Langeweile ist bei der Feuerwehr ein Fremdwort

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
10551485.jpg
Das brandneue Fahrzeug für technische Hilfeleistung führte die Wehr unseren Lesern vor. Foto: Rudolf Müller
10552351.jpg
Ebenso wie die Schlauchwäsche, in der auch Schutzanzüge gereinigt werden. Foto: Rudolf Müller
10552350.jpg
Wehrleiter Axel Johnen (links) erklärte unseren Lesern auch die Arbeit in der Leitstelle, von der aus die Einsätze in Eschweeiler gesteuert werden. Foto: Rudolf Müller
10552355.jpg
Eine Fahrt mit der Drehleiter gehörte für die kleinen Feuerwehrfans und die übrigen Besucher ebenso zum Programm. Foto: Rudolf Müller
10552358.jpg
Genau wie eine Kletterpartie durch das Käfig-Labyrinth des Atemschutz-Trainingsparcours.

Eschweiler. 55000 Menschen verlassen sich auf sie. Wohl wissend, dass sie in Notsituationen minutenschnell zur Stelle sind. 265 Männer und Frauen, die sich der Feuerwehr verschrieben haben. 61 von ihnen hauptberuflich, 204 ehrenamtlich. Eschweilers Feuerwehr ist rund um die Uhr für andere da.

Und damit das möglichst effektiv passiert, ist eine Menge an Vorarbeit, Training und Material nötig. Axel Johnen, Leiter der Feuer- und Rettungswache, gab mehr als 30 unserer Leser jetzt umfassende Einblicke in das Geschehen am Florianweg.

Dass etwa die Hälfte der großen Besucherschar Kinder waren, störte Johnen nicht. Im Gegenteil: „Dass junge Erwachsene zu uns stoßen mit dem Wunsch, Feuerwehrmann oder -frau zu werden, das ist längst die große Ausnahme. Wir bekommen fast unseren gesamten Nachwuchs aus den eigenen Jugendgruppen.“ Davon hat die Feuerwehr derzeit sieben – mit insgesamt 91 Mitgliedern. Ab zehn Jahren kann man hier Mitglied werden.

Zu spät, findet die Wehrführung. Weil zahlreiche Kinder schon früher von Fußballclubs oder Karnevalsvereinen „abgefischt“ werden und damit der Wehr verloren gehen. Das soll sich bald ändern: „Wir planen, demnächst eine ,Kinderwehr‘ für Jungen und Mädchen ab sechs Jahren zu gründen“, verriet Axel Johnen.

Dass die Feuerwehr damit offene Türen einrennt, das zeigte nicht nur Jakob Rehahn: Für den Dreijährigen ist Feuerwehr derzeit alles – und so war er auch stilecht in kompletter Uniform zum Besuch am Florianweg erschienen.

Und es gab eine Menge, was Jakob und die übrigen kleinen und großen Feuerwehrfans von Johnen und dessen Kollegen erfuhren. Zum Beispiel, dass die Bezeichnung „Feuerwehr“ heutzutage nur noch den geringsten Teil der Arbeit abdeckt. Weitaus mehr Einsätze haben die Wehrleute im Rettungsdienst und Krankentransport zu absolvieren. Ein paar Zahlen aus dem vergangenen Jahr: Da absolvierte die Wehr 11884 Einsätze – im Schnitt macht das 32,2 pro Tag. Zu den 14080 Einsatzstunden kamen 23818 Ausbildungsstunden. Die Brandeinsätze summierten sich auf 156, wohingegen im Rettungsdienst 5286 Einsätze und für Krankentransporte 4834 Einsätze anfielen. Hinzu kamen 878 Hilfeleistungen – und 733 Fehleinsätze. Letzteres ist eine Zahl, die ein wenig irreführend erscheint: Denn für die Statistik der Wehr zählt nicht nur der böswillige Alarm (dessen Verursacher per Anrufererkennung meist erwischt wird) und die verrückt spielende Brandmeldeanlage, sondern auch jeder Rettungseinsatz, bei dem das „Opfer“ nach Erster Hilfe letztlich doch nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Johnen ließ die Besucher ebenso in einen der mit aktuellster Medizintechnik ausgerüsteten Rettungswagen werfen, wie er ihnen die jüngste Errungenschaft der Eschweiler Wehr vorführte: einen Lkw, der über einen Kran mit Zwölf-Meter-Ausleger verfügt und für den derzeit ein Container mit vielfältiger technischer Ausrüstung angefertigt wird. Ein Fahrzeug, dass speziell für den Einsatz z. B.. bei Verkehrsunfällen zur technischen Hilfeleistung beschafft wurde. Immerhin tragen nicht nur die 879 Kilometer Eschweiler Straßen und Wege, sondern vor allem die 29 Kilometer Autobahn, die durch Eschweiler Stadtgebiet führen, dazu bei, dass die Zahl der technischen Hilfeleistungen nach Unfällen nicht eben gering ist. Das gilt auch für die 18 Kilometer Schienen in Eschweiler (10 von der Deutschen Bahn, 8 von der Euregiobahn), auf denen die Wehr immer wieder nach Sturm umgestürzte Bäume oder abgeknickte Äste entfernen muss. Zwei- bis dreimal täglich, so Axel Johnen, muss die Wehr zu technischen Hilfeleistungen ausrücken.

Doch aus wenn‘s gerade nicht brennt oder „gekracht“ hat, haben die Wehrleute alle Hände voll zu tun. Zum Beispiel in der im Keller der Wache untergebrachten Atemschutzwerkstatt. Hier erklärte Udo Pauquet den interessierten Besucher, welcher Aufwand nötig ist, die Ausrüstung der Wehr funktionsfähig zu halten. Nach jedem Einsatz werden die Atemschutzgeräte, deren einwandfreies Funktionieren für die Wehrleute überlebenswichtig ist, auf Herz und Nieren geprüft, auseinandergenommen, gereinigt, gewartet. Gut 20 Kilo sind es, die die Wehrleute auf dem Rücken tragen. Das hält man 20 bis 25 Minuten lang durch, dann muss die Ablösung ran. „Das ist auch der Grund, weshalb wir bei manchen Einsätzen mit so vielen Leuten anrücken, dass es manchen Bürgern schon übertrieben erscheint“, so Johnen. Wenn die Kollegen die Atemschutzgeräte unter Schutzanzügen tragen, die nach der Einsatzphase dekontaminiert werden müssen, ehe ihre Träger sie ausziehen können, verkürzt sich die Einsatzzeit. Logische Folge: ein noch höherer Personalbedarf.

Nico Pönisch führte unsere Leser in die im wahrsten Sinne des Wortes hohe Kunst des Schlauchwaschens ein. Man nehme: eine Wanne, so lang wie eine Kegelbahn, und einen 35 Meter hohen Turm. Hier werden alle benutzten Schläuche maschinell gereinigt und auf mögliche undichte Stellen überprüft, ehe sie nach der Wäsche zum Trocknen in den Turm hochgezogen werden, wo sie eine Woche lang hängen bleiben.

So etwas geht heutzutage auch einfacher und schneller: Moderne Schlauchreinigungsgeräte haben gerade mal Schrankgröße und liefern schon nach zwei Stunden saubere und trockene Schläuche. Aber das kostet: Solche Automaten sind ab etwa 60000 Euro zu haben. Und Geld ist knapp bei der Stadt.

Was nicht heißt, dass die Stadt nicht in „ihre“ Wehr investiert. Das zeigt nicht nur die Tatsache, dass allein in die Modernisierung des Fuhrparks jährlich rund eine halbe Millionen Euro gesteckt wird. Das zeigt sich auch darin, dass auf dem bisherigen Hubschrauberlandeplatz auf dem Gelände der Wache in den nächsten Monaten eine topmoderne zusätzliche Fahrzeughalle die drangvolle Enge in der Wache beenden soll. Zusätzlich entstehen hier Schulungs- und Sozialräume.

Unsere Leser konnten sich die künftige Baustelle sogar aus der Vogelperspektive ansehen: von der auf gut 30 Meter Höhe ausgefahrenen Drehleiter aus. Ein Erlebnis – nicht nur für die Kleinen, denen Axel Johnen zudem noch eine flotte Fahrt im Feuerwehrauto rund um die Wache spendierte. Martinshorn inklusive.

Das war fast so schön wie die Kletterpartie durch das Käfig-Labyrinth des Atemschutz-Trainingsparcours im Keller. Allerdings ohne Sauerstoffflaschen und künstlichen Nebel, versteht sich. Die Kinder waren restlos begeistert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert