Lesermeinung: Veränderung der Energielandschaft braucht Zeit

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Prägt  seit  rund einem Jahrh
Prägt seit rund einem Jahrhundert das Leben in Eschweiler mit: das Braunkohlekraftwerk in Weisweiler. Aber ist Strom aus Braunkohle heute noch zeitgemäß? Und was kommt danach? Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Es nimmt ordentlich Fahrt auf, unser Meinungsforum im Internet, aus dem wir immer wieder einzelne Zuschriften auch in unserer Druckausgabe veröffentlichen werden. Hier einige Zuschriften zum Thema Braunkohle/Kraftwerk.

Dazu schreibt Michael Wernfeld: Für Braunkohlentagebaue müssen ganze Dörfer zerstört und deren Bewohner zwangsumgesiedelt werden. Für die Bewohner bedeutet die Zwangsumsiedlung einen schweren Verlust von kultureller Identität: mit den Dörfern werden Kirchen, Friedhöfe, Baudenkmäler, Wiesen, Ackerflächen, Wälder etc. dem Boden gleichgemacht.

Zusätzlich zerstört die für den Braunkohlentagebau nötige Grundwasserabsenkung wertvolle Feuchtgebiete im Umfeld. Allein im rheinischen Braunkohlerevier wurden in der Vergangenheit jährlich 1,4 Milliarden Kubikmeter Grundwasser abgepumpt. Dies führt dazu, dass ökologisch wertvolle Feuchtgebiete im Umkreis trockenfallen und das Grundwasservorkommen nachhaltig gestört wird.

Es sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass die Braunkohlebranche vom Staat mit erheblichen indirekten Subventionen gefördert wird. So müssen die Braunkohleförderer beispielsweise kein Wasser-Entgelt für das Abpumpen des Grundwassers bezahlen. Wenn für den Tagebau Autobahnen verlegt werden, so zahlt die Kosten der Steuerzahler. Schließlich beteiligt sich der Staat mit erheblichen Fördergeldern an der Forschung zur Kohlendioxid-Abscheidung und Speicherung.

Das alles könnte nur verantwortet werden, wenn es für das wirtschaftliche Überleben der Region unbedingt notwendig wäre. Im Vergleich zur Braunkohle preiswertere und umweltfreundlichere Energieträger sind jedoch auf dem Weltmarkt in Hülle und Fülle vorhanden, und die laut RWE bis 2045 wegfallenden circa 5500 Arbeitsplätze im Tagebau (halb so viele wie bei den Stadtwerken Köln oder der RWTH Aachen) erscheinen ein viel zu hoher Preis für das angerichtete menschliche Leid der Zwangsumgesiedelten, für die Zerstörung einer gewachsenen, uralten und dicht besiedelten Kulturlandschaft und schließlich für die den zukünftigen Generationen ungefragt aufgebürdeten Altlasten.

Das Thema beschäftigt auch Heinz-J. Hilgers: Sicherlich sind für diese Art der Energie- und Rohstoffgewinnung massive Eingriffe in Natur und Umwelt vonnöten. Aber in welchem anderen Land der Erde werden diese Maßnahmen so ganzheitlich durchgeführt wie bei uns. Die Wiederherstellung der Natur mit Renaturierung, Schaffung von Seen und Erholungsflächen ist doch hier beispielhaft.

Wir werden bei vernünftigem Denken nicht von heute auf morgen auf die heimische Kohle verzichten können. Eine Veränderung der Erzeugungsstruktur muss wachsen und das braucht eben Zeit. Zeit die sinnvoll genutzt wird, mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen den technischen Fortschritt so voranzutreiben und auch anzuwenden, dass ein Optimum an Umweltschutz gewährleistet ist.

Wer sich diese Zeit nicht nimmt wird über Kurz oder Lang auf die Nase fallen. Einen Blackout mit allen möglichen Folgen wünschen wir uns alle nicht, damit meine ich nicht einen lokal begrenzten Stromausfall von kurzer Dauer sondern der Stillstand unseres gewohnten Lebens. Die Aufzählung dessen was dann nicht mehr ginge würde Seiten füllen und dabei wären auch Stichworte wie Autoverkehr (Tanken geht ohne Strom auch nicht), Gesundheit, Rettungswesen, Kommunikation, Einkaufen, etc.

Wenn wir uns dies einmal mit allen Konsequenzen bewusst machen und zu Ende denken, dann nehmen wir eine Übergangszeit mit einer etwas langsameren Umgestaltung der Erzeugungsstruktur glaube ich gerne in Kauf.

Hans Ehlers ist folgender Meinung: Die Kohle ist nicht mehr zeitgemäß. Es müsste zwingend die Photovoltaik für Dächer mit optimaler Ausrichtung vorgeschrieben werden. In der Regel verfügen viele Hauseigentümer in guten Lagen über das nötige Geld um solche Anlagen zu installieren. Sie müssten aber per Gesetz dazu verpflichtet werden, sonst machen es nicht viele.

Hans Joachim Teichmeier ist folgender Ansicht: Ob die Braunkohle zukunftsweisend ist oder nicht, ist nicht die entscheidende Frage. Die Braunkohle stellt eine wichtige Übergangsenergie auf dem Weg zur Energiewende dar. Die Braunkohle ist der einzige Energieträger, der uns in Deutschland in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Es gibt, nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie, keine echte Alternative.

Die Vorräte an Erdgas und Erdöl sind endlich, und die Importsteinkohlepreise werden weiterhin steigen. Moderne Braunkohlekraftwerke wie die Boa 2/3 in Neurath sind in der Lage, die benötigte Regelenergie zur Verfügung zu stellen und aufgrund des höheren Wirkungsgrades auch die CO2 Emissionen deutlich zu reduzieren. Wenn die letzten Bagger im Jahr 2045 stillstehen, steht die Region vor einem Strukturwandel, der heute schon eingeleitet werden muss.
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