Leitungswasser: Viel Kalk in Bohl, wenig in Weisweiler

Von: Naima Wolfsperger
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Das Wasser in Eschweiler kommt aus mehreren Quellen. In einigen Gebieten ist es sehr kalkhaltig, in anderen wiederum hat das Wasser einen niedrigen Härtegrad. Foto: Imago/Jochen Tack
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Experte für Wasser: Philip Heldt, Mitarbeiter der Umweltgruppe der Verbraucherzentrale NRW.

Eschweiler. Ein wenig undurchsichtig kommt es aus dem Hahn. Irgendwie sieht es so aus, als wäre es nicht sauber – und überhaupt, immer dieser Kalk! Was der Verbraucher gerne sofort wieder ins Waschbecken kippt, „ist eigentlich gesund“, sagt Philip Heldt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Umweltgruppe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Dem Kalkgehalt im deutschen Leitungswasser wird so einiges nachgesagt. Die Mineralien würden Schläuche und Heizstäbe von Spül- und Waschmaschinen zerfressen und sogar menschliche Adern verstopfen. „Dabei besteht Kalk aus Mineralien, die der menschliche Körper zum Überleben braucht.“ Kalk ist eine chemische Verbindung von Magnesium und Calcium.

Stoffe die der Mensch auch über Gemüse aufnimmt – oder eben aus dem Mineralwasser aus dem Supermarkt. Weil die chemischen Verbindungen von Calcium und Magnesium im Wasser anders seien als im Gemüse, sagt Heldt, könne der Körper sie nicht so leicht abbauen. „Vor einer Überdosierung muss man sich also nicht fürchten.“

Was Rückstände von Medikamentenresten angeht, sollten sich bewusste Ernährer eher auf die Inhaltsstoffe von Industriefleisch konzentrieren, findet Heldt. Medikamentenrückstände werden zwar in Oberflächengewässern gefunden, „aber das deutsche Leitungswasser unterliegt so strengen Kontrollen, da muss man sich eigentlich keine Sorgen machen“. Mit speziellen Filteranlagen würden unerwünschte chemische Rückstände herausgefiltert, so dass sie keinen Einfluss auf die Gesundheit nehmen können.

Unabhängig davon haben diese Stoffe nichts mit dem Kalkgehalt zu tun. Oberflächengewässer sind die Quellen weichen Leitungswassers, denn je tiefer die Wasserquelle, desto mehr Mineralien nimmt das Wasser von den Gesteinsschichten auf. Medikamentenrückstände und Nitrat sinken in der Regel nicht so tief.

„Insgesamt gibt es an Leitungswasser nichts auszusetzen“, sagt Heldt. Er gebe sein Geld eher für gesundes Essen aus, als für Mineralwasser aus dem Supermarkt. Trotzdem hat Kalk im Wasser einen schlechten Ruf. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass sich die Menschen mehr Gedanken über Kalk im Leitungswasser machen, als beispielsweise über Nitratwerte, Pflanzenschutzmittelrückstände oder Medikamentenreste. „Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass wir die Folgen von Kalk im Wasser sehen können“, erklärt Heldt diese Einstellungen.

Kalkflecken im Wasserkocher und am Waschbeckenrand sind häufige Phänomene in den meisten Haushalten. Dabei sei das Wasser in der Städteregion nicht besonders kalkhaltig. Härtegrade werden heutzutage in drei Stufen unterschieden. Stufe eins, weiches Wasser, entspricht der alten Messung in deutscher Härte (dh) bei einem Kalkgehalt unter 8,4; Stufe zwei, mittel, entspricht 8,4 bis 14 dh. Die dritte Stufe, hart, gilt ab 14 dh.

„Nur bei sehr hartem Wasser, über 14 dh, sind Kalkflecken ein tägliches Problem“, sagt Heldt. Bei mittel-weichem Wasser würden immer wieder mal Kalkflecken auftreten, wer in einem Einzugsbereich von weichem Wasser wohnt, müsse eben weniger putzen – habe aber auch weniger Mineralstoffe in seinem Wasser.

In Eschweiler kann es passieren, dass nur wenige Straßen weiter sehr viel mehr geputzt werden muss. Das Leitungswasser kommt von verschiedenen Trinkwasseraufbereitungsanlagen und somit auch aus unterschiedlichen Quellen. In den Stadtteilen Aue, Eschweiler-Stadtmitte, Bergmannssiedlung, Bergrath und in Teilbereichen von Bohl und Röthgen fließt Wasser aus der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Hastenrath.

Der Härtegrad ist mit 18 bis 20 dh sehr hart. Um die Haushaltsgeräte müsse man sich eigentlich keine Sorgen machen, findet Heldt. Die Waschmittel und Tabs seien mit Weichmachern ausgestattet. „Wenn man sich an die Dosierungsangaben auf Verpackungen hält, dann gibt es auch kein Problem mit den Heizstäben der Waschmaschine.“ Nur in Gebieten, in denen eben sehr hartes Wasser fließe, da müsse man überlegen, ob es sich lohne, einen gesonderten Weichmacher zu kaufen, anstatt so viel Waschmittel zu verbrauchen.

In der Siedlung Waldschule, in Stich, Bohler Heide und Pumpe wird das Wasser aus der TWA Binsfeldhammer bezogen und liegt mit 12 bis 14 dh im mittleren Bereich. Für mittlere Härtegrade sei eine höhere Waschmitteldosierung ausreichend, sagt Heldt. Nur wer Pulver und keine Tabs für seine Spülmaschine verwendet, sollte zusätzlich Spülmaschinensalz verwenden.

Am wenigsten putzen müssen die Eschweiler Bürger in Weisweiler, Wilhelmshöhe, Hücheln, Röhe und IGP Weisweiler, denn das weiche Wasser mit drei bis fünf dh wird hier aus den TWA Roetgen und Wehe bezogen.

Kalk sei generell ein Problem bei warmem Wasser. Mit niedrigerer Temperatur zu arbeiten, würde also bereits einen Unterschied machen. Teuer werden könnte es auch, wenn das Material der Heizungsrohre nicht an den Härtegrad des Wassers angepasst sei. Vor allem alte Rohre könnten dann verkrusten, aber das sei eine Frage der Hausinstallation.

Wer sich aber auf die Wasserhärte einstellt, mit der Dosierung der Waschmittel und dem richtigen Rohrmaterial, der könne getrost auf teure Entkalkungsanlagen verzichten. „Das was bleibt, sind der Geschmack und das Putzen“, sagt Heldt. Da müsse in dem einen Haushalt eben öfter zum Lappen gegriffen werden als in anderen.

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