Laumann: Bildung ist das herausragende Thema

Von: ran
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Die CDU muss beweisen, dass si
Die CDU muss beweisen, dass sie keine Klientelpartei ist: Karl-Josef Laumann. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Er gilt als das soziale Gewissen der Christlich Demokratischen Union. Von 2005 bis 2010 war er Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit Juli des vergangenen Jahres führt der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag.

Am Dienstagabend besuchte Karl-Josef Laumann nun auf Einladung des CDU-Ortsverbands Eschweiler sowie des CDA-Stadtverbands die Indestadt und referierte in der Gaststätte Flatten zum Thema „Politik aus christlich sozialer Verantwortung für Nordrhein-Westfalen”.

„Eschweiler ist geprägt von einer starken Arbeitnehmerschaft. Doch der Strukturwandel hat die Stadt arg getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt nach wie vor über 10 Prozent und die Soziallasten schnüren der Stadt die Luft ab. Wie können wir nun zeigen, dass sich die Begriffe konservativ und sozial nicht gegenseitig ausschließen?”, lautete die Frage, die Renée Grafen als Ortsverbandsvorsitzende Karl-Josef Laumann stellte.

Dieser betonte zunächst, dass die wirtschaftliche Gesamtentwicklung in Deutschland positiv sei. Erstmals seit langem sinke auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, darüber hinaus habe das Land NRW in den ersten drei Monaten des Jahres drei Milliarden Euro mehr an Steuern eingenommen als erwartet. „Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern am stärksten aus der Wirtschaftskrise herausgekommen! Und warum? Weil Arbeitgeber und -nehmer an einem Strang gezogen haben und es Zugeständnisse auf beiden Seiten gegeben hat.” Und: „Wir haben in der Krise gemerkt, dass Mitbestimmung und Solidarität Deutschland stark gemacht haben”, so Karl-Josef Laumann.

Doch nach Überwindung der Krise warte in den kommenden zwei Jahrzehnten mit dem demographischen Wandel eine weitere große Herausforderung. „14 Millionen Menschen, die heute zwischen 45 und 55 Jahre alt sind, stehen lediglich sieben Millionen Menschen zwischen 5 und 15 Jahren gegenüber. Ohne Zuwanderung wären es gar nur 4 Millionen junge Menschen. Die Generation, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen wird, ist doppelt so groß wie die ihr folgende”, nannte der Christdemokrat besorgniserregende Zahlen.

Um den Nachkommen nicht unüberschaubare Schuldenberge zu hinterlassen, laute das Gebot der Stunde, für ausgeglichene Haushalte zu sorgen. „Deshalb ist für mich die Entscheidung der Großen Koalition unter Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, ab 2020 keine neue Schulden mehr aufzunehmen, die wichtigste seit der Wiedervereinigung”, so der gelernte Maschinenschlosser.

Dennoch sei die Wahrung sozialer Standards unabdingbar. „Und wer glaubt, diese durch einen großen Niedriglohnsektor halten zu können, täuscht sich.” Nicht ein niedriger Lohn, sondern eine hohe Wertschöpfung sei ein Lösungsansatz. Diese werde wiederum durch eine möglichst hohe Zahl gut ausgebildeter Menschen garantiert. „Deshalb müssen Bildung und Schule zentrale Themen der Landespolitik sein.” Für die CDU bedeute dies, für den Erhalt des Gymnasiums zu kämpfen. „Wir brauchen eine Schulform, die die Schüler auf das Studium vorbereitet. Wir brauchen aber auch eine Schule, die die Schüler nach zehn Jahren ausbildungsfähig macht. Die Zahl der Abiturienten kann nicht das einzige Kriterium sein”, so der Fraktionsvorsitzende.

Der rot-grünen Landesregierung sprach Karl-Josef Laumann den Willen, zu sparen, ab. „NRW wird niemals weniger Schulden machen, wenn nicht der Verwaltungsapparat umstrukturiert wird. Unter dem Druck der Linkspartei geht die Landesregierung dieses Problem nicht an. Der Koalitionsvertrag in NRW ist der einzige Europas, in dem der Schuldenabbau keine Rolle spielt”, so die Kritik des 53-Jährigen.

Christdemokratisches Erkennungsmerkmal müsse bleiben, dass Staat und Wirtschaft eine dienende Funktion dem Menschen gegenüber hätten. „Eine zentrale Frage für uns ist die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Denn ohne Familie hat die Gesellschaft keine Zukunft. Es bereitet mir Sorgen, wenn ich sehe, wie viele Menschen unter 35 Jahren nur befristete Arbeitsverträge erhalten.”

Das Instrument Leiharbeit sei nur akzeptabel, wenn verhindert werde, dass der Leiharbeiter für die gleiche Arbeit ein Drittel weniger Lohn erhalte als der unbefristet Beschäftigte. „In diesem Punkt muss die CDU ihre Haltung womöglich überdenken”, ließ Karl-Josef Laumann auch selbstkritische Töne hören. „Im Vordergrund muss stehen, dass die CDU beweist, dass sie keine Klientelpartei ist, wie es einige Mitbewerber sind. Wir orientieren uns nicht an Interessen, sondern am Allgemeinwohl”, schloss der Christdemokrat seine Ausführungen.

Von der Schlosser-Werkbank in den Deutschen Bundestag

Karl-Josef Laumann wurde am 11. Juli 1957 in Riesenbeck geboren. Nach dem Besuch der Hauptschule absolvierte er eine Lehre zum Maschinenschlosser und war von 1978 bis 1990 in diesem Beruf tätig. Als Mitglied der IG Metall fungierte er als Betriebsrat.

Seine politische Karriere begann er als Mitglied der Jungen Union im Kreis Steinfurt. Seit 1974 ist er Mitglied der CDU, drei Jahre später trat er auch der CDA bei, deren Bundesvorsitzender er seit 2005 ist.

Von 1990 bis 2005 gehörte Laumann dem Bundestag an, wo er u.a.Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales sowie der AG Wirtschaft und Arbeit war.
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