Leser-Aktion: Mit 60 Pferdestärken durch Regen und Morast

Von: Patrick Nowicki
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Hinein ins schlammige Vergnügen: Nach gut zwei Stunden drehten auch die Jüngsten ihre Runden auf der Nachwuchs-Piste. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Das Rad gräbt sich tief in den aufgeweichten Boden, Schlamm spritzt auf: Wer am Donnerstagnachmittag den Weg zum Motocross-Gelände bei Lohn auf sich nahm, wusste schon bei der Anfahrt, was ihn erwartete. Allerdings sind normale Pkw auch wenig geeignet für das hügelige Gelände.

Besser verhielten sich dort die zwei wartenden Quads, die sich drei Stunden lang sicher durch den Morast pflügten. Gesteuert wurden sie von jungen Lesern unserer Zeitung. Keine Frage, unsere Aktion 7x Sommer endete spektakulär auf dem Areal des Motorsport-Clubs (MSC) Grenzland.

„Was man hier lernt, das kann einem im Straßenverkehr helfen.” Michael Satorius weiß, wovon er spricht. Seit zehn Jahren kennt sich der 23-Jährige mit Lenker und Bremse bestens aus. Inzwischen landet er bei Meisterschaftsrennen im Sattel seiner Motocross-Maschine regelmäßig unter den ersten Fünf.

Allzu viele Pferdestärken will der Jugendwart des MSC den unerfahrenen Nachwuchspiloten in den Fahrradhelmen nicht zumuten: Die Jüngsten schwingen sich auf eine 25-PS-starke TGB Target 325, ein Modell, das für Freizeitfahrer entwickelt wurde. Die Mutigeren und vor allem wesentlich Älteren dürfen auf einer Grizzly 700 von Yamaha ihre ersten Runden drehen. Das 240 Kilogramm schwere und immerhin 60 PS starke Gefährt erleichterte die Fahrt durch den tiefen Boden mit seinem Allradantrieb.

Bevor allerdings der Fahrtwind erstmals um die Nase weht, erläutert Michael Satorius geduldig und behutsam das Gefährt. Die Bremsen am Lenker funktionieren wie bei einem Fahrrad: Vorderreifen links, Hinterreifen rechts. Hinzu kommt noch eine weitere Bremse fürs Hinterrad am rechten Fuß.

Wer das Quad starten möchte, muss erst die Automatikschaltung auf N hebeln, den Zündschlüssel drehen, die Bremse treten und gleichzeitig den Anlasserknopf drücken. Gar nicht so einfach für die Fahranfänger. Rollt die Maschine einmal, dann kann der Fahrer nicht einfach im Sattel sitzen bleiben, sondern muss sein Gewicht regelmäßig verlagern, sonst droht eine Bruchlandung.

Nach der Theorie geht es auf die Piste: Zunächst bescheidene Runden an vier Pylonen vorbei auf dem Vorplatz. Mittendrin dabei die junge Meike, die sich in der männlichen Konkurrenz behaupten muss. Allerdings lassen auch die Jungs Vorsicht walten und drücken den Gashebel nicht zu weit nach hinten. Dieser befindet sich übrigens am Lenker rechts und wird mit dem Daumen betätigt. Einfach ist das nicht: Die ersten Meter werden noch fast hüpfend bewältigt, dann gelingen die Kurven flüssiger.

Kaum haben unsere Leser die erste Lektion gelernt, folgen Übungen im Gelände. Inzwischen ist auch der MSC-Vorsitzende Ralf Wilke zur Gruppe gestoßen. Der 43-Jährige kümmert sich um den Nachwuchs, während sich Michael Satorius mit in die Böschung wagt. Wer ein Quad beherrscht, der kann es auch auf unwegsamem Gelände sicher manövrieren.

Ralf Wilke hat so schon Touren in den Alpen bewältigt. Solche Höhen müssen die Teilnehmer am Donnerstag nicht bewältigen. Der erste Hügel entlockt einem Fahrprofi allenfalls ein müdes Lächeln. Dennoch scheuen sich die Jüngsten etwas. Und so setzt sich der Vorsitzende manchmal dazu und lenkt mit. Auch Meike vertraut seiner Hilfe. Als dann erstmals auf Tempo gedrückt werden soll, machen alle zunächst wieder einen Bogen um den Sandhubbel.

„Schnuppertage” wie diesen bietet der MSC Grenzland regelmäßig an, denn die Jugendarbeit ist Ralf Wilke und seinen Mitstreitern ans Herz gewachsen. 45 junge Motocrosser setzen in dem Verein regelmäßig den Helm auf. Sogar das Jugendamt vertraut der Kompetenz dort und veranstaltet „Renntage” mit „problematischen” Jugendlichen.

„Ich habe das bei meiner Tochter erfahren: Wenn sie sich hier ausgetobt hat, dann erlebe ich anschließend ein anderes Kind”, berichtet Wilke.

Auf der Piste gelten natürlich strenge Regeln, die alle zu beachten haben. „Motorsport erfordert Verantwortung - sich selbst und auch anderen gegenüber.” Natürlich helfe der Stärkere den Schwächeren, denn „im Dreck lassen wir keinen liegen.” Wenn also jemand im Morast stecken bleibt, packen alle mit an.

Auch an diesem Donnerstag reicht es nicht immer, den Gashebel zu schieben. Doch mit viel Geduld und manchmal auch ein wenig Muskelkraft stehen die beiden MSC-Mitglieder unseren Lesern und den Kindern zur Seite. Auch, als dann nach über zwei Stunden der Ernstfall auf der Rennstrecke geprobt wird.

Allerdings muss noch nicht die 1600 Meter lange Piste absolviert werden, wo schon Europameister ermittelt wurden. Die Nachwuchsrunde - etwa 300 Meter lang - stellt für die Frischlinge am Lenker eine ausreichende Herausforderung dar. Einige Male versinken die Reifen so tief im vom Regen aufgeweichten Boden, dass nur noch Schieben hilft.

Und Meike? Die Kleine stürzt sich mutig ins Renngeschehen. Alleine meistert sie die Runde und schreitet anschließend sichtlich stolz zu ihrer Mutter zurück. Auch das lehrt der Motorsport: Selbstbewusstsein.

Die Teilnehmer jedenfalls sind begeistert und überhäufen die beiden Motorsportlehrer mit Lob. Für Michael Satorius und Ralf Wilke ist die Arbeit allerdings noch nicht beendet. Während die Kinder bereits zu Hause von ihrer ersten Fahrt im Quad erzählen, müssen sie die Fahrzeuge noch säubern. Von Schlamm und Dreck.
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