Eschweiler - Leben in verstrahltem Gebiet

Leben in verstrahltem Gebiet

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
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Trostlos: Viele Teile von Uljanovo sind nach dem Reaktorunfall aus dem Jahr 1986 nach wie vor stark strahlenbelastet und verlassen.

Eschweiler. Fast 27 Jahre ist es her, dass der Reaktorunfall im Atomkraftwerk im damals sowjetischen Tschernobyl die Welt erschütterte. Auf ein Menschenleben bezogen, eine lange Zeit. In Dimensionen gerechnet, in denen Radioaktivität nachlässt, kaum mehr als ein Wimpernschlag. Nach wie vor leiden die Menschen in weiten Teilen der ehemaligen Sowjetunion an den Folgen der Verstrahlung.

Auch in Uljanovo, ein ländlicher Bezirk in Russland, rund 300 Kilometer südwestlich von Moskau gelegen. Vor allem die jungen Menschen aus dieser Gegend zu unterstützen, hat sich der 1992 ins Leben gerufene Verein „Helft den Tschernobyl-Kindern e. V.“ zum Ziel gesetzt. Neben der Entsendung von Hilfsgütern und Lebensmitteln steht im Mittelpunkt, in jedem Sommer bis zu 100 Kindern aus Uljanovo einen vierwöchigen Erholungsaufenthalt im Raum Aachen zu ermöglichen.

Das Engagement des Vereins, an dessen Spitze seit 2007 Otto Stöcker aus Alsdorf steht, hat sich natürlich herumgesprochen. So nahm der Vorsitzende am 3. Oktober des vergangenen Jahres stellvertretend für seine Mitstreiter vor zahlreichen Gästen im Eschweiler Ratssaal den vom Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) jährlich verliehenen „Europäischen Sozialpreis“ entgegen (wir berichteten).

Die Verbindung zwischen den Verantwortlichen beider Institutionen ist seitdem nicht abgerissen, sie soll vielmehr intensiviert werden. Nachdem der Vorstand der GPB vor wenigen Tagen bei einem Treffen der Unterstützer des Vereins „Helft den Tschernobyl-Kindern“, dessen Aktivitäten ausschließlich durch Spenden finanziert werden, dabei war, folgte nun der Gegenbesuch von Otto Stöcker, seiner Frau Martina, die als Schatzmeisterin fungiert, sowie von Katharina Thomas, die für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet. Eines der wichtigsten Gesprächsthemen: Gasteltern zu gewinnen, die bereit sind, ein russisches Kind für vier Wochen bei sich aufzunehmen und somit das Rückgrat der Aktion bilden.

„Wir haben vor, in diesem Sommer insgesamt 75 Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren einen Erholungsaufenthalt im Raum Aachen zu ermöglichen. Jeweils 25 im Juni, Juli sowie im August“, blickt Otto Stöcker nach vorne. „Um dieses Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, werden noch zwischen 15 und 20 zusätzliche Gastfamilien benötigt“, so der Vorsitzende.

„Alle diese Kinder sind strahlenbelastet, ihr Immunsystem ist geschwächt. Magen-Darm-Erkrankungen sowie Beschwerden an den Atemorganen sind in Uljanovo weit verbreitet“, betont Katharina Thomas. Die Aufenthalte im Raum Aachen geben den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes die Gelegenheit, einmal durchzuatmen. Der Unterschied des Befindens der Kinder zwischen An- und Abreise sei augenscheinlich.

„Die Verantwortlichen der Tschernobyl-Hilfe stellen sich in jedem Jahr einer Mammutaufgabe, die größtes soziales Engagement voraussetzt“, zollt der GPB-Vorsitzende Peter Schöner den Aktivitäten von Otto Stöcker und dessen Mitstreitern größten Respekt und will helfen. So etwa bei der Programmplanung während der jeweils vierwöchigen Aufenthalte der Kinder aus Uljanovo. „In jeder Woche finden zwei Ausflüge statt. So können die russischen Kinder sich über ihren Aufenthalt auch gegenseitig austauschen“, erklärt Otto Stöcker.

Vorgesehene Ausflugsziele sind unter anderem das Wildtiergehege in Gangelt, der Brückenkopfpark in Jülich, die Anna-Kirmes in Düren sowie der Alsdorfer Tierpark. „Darüber hinaus veranstalten wir am 20. Juli unser großes Sommerfest an der Alsdorfer Burg“, nennt der Vorsitzende einen weiteren Eckpunkt. Auf Vermittlung der GPB konnte die Künstlerin Gerda Zuleger-Mertens gewonnen werden, die zugesagt hat, den jungen osteuropäischen Gästen ihr Atelier in Zweifall zu zeigen. Zusätzlich sollen weitere russischsprachige Künstler aus der Region für das Projekt gewonnen werden.

Vordergründig ist jedoch zunächst, weitere Gasteltern zu finden. „21 der vorgesehenen 75 Kinder würden erstmals die Reise aus Uljanovo in den Raum Aachen unternehmen. Dies wird nur möglich sein, wenn weitere Gastfamilien gefunden werden“, macht er deutlich.

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