Leser fahren mit dem Apfelexpress durch die Obstplantagen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Die Bäume hängen voll. Dank der hofeigenen Beregnungsanlage haben sie die Nachtfröste im April gut überstanden. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Begabung als Erntehelfer bewiesen vor allem die Kinder unserer Leser, die an der Besichtigungstour teilnahmen. Schnell war die Kiste voll. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Begabung als Erntehelfer bewiesen vor allem die Kinder unserer Leser, die an der Besichtigungstour teilnahmen. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Die Fahrt im Apfelexpress ging am Speicherbecken entlang, vorbei an neu gepflanzten Kulturen. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Begabung als Erntehelfer bewiesen vor allem die Kinder unserer Leser, die an der Besichtigungstour teilnahmen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Vögel zwitschern, Schmetterlinge flattern, zum Greifen nah leuchten im Sonnenschein rotbackige Äpfel in saftig-grünem Laub – eine Fahrt mit dem Apfelexpress durch die Obstplantage Hillemacher in Hastenrath ist ein pures Idyll. Wie viel Arbeit hinter diesem Idyll steckt, erfuhren 25 Leser unserer Zeitung am Montag.

Die Abschlussveranstaltung unserer Aktion „7 x Sommer“ führte zum Hillemacher-Hof an der Quellstraße. Auf 23 Hektar Fläche am Osthang des Eschweiler Stadtwaldes und bei Werth baut die Familie Hillemacher Obst an, 40.000 Bäume sind es inzwischen.

Der Hof ist seit 90 Jahren im Besitz der Familie, mit dem Anbau von veredelten Obstbäumen wurde 1960 begonnen. Äpfel der beliebtesten Sorten werden das ganze Jahr auf Wochenmärkten und auch im Hofladen angeboten, eine 700 Quadratmeter messende Halle. Neben zwanzig Apfelsorten stehen auch Birnen-, Zwetschgen- und Kirschbäume auf den Plantagen.

Durch diese Obstbaum-Reihen fuhr am Montag der Apfelexpress – vorneweg Inhaber Hubert Hillemacher auf dem Traktor, dahinter, in sechs großen Obstkisten sitzend, unsere Leser. Immer mindestens vier in einer Kiste. In diesen Holzkisten werden sonst die frisch gepflückten Äpfel transportiert; 300 Kilo passen in jede.

Äpfel werden geerntet

Die Erntezeit hat begonnen, derzeit werden die frühen Apfelsorten wie Delbar und James Grieve gepflückt. Das muss sehr sorgsam geschehen, erläuterte Sandra Hillemacher-Boese, die Schwester des Hofherrn, den Teilnehmern. Mit einem kleinen Dreh werden die Äpfel vom Baum gelöst, der Stiel muss unbedingt dran bleiben. Und ganz vorsichtig werden die Früchte dann in die Körbe gelegt. Besonders die Kinder hatten es schnell raus, ernteten eifrig die saftigen James-Grieve-Äpfel und bissen auch gerne einmal hinein.

Nicht nur in der Erntezeit ist auf einer Obstplantage viel zu tun. Der Baumschnitt ist wichtig für den Ertrag, neue Bäume müssen angepflanzt, alte gerodet werden. Zwischen den Spalier-Reihen wird gemäht, das Gras bleibt als Mulch liegen. Alle paar Reihen leuchten Sonnenblumen. Sie stehen auf Geländestreifen, auf denen Wildkräuter wachsen dürfen, als Rückzugsgebiet für Nützlinge wie Milben, die auf Schädlinge angesetzt werden. Der Hof wird biologisch bewirtschaftet: „Chemische Mittel zum Pflanzenschutz gibt es bei uns nicht“, betonte Sandra Hillemacher-Boese.

Besonders viel Arbeit gab es bei dem späten Frosteinbruch im April dieses Jahres. Mitten in der Blütezeit fiel die Temperatur drei Nächte lang auf bis zu minus acht Grad. Da hieß es: Morgens um 4 Uhr aufstehen und die Beregnungsanlagen anwerfen, um die Blüten mit einem Eispanzer zu schützen. Die Hillemachers schafften es, einen großen Teil der künftigen Ernte zu retten. Die Bäume hängen voll. Nur auf den Flächen, die nicht beregnet werden konnten, liegen die Ernteausfälle jetzt bei 60 Prozent.

Freche Obstdiebe

Auch eine andere Art von Ernteausfall machte der Familie zu schaffen: Obstdiebstähle. Sogar in die eingezäunten Flächen wurde eingedrungen. „Einmal traf ich da Leute, die hatten sogar einen Eimer zum Pflücken dabei. Als ich denen sagten, dass die Plantagen unser Eigentum sind, und wir davon leben müssen, erhielt ich zur Antwort: Da ist doch kein Zaun drum rum“ Manchmal werden sogar junge Bäume ausgegraben und entwendet. Hubert Hillemacher kann solche Diebe nur warnen: „Ich erkenne meine Bäume immer wieder. Die können sie pflanzen, wo sie wollen, ich weiß, dass sie von hier sind.“

Die Fahrt im Apfelexpress ging am Speicherbecken entlang, vorbei an neu gepflanzten Kulturen. Hillemacher erklärte, wie die jungen Bäume vor Kaninchen, Rehen und Wühlmäusen geschützt werden. 20 Zentimeter tief müssen die Drahtgitter in den Boden eingegraben werden, um Wühlmäuse von den schmackhaften Baumwurzeln fern zu halten. Halt gemacht wurde dann an der Marienkapelle. Die vielen Spaziergängern bekannte Kapelle gehört der Familie Hillemacher, der Großvater hat sie bauen lassen.

Welche Apfelsorten angebaut werden, ist eine unternehmerische Entscheidung, die auch Risiken birgt. Der Geschmack der Käufer wandelt sich. Derzeit sind knackige, feste Sorten beliebt, der Topaz zum Beispiel. Äpfel mit weicherem Fleisch wie der Cox Orange werden immer weniger gekauft. Und manche alte Sorten wie Gloster, Goldparmäne und die Sternrenette sind nur noch etwas für Liebhaber. Vor kurzem hat Hillemacher zehn Bäume einer nagelneuen Apfelsorte gesetzt, die sich besonders für den Bio-Anbau eignet. Natyra heißt sie. Die kleinen, saftigen Früchte sollen köstlich schmecken.

Nach der Rückkehr von der Rundfahrt stand noch ein Blick in den Kühlraum auf dem Programm. Bei einer Temperatur von einem Grad halten sich Äpfel ein Jahr lang, ohne allzusehr an Qualität zu verlieren“, versicherte Hillemacher-Boese. Wenn die neue Ernte kommt, wie in den nächsten Tagen, müssen die alten Bestände aber weichen. Aus denen wird dann Apfelsaft.

Und damit der Saft schmeckt, wird der Transport zu der Mosterei von einem Mitarbeiter begleitet, um sicherzustellen, dass da keine sauren oder gar faulen Äpfel anderer Herkunft mit hinein kommen. Wie lecker dieser Saft ist, durften die Besucher dann selbst probieren.

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