erschien in Eschweiler die Sammlung „Sagen aus dem Indetal“, in dem auch die Geschichten über die versunkene Stadt Gression zu finden sind. Günter Krieger, der alle seine historischen Romane in der Region ansiedelt, hat diesen Stoff zur Basis einer Roman-Trilogie gemacht, die um das Jahr 1000 spielt. Da ist, so berichtet Krieger am Freitag über die Roman-Handlung, die Stadt Gression schon seit mehr als 500 Jahren verfallen – bei ihm waren es die Hunnen, die dort tabula rasa machten – aber seine Heldin, eine charismatische Bauerntochter namens Richarda, hat die Vision, ein neues, sündenfreies Gression zu gründen.

Die Eschweiler Wandergruppe macht an einem von Buchen und Birken umstandenen Teich am Rotsiefenbach Halt, und Krieger erzählt, was es mit der Sage von Gression auf sich hat. Hinter ihm schimmert fahlgrün das Wasser des Weihers, als würden auf seinem Grunde die Ruinen der Stadt liegen. Aber eigentlich sind die Sagen wohl entstanden durch Überreste von Gutshöfen aus römischer Zeit, die entlang des Indetals und auch zwischen Gressenich und Hamich gefunden wurden. Nicht zu vergessen den Erzbergbau der Römer, erläutert sachlich und völlig unromantisch der lokalhistorisch gut bewanderte Autor.

Dann werden die Waldwege abenteuerlicher, matschiger. Die pittoresken Ruinen des Klosters Schwarzenbroich bleiben links liegen, es geht zum Franzosenkreuz. Das gab es vor tausend Jahren natürlich noch nicht. Es erinnert an einen Mord. Ein französischer Offizier wurde anno 1679 dort im Rotenbruchtal erschlagen und begraben. Günter Krieger hat es dennoch in seiner Geschichte untergebracht. In einer Vision sieht Agnes, christliche Sklavin einer Römerin, die – wir sind nun im 5. Jahrhundert und im zweiten, noch nicht erschienenen Band der Roman-Trilogie – vor den Hunnen flieht, dieses Kreuz aus Stein an ihrem Fluchtweg nach Köln/Colonia stehen: „Es steht in einer anderen Zeit, errichtet einer Bluttat wegen!“

Unterwegs mit Richarda

Das dramatische Geschehen rund um die zu Höherem berufene Bauerntochter Richarda – die Gedankenverbindung mit Johanna von Orleans scheint da nicht weit entfernt zu sein – hat Günter Krieger wie erwähnt zu einer Trilogie verarbeitet. Der erste Band „Richarda von Gression, die Visionärin“ ist bereits erschienen. Im Herbst kommt Band 2 heraus: Richarda von Gression, die Königin. Auch Band 3 „Die Pilgerin“ ist schon weitgehend fertig, erzählt der 48-jährige Autor.

Aus noch nicht erschienenen Büchern vorgelesen zu bekommen, vom Autor selber, hat einen besonderen Reiz. Da lauschen dann auch jene Teilnehmer aufmerksam, denen die vergangenen Kilometer nicht so leicht gefallen waren. Günter Krieger verkürzt die Wanderung. Auf die Umrundung des Orchelsweihers wird verzichtet. Die zu diesem Gewässer passende Passage aus dem dritten Teil der Trilogie, in dem Kinder nach einem Schatz im See tauchen, liest der Autor stattdessen vor der deutlich weniger feuchten, aber nicht minder beeindruckenden Kulisse der Laufenburg. Für die Wanderer eine willkommene Möglichkeit zum Verschnaufen.

Dann geht es durch den Erbsbusch steil bergab auf Merode zu. Ziel ist das ehemalige Meroder Forsthaus, heute ein Bio-Bauernhof, weithin bekannt durch den alljährlichen Kürbismarkt. Dort wartet bereits Bio-Gärtner Michael Krieger mit kühlen Getränken und einer deftigen Zucchini-Hackfleischsuppe auf die literarischen Wanderer.

Der weite Blick vom Bauernhof über die Wiesen und Äcker hinunter in die Jülicher Börde lässt Anregungen zu noch vielen weiteren historischen Romanen keimen. Hat schon jemand die Schlacht von Aldenhoven literarisch ausgewertet? Ist Cäsars Lager Atuatuca bei Eschweiler nicht mindestens eine Trilogie wert?

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