Leser-Streifzug durch den Fuhrpark der Donnerberg-Kaserne

Von: Stefan Herrmann
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Der einzige Panzer auf der Tour: Auf dem Sprung von Halle zu Halle erblickten die Besucher den ausgetellten Flakpanzer, Baujahr 1968. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Dingo, Mungo, Luna und Cobra - die Namen klingen wie strenggeheime Codewörter aus Agentenfilmen à la James Bond. Und gewissermaßen standen die Wörter auch für spannende Missionen, die 33 Leser unserer Zeitung am Mittwochnachmittag erlebten.

Die Sommeraktion „7 mal Sommer in Eschweiler” führte die Gruppe dieses Mal zur Donnerberg-Kaserne.

Das Wort Kaserne ist in diesem Falle ein wenig trügerisch, denn die „Technische Schule Landsysteme” und „Fachschule des Heeres für Technik”, geradezu idyllisch gelegen am Stadtwaldrand, präsentiert sich vor allem als hochmoderne Ausbildungsstätte der Bundeswehr. Die Instandsetzer schrauben und prüfen hier fast alles, was der facettenreiche Fuhrpark des Heeres zu bieten hat. Passend zu den exotischen Modellen gibt es dann auch außergewöhnliche Namen: Dingo, Mungo, Luna und Cobra.

Kasernenkommandant Oberstleutnant Jürgen Werner kam auf den letzten Drücker zurück zu „seinem” Arbeitsplatz. „Es gab noch einen Krisengespräch in Aachen”, begrüßte daher Oberstabsfeldwebel Peter Schoenen unsere Leser am Kasernentor. Die „Krise” hatte aber glücklicherweise nichts mit der Besichtigungstour zu tun, so dass der studierte Elektrotechniker Werner die Gäste mit warmen Worten und einer Fülle an Informationen im Unteroffiziersheim empfangen konnte.

Danach ging es in drei Gruppen auf Erkundungstour über das weitläufige Gelände. „Das ist ja alles richtig schön gepflegt hier”, staunten einige Erstbesucher nicht schlecht. Da habe man schon ganz andere Kasernen gesehen. Vorbei an der eigenen Kirche ging´s hinab zu den Ausbildungshallen. In drei exemplarische Ausbildungsbereiche ließen die Militärs unsere Leser einmal hineinschnuppern. „Wir haben hier schließlich fast nichts zu verbergen. Und wenn doch, dann bekommen sie gar nicht mit, was hinter den Türen liegt”, heizte Oberstleutnant Werner die Spannung noch ein wenig an.

Gleich das erste Gerät beeindruckte die Zivilsten mächtig: Das Artillerie-Ortungsradar „Cobra” (Counter Battery Radar) ist eines der kompliziertesten Landsysteme der Bundeswehr - und auch eines der teuersten. Schlappe 30 Millionen Euro kostet der Koloss. Dafür gelingt es den Soldaten mit soviel Technik unter der Haube aber auch, nicht nur einzelne Geschütze, sondern gleich ganze Artilleriebatterien aufzuspüren.

Gepackt auf ein vierachsiges 420 PS starkes Trägerfahrzeug der Firma MAN, können die insgesamt 2720 Antennen innerhalb kürzester Zeit ausgerichtet werden, wie Hauptmann Wolfgang Kerzel den staunenden Zivilisten erklärte. „Die Schaltkabine ist sogar klimatisiert, allerdings nicht für die Bediener, sondern zur Kühlung der Geräte”, so Kerzel schmunzelnd.

Während „Cobra” vom Boden aus in den Himmel blickt, guckt „Luna” von oben herab auf die Landschaft. Die Drohne wird seit 2000 von der Bundeswehr zur taktischen Aufklärung eingesetzt. Als so genanntes UAV (Unmaned Airial Vehicle) hebt das an einen Miniatur-Segelflieger erinnernde, vollautomatisch funktionierende Luftaufklärungs- und Überwachungssystem ab in die Lüfte.

