Lesermeinung: Naturschutz oder Tourismus am Blausteinsee?

Von: Tobias Röber
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Für die Taucher soll es bald
Für die Taucher soll es bald neue Parkplätze geben. Außerdem wünschen sich viele Taucher Unterkünfte am See, damit sie ein paar Tage bleiben können. Das ist aber nur eine Facette des Blausteinsees. Hermann Gödde will die Entwicklung weiter vorantreiben. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. „Wann kommt denn endlich die Gastronomie am See?” Fragen wie diese muss sich Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter der Stadt, öfters anhören. Aber auch andere. Zum Beispiel Fragen nach der Bojenkette, die gewissermaßen symbolisch als Grenze für die Interessen von Naturschützern und Wassersportlern steht.

Zwei Seiten des Sees also. Naturschutz hier, Sport und touristische Entwicklung auf der anderen. Für Hermann Gödde können beide Seiten nur gemeinsam betrachtet werden.

Irgendwie auch klar, in Sachen Bojenkette prallen die Interessen schließlich direkt aufeinander. Dem kürzlich unterbreiteten Vorschlag, doch zwei Bojenketten zu installieren, erteilt Gödde eine klare Absage. Im Rahmen des Landschaftsplans VII wird nun festgelegt, wo Wassersport betrieben werden darf und wo nicht. Rund 100 000 Euro wird die neue Kette wohl kosten, eine Verlegung je nach Jahreszeit würde natürlich zusätzliche Kosten verursachen.

„Es gibt Richtlinien, aber auch den gesunden Menschenverstand”, sagt Gödde und befürwortet den bisherigen Verlauf der Kette. Gleichzeitig ergänzt er: „Dass drei Viertel des Uferbereichs zur Naturschutzzone gehören, unterschreibe ich sofort.” Auch eine Schutzzone im Wasser müsse sein, betont der Technische Beigeordnete. Allerdings dürfe die Freizeitnutzung des Sees nicht zu kurz kommen. Immerhin hätten viele Bürger jahrzehntelang unter dem Tagebau gelitten.

Weg von den Containern

Pläne für die Freizeitnutzung gibt es viele. Und immer wieder kommt Gödde auf die Taucher zurück. Der Tauchsport hat ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Gödde. Da kommt es wohl auch nicht von ungefähr, dass ein neuer Parkplatz für die Taucher her soll. Rund 200 000 Euro (so hoch sind die reinen Baukosten) wurden dafür nachträglich in den Haushalt eingestellt. In Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde wurde geplant. Bei den Tauchern soll es - wie auch in der Gastronomie - weg von den Containern gehen. Gerade bei den teuren Tauchgeräten ein sinnvoller Plan. Viele Taucher wünschen sich zudem Appartements, um einige Tage am See bleiben zu können. Auch Segeln für Anfänger und Kinder könne das Prädikat Alleinstellungsmerkmal erhalten.

Generell sei der Blausteinsee „ein Pfund, mit dem man wuchern kann”. Gödde sieht den See als Naherholungsregion auch über mehrere Tage. Sprich: Er kann sich gut vorstellen, dass der See für Touristen als Ausgangspunkt für Fahrten etwa nach Belgien, in die Niederlande oder auch die Eifel dient. Neben den Angeboten (Jogging, Inlineskaten, Segeln, Tauchen, Radsport, Golf in der Nähe), die es ohnehin schon gibt. Um den Blausteinsee noch attraktiver zu machen, will Gödde eine bessere Vernetzung. So könnte der See als Station bereits bestehender Radrouten dienen. Ein Infozentrum mit Ansprechpartnern müsse ausgebaut werden, und auch an eine E-Bike-Station denkt der Technische Beigeordnete.

Ein leidiges Thema ist der Müll. Ganz extrem am oberen Parkplatz direkt am Kreisverkehr, aber auch - vor allem je nach Wetterlage - rund um den See. Direkt am See sei das Müllproblem ein temporäres, sagt Gödde. Dennoch betont er, dass der Badebereich zum einen besser ausgebaut werden soll, zum anderen aber auch deutlich mehr Mülleimer aufgestellt werden müssen.

Und da kommt auch der Naturschutz wieder ins Spiel. Der Landschaftsplan VII beschäftigt sich intensiv damit. So gibt es zahlreiche seltene Arten, die im Landschaftsplan VII „Eschweiler/Alsdorf” vorkommen und. Hierzu gehören einige Fledermausarten aus, etwa die Wasserfledermaus, der Große Abendsegler und die Mückenfledermaus, die den Blausteinsee als Jagdraum nutzen. Auch streng geschützte beziehungsweise seltene Vogelarten wie Mäusebussard, Wanderfalke, und Kiebitz finden rund um den See Nahrung und Brutplätze.

Weitere Arten sind als Durchzügler oder Nahrungsgäste in diesem Raum zu sehen, wie Flussuferläufer, Merlin, Turmfalke, Rothalstaucher und Schleiereule.

Wichtige Orchideenvorkommen, insbesondere im Bereich „Ehemalige Kieswäsche Kinzweiler”, aber auch in Waldbereichen südlich von Hehlrath und nordöstlich von Dürwiß unterstreichen die Bedeutung des Gebietes hinsichtlich nachhaltiger und effizienter Schutzstrategien, heißt es in einem Bericht des BUND. Im See gibt es zudem einige vom Aussterben bedrohte Algenarten.

Weihnachtsmarkt und Oldtimer

Zurück zur Gastronomie. Die hochtrabenden Pläne, die gehandelt wurden, sind (erstmal) beiseite gelegt. Hermann Gödde betont zwar, dass der sogenannte Masterplan die richtige Vision war und eine Gesamtkonzeption toll wäre, er das jedoch derzeit nicht für umsetzbar hält.

Also soll jetzt eine Einzelvermarktung und somit zunächst vernünftige Gastronomie her. Interessenten dafür gibt es seit langem, Gödde betont, dass dieses Jahr Fakten geschaffen werden. Das bedeutet dann, dass es im kommenden Jahr auch tatsächlich losgeht. Bleibt abzuwarten, ob es klappt. Zwei Überlegungen gibt es dabei: Entweder investiert die Blausteinsee-GmbH und sucht einen Betreiber oder aber ein Dritter investiert. Für die Gastronomie müsse zudem ganzjährig etwas geschaffen werden, damit diese nicht nur bei Sommerwetter genutzt wird. Gödde denkt zum Beispiel an einen Weihnachtsmarkt am See oder eine Oldtimer-Ausstellung. Auch die Möglichkeit, Seminare anzubieten, steht im Raum.

Klappt das „Projekt Gastronomie” nun endlich, muss sich Hermann Gödde zumindest diese Frage künftig nicht mehr anhören. Aber es gibt ja noch genügend andere Baustellen rund um den See...
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