Eschweiler-Weisweiler - Leser erkunden Kraftwerk Weisweiler

Leser erkunden Kraftwerk Weisweiler

Von: Anna Fitscher
Letzte Aktualisierung:
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30 Leser unserer Zeitung hatten am Dienstag die Gelegenheit, das RWE-Kraftwerk Weisweiler zu erkunden. Foto: Anna Fitscher
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Beliebtes Fotomotiv der Besucher bei der Leserführung: die Kühltürme mit den orangefarbenen Rohren der Entschwefelungsanlage am Kraftwerk Weisweiler.

Eschweiler-Weisweiler. Er war schon ein besonderer Termin, den sich die 30 Abonnenten unserer Zeitung ausgesucht haben: Sie machten am Dienstagmorgen eine Führung über das Gelände des RWE-Kraftwerks Weisweiler. Das Interesse an unserer Leseraktion war groß. Binnen weniger Minuten war sie ausgebucht. Die 30 Leser, die sich nun in den Kesselhäusern der Braunkohleblöcke, an den Kühltürmen und in der Schaltzentrale umschauten, waren schnell genug und konnten sich einen Platz sichern.

Zunächst trafen sich die Teilnehmer im Informationszentrum am Fuße des Kraftwerks. Dort nahm sie Bernd Blümmert vom RWE-Konzern im Emofang und erklärte den Besuchern simpel und anschaulich „wie in der Sendung mit der Maus“, wie ein Kraftwerk eigentlich funktioniert. Was viele nicht wissen: Nicht die Hitze selbst, die beim Verbrennen der Braunkohle entsteht, sorgt letztlich für den Strom. Mit der entstehenden Hitze wird zunächst Wasser erwärmt. Bei diesem Vorgang entsteht Wasserdampf, der wiederum Dampfturbinen antreibt. Diese Turbinen sind an Generatoren angeschlossen, die dann den Strom erzeugen.

Blümmert verstand es vor allem, seine Zuhörer durch die ein oder andere Schätzfrage in seinen Vortrag mit einzubeziehen. Auch erstaunte er sie mit interessanten Fakten rund um das Kraftwerk: Wussten Sie zum Beipiel, dass bei der Rauchgasreinigung in einem Kraftwerk eine chemische Reaktion stattfindet, bei der Gips entsteht? Der Gips wird dann verkauft und zu Bauzwecken verwendet. Da der Bedarf an Gips im letzten Jahr allerdings deutlich zurückging, musste die RWE Power AG 80.000 Tonnen des enstandenen Gips wegwerfen.

Eine besondere Frage beschäftigte alle Zuhörer gleichermaßen: Was passiert mit dem Gelände, den Gebäuden und vor allem mit den rund 1500 Mitarbeitern des Kraftwerkes Weisweiler und des Tagebaus Inden, wenn keine Braunkohle mehr gefördert wird? Denn dieser Fall wird spätestens 2030 eintreten. Die Idee, ein Logistikzentrum auf dem Gelände zu errichten, stehe wohl im Raum, konkrete Pläne gebe es aber derzeit noch nicht, meinte Blümmert. Da ein Ende für das Kraftwerk schon in Sicht ist, sei auch das Durchschnittsalter in dem Betrieb realtiv hoch. „Viele junge Menschen sehen im Braunkohleabbau keine Zukunft mehr.“

Nach der theoretischen Einführungsrunde ging es dann zum Hauptteil des Vormittags: der Führung über das Gelände des Kraftwerks Weisweiler. Schutzkleidung, also Helme, Schutzbrillen und Sicherheitsschuhe waren hier ein Muss. Auch war es wichtig, sich auf dem Gelände nur auf den Bürgersteigen aufzuhalten und die Zebrastreifen zu nutzen, da ständig Fahrzeuge an der Besuchergruppe vorbeifuhren. Auch ein Feuerwehrauto. Dies sei allerdings nichts besonderes, denn RWE besitze eine hauseigne Feuerwehr, damit diese im Ernstfall frühzeitig zur Stelle sein kann.

Bisher trat in der Geschichte des Kraftwerks in Weisweiler nur ein Fall auf, in dem die hauseigne Feuerwehr einem Problem nicht alleine gewachsen war und zusätzliche Feuerwehr von außen angefordert werden musste: Im August 2001 war nach einer Kohlenstaubverpuffung ein großer Brand ausgebrochen, der eine Bandbrücke komplett zerstörte. Drei Mitarbeiter wurden bei der Verpuffung schwer verletzt. Die Bandbrücken sind für die Kohlenversorgung des Kraftwerks zuständig. Der Brand richtete einen Schaden in Millionenhöhe an: Alleine die Neuerrichtung der Bandbrücke kostete das Unternehmen knapp zehn Millionen Euro. Außerdem konnte das Kraftwerk nach dem Brand mehrere Wochen lang nur rund 60 Prozent seiner Leistung erbringen. Als Brandursache ermittelten Gutachter einen Defekt in einer Beleuchtungseinrichtung. Das Unternehmen zog Konsequenzen daraus und verbesserte Löschtechniken und ergriff Maßnahmen zur Verringerung von Staubablagerungen – nicht nur im Standort Weisweiler, auch in allen anderen Kraftwerken. Seitdem habe es keine größeren Zwischenfälle mehr gegeben.

Bei der Besichtigung der Förderbänder bekamen viele erst einmal einen Schreck: Eine laute Sirene ertönte, als sich eines der Förderbänder in Bewegung setzte. Die Sirene dient vor allem der Unfallprävention für die Angestellten des RWE: Setzt sich ein Förderband in Bewegung, sollte man Abstand halten, da die Verletzungsgefahr sonst sehr hoch ist. Auch passierte die Gruppe die Fremdkörper-Abscheidungsanlage. Dort wird die Braunkohle von Holz und Steinen befreit, die die Kohlemühlen beschädigen könnten.

Natürlich ging es für die Gruppe ins Innere der Gebäude des Kraftwerkes – dort bekam man die Wärme der verbrennden Kohle zu spüren. Unter den dicken Winterjacken wurde es dem einen oder anderen dann schnell zu warm. „Jetzt stellen sie sich nur mal vor, sie müssten hier im Sommer bei 30 Grad Außentemperatur arbeiten“, scherzte Blümmert.

Ein weiteres Highlight bei der Tour war der Besuch im Leitstand des Krafwerkes, dem Herzstücks. Fasziniert schauten die Gruppe sich in dem Raum mit den vielen Monitoren um.

Beim abschließenden Mittagessen in der RWE-Kantine ließen die Leser, die während des gesamten Rundgangs auch fleißig fotografiert hatten, das Gesehene, Erlebte und Erlernte noch einmal Revue passieren. Alle waren sich einig, dass dies ein spannender Vormittag war.

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