Luna - mit einer Spannweite von 4,17 Metern, einer Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h und einem Einsatzradius von 50 km um die Bodenkontrollstation - braucht dafür ein kleines Startkatapult, welches von gerade einmal zwei Mann aufgebaut werden kann. Kleinere Modelle wie „Aladin” und „Mikado” für den Orts- und Nächstbereich können sogar wie übergroße Papierflieger mit einem Wurf aus der Hand heraus starten.

Solch ein Leichtgewicht ist „Dingo” keinesfalls. Jeder kennt die Allschutz-Transport-Fahrzeugs (ATF) aus den Fernsehnachrichten. Benannt nach dem australischen Windhund Dingo, sind die gepanzerten und minengeschützten Radfahrzeuge für deutsche Soldaten in Afghanistan unverzichtbar. Entwickelt vom deutschen Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW), müssen die ATF unter schwierigen klimatischen Bedingungen einiges aushalten. Ganz zu schweigen von den Minenangriffen, die bereits auf Dingos mit deutschen Soldaten im Innern ausgeübt wurden.

Am Donnerberg lernen Militärexperten innerhalb weniger Wochen, wie ein Dingo funktioniert, und wie er sich im Notfall innerhalb kürzester Zeit reparieren lässt. „Die Kniffe haben wir uns im Laufe der Jahre selbst angeeignet”, erzählt Hauptmann Peter Balla. „Jetzt sind wir bei etwa 90, 91 Prozent.” Regelmäßig wird der Dingo komplett zerlegt und wieder zusammengeschraubt. „Meistens läuft er dann auch wieder”, sagt Balla mit einem verschmitzten Lächeln. Mittlerweile kommuniziert man übrigens hauptsächlich per Laptop mit den modernen Militärfahrzeugen, der Schraubenschlüssel bleibt dann (vorerst) im Werkzeugkasten.

Rund eine Million Euro kostet ein Exemplar der neuen Dingo-2-Reihe. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 12.000 kg bringt es die 222-PS-Maschine immerhin noch 89 km/h. „All das ist aber irrelevant”, so Hauptmann Balla. So gebe es zwar viele, die die neuen Autos schlecht reden. „Die vergessen aber: Darin sitzen Soldaten, die geschützt werden müssen. Ob da dann der Spiegel wackelt, ist egal!” Und ihren „Job” erledigen sie tadellos. Selbst bei der Fahrt über eine 15-kg-Abwehrmine überlebten deutsche Soldaten in Afghanistan - wenn auch verletzt - den Angriff.

Neben den Dingo-Modellen erblickten unsere Leser auch einige Panzereinsatzfahrzeuge der Mungo-Klasse. Zwei von ihnen waren sogar schon, erkennbar an den die ISAF-Schildern (International Security Assistance Force), im Auslandseinsatz.

Nach über zweieinhalb Stunden lehrreicher Einblicke in die spannende Ausbildungs- und Instandsetzungsarbeit der Donnerberg-Kaserne stand für alles fest: Die Technik und deren Wartung wird immer wichtiger im militärischen Einsatz. „Die Zeiten, in denen Soldaten reines Kanonenfutter waren, sollen schließlich nicht mehr kommen”, so Jürgen Werner.

In einem Jahr hört der Oberstleutnant auf

Kasernenkommandant Jürgen Werner blickt auf sein letztes Berufsjahr als Soldat. Im nächsten Jahr erreicht der Oberstleutnant mit 59 Jahren die Altersgrenze.

Auf die Frage eines Lesers, ob er mit einem weinenden oder mit einem lachenden Auge aus dem Dienst trete, sagte Werner schmunzelnd: „Vor ein zwei Jahren hätte ich gesagt, mit einem weinenden, aber jetzt freue ich mich auch auf den Ruhestand!”

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