Eschweiler - Lehrer veranstalten Benefizkonzert für syrische Familie

Lehrer veranstalten Benefizkonzert für syrische Familie

Von: ran
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Bedankten sich mit warmen Worten: Für Dagmar und Mustafa Ahmad war der Tag des Benefizkonzertes am Berufskolleg Eschweiler ein besonderer. Mit dabei... Foto: Andreas Röchter
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...die „Romantischen Rebellen“ Daniela Gölden und Sascha Pütz Foto: Andreas Röchter
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...die „After School Jazzband“ mit Sängerin Evi Spennes (Mitte) Foto: Andreas Röchter
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...sowie Heike Gebhardt und Stefan Müller. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Mehr als 20 Personen in einem Vier-Zimmer-Reihenhaus? Das klingt unglaublich! Doch die Situation im von einem grausamen Bürgerkrieg heimgesuchten und gezeichneten Syrien ist ja auch unglaublich. Und so überlegten Dagmar Ahmad, Lehrerin am Berufskolleg Eschweiler, und ihr Mann Mustafa keine Sekunde.

Sie entschlossen sich, zahlreiche Familienmitglieder von Mustafa Ahmad bei sich zu Hause in Aachen aufzunehmen. Am Heiligen Abend des vergangenen Jahres war es soweit: Nach einer Odyssee erreichten die ersten zwölf Familienmitglieder aus Syrien den Düsseldorfer Flughafen. Von dort ging es in die Kaiserstadt.

Inzwischen ist die Zahl der Menschen, die das Ehepaar Ahmad und deren vier Kinder bei sich aufgenommen haben, auf 22 gewachsen. Zuletzt erreichten am vergangenen Freitag Mustafa Ahmads Eltern Aachen. Auch für sie heißt es nun, Ruhe und Sicherheit statt Krieg.

Doch natürlich gibt es auch in Deutschland Sorgen. Das Programm des Landes NRW, dass es ermöglicht, zusätzlichen Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland eine Unterkunft zu bieten, ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt. Und mit Ausnahme der Krankenversicherung übernimmt das Land keine Kosten.

Dennoch bemühen sich Dagmar und Mustafa Ahmad gemeinsam mit ihrer Großfamilie nach Kräften, den Alltag zu bewältigen. So gut es eben unter den gegebenen Umständen geht: „Die zehn Kinder besuchen die Katholische Grundschule Am Römerhof und die Amos Comenius Schule. Und auch die Erwachsenen lernen fleißig die deutsche Sprache und verstehen bereits viel“, berichtet Dagmar Ahmad. Doch natürlich seien die furchtbaren Kriegserlebnisse der zurückliegenden Jahre allgegenwärtig.

„Alle Frauen waren in Syrien berufstätig. Nun sind sie auf Hilfe angewiesen. Das Heimweh ist riesengroß. Zumal die fünf Väter in Syrien geblieben sind, damit nicht alle Brücken abgebrochen werden. Schließlich ist ungewiss, wie es in zwei Jahren weitergeht und ob nicht doch die Rückkehr in die Heimat möglich ist“, erklärt die Pädagogin.

Dagmar und Mustafa Ahmad sowie ihre bürgerkriegsgeschädigten Gäste sind aber glücklich, in den vergangenen Wochen und Monaten eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt zu haben. Freunde, Bekannte, Nachbarn, aber auch wildfremde Menschen unterstützen die Ahmads. Und auch die Lehrer des Berufskollegs Eschweiler sind mit von der Partie! Am Sonntag organisierten diese nun ein Benefizkonzert.

Eine der Initiatorinnen war Evi Spennes, die seit einigen Jahren gemeinsam mit ihren Kollegen Michael Joußen und Harald Schumacher, dem früheren Kollegen Stefan Becker sowie Jürgen Fuchs und Heiner Oedekoven die „After School Jazzband“ bildet. „Wir spielen eigentlich nur aus Spaß an der Freude. Als wir im vergangenen Jahr auf einer Hochzeit aktiv waren, haben wir bemerkt, wie viel Spaß es bereitet, vor Publikum spielen zu dürfen.

Die Idee war dann ursprünglich, ein Konzert für einen guten Zweck auf der Burg Rode in Herzogenrath zu organisieren. Allerdings ist unsere Fanbasis noch überschaubar. Und so haben wir uns zu einem Heimspiel im Berufskolleg zu Gunsten der Familie Ahmad entschlossen“, skizziert die Sängerin der Band den Weg von der Idee zur Umsetzung. Doch nicht nur das Jazz-Sextett begeisterte die Konzertgäste mit weltbekannten Songs wie „Summertime“ oder dem „Buenos Aires Blues“.

Das Duo Heike Gebhardt und Lehrer Stefan Müller überraschte zunächst mit Coversongs von Avril Lavigne, Natasha Bedingfield und Ben Howard, bevor die „Romantischen Rebellen“ Daniela Gölden und Sascha Pütz ihr Publikum mit „Suspicious minds“ von Elvis Presley, dem Beatles-Hit „A hard day´s night“ und Stings „Fields of Gold“ in ihren Bann zogen.

Melodien, die auch Dagmar und Mustafa Ahmad alles andere als unberührt ließen: „Für meinen Mann und mich ist dies ein besonderer Tag. Auch weil sich heute hier, dort, wo ich arbeite, die Eltern meines Mannes und meine Eltern erstmals nach sieben Jahren wiedergesehen haben. Ohne eure Unterstützung und die Hilfe vieler Menschen wäre dies nicht möglich gewesen“, so die Deutschlehrerin.

„Wir haben keine Flüchtlinge aufgenommen, sondern unsere Familie“, unterstrich sie weiterhin. Und aus den Reihen dieser Familie kam abschließend eine klare Stellungnahme: „Wir sind stolz, hier als Familie zusammen zu sein.“

Bleibt zu hoffen, dass der Appell, den Thomas Gurdon zuvor an die Konzertgäste gerichtet hatte, auf fruchtbaren Boden gefallen ist. „Sie sind hier, um Musik zu hören. Aber auch, um zu spenden. Machen sie davon reichlich Gebrauch!“ Schließlich konnte der Zweck kaum besser sein.

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