Lautstarker Protest: Kinder veranstalten Smartmob auf Marktplatz

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
14880274.jpg
„Can‘t stop the feeling“: Weit über 500 Kinder tanzten mit Rebekka Nellißen auf dem Eschweiler Marktplatz, wo die Aktion einen sogenannten Smartmob veranstaltete. Foto: Patrick Nowicki
14880275.jpg
Die Forderungen der Aktion „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ auf einen Blick: Auf dieser Tafel trugen sich viele Menschen ein. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Dass laut Musik auf dem Eschweiler Marktplatz ertönt, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn sie jedoch aus 560 Kinderkehlen stammt, dann wird mancher hellhörig. Denn dort auf dem Marktplatz haben die Kinder im Rahmen der Aktion „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ einen sogenannten Smartmob veranstaltet.

Die Kinder riefen: „Wir Kinder sind die Zukunft, vergesst das bitte nicht, denkt heute schon an morgen, lasst uns Kinder nicht im Stich.“ Diese Zeilen stammen aus der Feder des Indestädters Adi Hurtado Carrasco, der sie eigens für die Aktion „Gute OGS darf keine Glücksache sein“ verfasste.

Die Innenstadt war am Mittwochnachmittag proppenvoll von Grundschulkindern, die allesamt in Gruppen mit ihren Betreuerteams zum Marktplatz stapften. Dort fand ein sogenannter Smartmob statt, was von einem Flashmob insofern abweicht, dass er vorher angekündigt wurde. Es wurde gesungen und getanzt. Geredet wurde nur wenig. Die drei OGS-Träger, das Haus St. Josef, der Kinderschutzbund und der Verein Betreute Schulen der Arbeiterwohlfahrt hatten schon im Vorfeld klargemacht, was ihnen auf den Nägeln brennt.

Drei Aspekte stehen im Mittelpunkt der Forderungen: bessere Ausstattung, einheitliche Regelungen und bessere Bezahlung. Die Aktion startete vor den Landtagswahlen, endet jedoch erst in Düsseldorf am 11. Juli, wo die neue Landesregierung den Forderungskatalog hält. Zuvor geht es für die indestädtischen Beteiligten an der Aktion zum Smartmob nach Aachen: am Samstag, 1. Juli, um 12.30 Uhr vor dem Elisenbrunnen. Die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP bleiben zum Thema OGS unkonkret.

Auf dem Marktplatz gaben sich die Verantwortlichen kämpferisch. Mariethres Kaleß vom Kinderschutzbund ging jedoch bewusst nicht auf die untertarifliche Bezahlung einiger Mitarbeiter ein: „Ich möchte eine Gelddiskussion bewusst nicht auf dem Rücken der Kinder austragen“, sagte sie nach der Veranstaltung. So rückten die Personen in den Fokus, die zahlreich zum Marktplatz gekommen waren: die Kinder. Und die hatten reichlich Spaß an der Aktion.

Zunächst wurde getanzt, was das Marktpflaster hergab. Die Kleinen bewegten sich zur Musik von Justin Timberlakes Hit „Can‘t stop the feeling“. Rebekka Nellißen und einige Kinder übernahmen auf der Treppe der Peter-und-Paul-Kirche das Kommando und die Menge machte mit – sehr zur Freude der zahlreichen Eltern sowie von Bürgermeister Rudi Bertram und einigen Vertretern von Politik und Verwaltung. Der Verwaltungschef hob in seinen Grußworten hervor, dass es dem ehrenamtlichen Engagement vieler zu verdanken sei, dass die Offene Ganztagsbetreuung funktioniere. Dass dieses Ehrenamt allerdings auch seine Grenzen habe, machten die OGS-Verantwortlichen mehrfach deutlich.

Der Textschreiber des OGS-Songs, Adi Hurtado Carrasco, durfte mit ansehen, wie seine Zeilen von 560 Kindern gesungen wurden. „Ja, wir sind noch Kinder, doch wir lernen noch viel dazu, und eines haben wir jetzt schon kapiert, im System da drückt der Schuh“, lautete die Nachricht an die Landespolitiker. Natürlich ging es im Text um Bildungschancen, klare Regelungen und Gesetze. Dass die Kleinen das Lied vorher geübt hatten, war deutlich zu hören. Auch manche Eltern stimmten mit ein, der Text war schließlich auf dem Marktplatz verteilt worden. Anschließend konnte jeder noch auf einer großen Tafel unterschreiben, wo sämtliche Kernforderungen zu lesen waren.

Nach etwa einer halben Stunde ging es für die Kinder wieder zurück in die Schulen. Ob die Aktion zum Erfolg führt, wird sich nach dem 11. Juli zeigen. Die Stadt Eschweiler ist gewisserweise in Vorleistung getreten und hat die Zuschüsse für die OGS-Betreiber erhöht. Der städtische Anteil an den Kosten wird für das kommende Schuljahr um 41664 Euro auf 330143 Euro zunehmen. Dies hat der Rat beschlossen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert