„Leben retten - kinderleicht”: Das Einmaleins der Wiederbelebung

Von: Tobias Röber
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Marvin, Adrienne, Eric und Jon
Marvin, Adrienne, Eric und Jonas testen den Ernstfall an Puppe Karl. Die Kinder der KGS Bergrath stellten sich bei den Übungen sehr gut an. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Bergrath. Beyda, Lea, Helena, Louisa und Maya haben gerade einen Geburtstag im Hallenbad an der Jahnstraße gefeiert, da passiert es. Sie treten vor die Türe, und plötzlich sehen sie einen Mann regungslos im Gebüsch liegen. Er ist bewusstlos und ringt mit dem Tod. Schnelle Hilfe muss her. Aber was ist zu tun?

Wie können fünf Mädchen einem Erwachsenen helfen? Um genau das zu lernen, gibt es in Eschweiler ein neues Projekt. In „Leben retten - kinderleicht”, einem Projekt der Klinik für Anästhesie des St.-Antonius-Hospitals unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Rudi Bertram, lernen Viertklässler auch anhand fiktiver Beispiele wie dem oben genannten das Einmaleins der Wiederbelebung. Die KGS Bergrath machte in dieser Woche den Anfang.

An zwei Tagen war Notärztin Dr. Theresa Kaminski in der Schule. Am ersten Tag stand die Theorie auf dem Programm. Die Kinder lernten die Organe und den Blutkreislauf kennen, sie erfuhren, dass das Blut den Sauerstoff in der Lunge aufnimmt und von dort in die Organe transportiert und vieles mehr. Erstaunlich dabei war immer wieder, wie gut sich die Mädchen und Jungen bereits auskennen. Und dann lernten sie, was passiert, wenn dieser natürliche (Blut)kreislauf eben nicht mehr funktioniert. „Welche Nummer ruft ihr, wenn jemand bewusstlos ist?”, fragte die Notärztin. Im Chor schallte es „112” durch das Klassenzimmer.

„Es ist toll, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind”, sagte Dr. Michael Dück, Chefarzt der Klinik für Anästhesie. Recht hat er. Unbefangen und mit jeder Menge Elan gingen die Viertklässler ans Werk. Dr. Theresa Kaminski erklärte, dass zwei Wagen bei einem Notfall auftauchen, sie sprach über die Herz-Druck-Massage und erklärte, wofür dieses „Elektroschockdings” gut ist, dass „auf schlau” Defibrillator heißt. Oder einfach kurz Defi.

Am zweiten Tag wurde die Theorie noch einmal wiederholt, dann stand die Praxis an. Zunächst verteilte Dr. Theresa Kaminski Anne, genau genommen zehn Stück dieser kleinen Puppe, die eben den Namen Anne trägt. Erste Aufgabe: Üben der Herz-Druck-Massage. Das ist gar nicht so leicht, einfach nur drücken sollte man nicht. Um den Rhythmus zu üben, nahm die Notärztin musikalische Hilfe in Anspruch. Lieder wie „Stayin alive” von den Bee Gees seien genau richtig. Da der Grundschüler von heute mit den Bee Gees aber so viel anfangen kann wie so mancher Erwachsene mit der heutigen Lehre der Wiederbelebung, wählte die Notärztin „Stupid Girl” von Pink und „Gives you Hell” von den All-American Rejects. Und dann wurde im Takt der Musik gepumpt. Das ist ganz schön anstrengend, wie die Kinder bald feststellten.

Und nun zurück zu den fünf Mädchen und ihrem Erlebnis nach der Geburtstagsfeier. Die Notärztin teilte die 21 Kinder der Klasse (in Bergrath wurden die beiden vierten Klassen geschult) in fünf Gruppen auf. Jede überlegte sich ein Szenario, und dann wurde der Ernstfall geprobt. Eines gab die Notärztin den jungen Lebensrettern mit auf den Weg: „Das einzige, das ihr in einer solchen Situation falsch machen könnt, ist gar nichts zu tun. Alles andere ist richtig.” Für Britta Porath, kommissarische Leiterin der KGS Bergrath, ist es eine sehr gute Idee, die Kinder zu schulen: „Kinder gehen viel unbedarfter an die Sache heran. Erwachsene haben meist Mehr Angst, Fehler zu machen.”

Nun lag die große Puppe, die Dr. Theresa Kaminski Karl „getauft” hat, also mitten im Raum. Die fünf Mädchen erblickten sie. Erste Handlung: Die Person (tun wir mal so, als sei es ein Mensch) ansprechen. Natürlich reagierte sie nicht, also wurde sie angetippt. Immer noch keine Reaktion. Und nun kam die Herz-Druck-Massage ins Spiel. Dr. Theresa Kaminski erklärte an dieser Stelle den Unterschied zu Wiederbelebungsmaßnahmen heute und früher. Viele Eltern hätten gelernt, Personen quasi immer in die stabile Seitenlage zu versetzen.

„Ich finde häufiger tote Personen in der stabilen Seitenlage”, warnte die Notärztin. Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung sei an dieser Stelle nicht nötig. Stattdessen legten die Kinder Karls Kopf in den Nacken, damit er besser atmen konnte, und sie begannen sofort mit der Herz-Druck-Massage. Immer abwechselnd, um Kräfte zu sparen. Eines der Kinder rief die „112” an. Wo ist es passiert? Atmet der Mann? Solche Fragen wurden mit der Leitstelle (in diesem Fall Dr. Kaminski) geklärt. Die wenigen Minuten, bis der Notarzt eintraf, mussten die Kinder alleine überbrücken. Mit Herz-Druck-Massage und dem Defi. Die Initiatoren des Projekts hoffen, dass die Kinder ihr neu erworbenes Wissen, für das sie eine Urkunde bekamen, in die Familien tragen.

Bislang haben fünf Grundschulen Interesse an dem Programm geäußert: Neben der KGS Bergrath sind das die KGS Röthgen, die Eduard-Mörike-Schule, die Evangelische Grundschule Stadtmitte und die Don-Bosco-Schule. Sechs Grundschulen fehlen somit noch. Dr. Theresa Kaminski hofft, dass diese sich auch noch melden. Beyda und ihre Klassenkameradinnen würden das Projekt sicher jederzeit empfehlen.
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