Lange Warteliste für einen Kindergartenplatz

Von: Patrick Nowicki
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Familie Hoffmann aus St. Jöris: Für Nico ist dort kein Platz im Kindergarten. Mutter Birgit muss also weiter zu Hause arbeiten. Schwester Jana besucht das Heilig-Geist-Gymnasiusm, Vater Jens ist in Aachen tätig. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. In St. Jöris scheint die Welt noch in Ordnung. Die Menschen kennen sich untereinander. Die Dorfgemeinschaft wird gepflegt. Und doch bekommt das Bild der Idylle immer wieder Risse. Das aktuelle Problem: Der St. Jöriser Kindergarten ist überfüllt. Manche Familie steht vor der Frage: Was nun?

Birgit und Jens Hoffmann gehören dazu. Die Familie wohnt in St. Jöris und suchte für Sohn Nico, der im vergangenen Oktober zwei Jahre alt wurde, einen Kindergartenplatz. Schon vor über einem Jahr meldeten die Hoffmanns Nico an. Zweimal gab es eine Absage. Kein Platz, der Kindergarten ist voll. Auch im benachbarten Kinzweiler steht Nico nun auf der Warteliste. „Natürlich hat man uns Alternativen angeboten, aber die wollen wir uns und Nico nicht wirklich antun“, meint Jens Hoffmann.

Nico könnte nämlich einen anderen Kindergarten in der Stadt besuchen. Aber eben nicht in St. Jöris oder in einem unmittelbaren Nachbarort. „Wir reißen den Jungen aus dem gewohnten sozialen Umfeld raus“, schüttelt Jens Hoffmann den Kopf. Die Entscheidung hätte auch spätere Konsequenzen, denn mit der Einschulung würde er dann an die nächstgelegene Grundschule wechseln. Wieder droht ein Neuanfang.

Arbeit zu Hause

Birgit Hoffmann, Nicos Mutter, hat das Glück, als Finanzbeamtin zu Hause arbeiten zu können. „Home Office“ heißt das heutzutage. Allerdings weiß sie nicht, ob ihr Dienstherr einer erneuten Verlängerung zustimmt. Die zehnjährige Tochter Jana besucht das Heilg-Geist-Gymnasium in Broich­weiden. Regelmäßig geht Nico derzeit zur „Mäusegruppe“ nach Röhe.

Dieser private Treff gibt Mutter Birgit Hoffmann Gelegenheit, ihren Beruf auszuüben. Zur Not weiß sie ihre Eltern in der Nachbarschaft, die sich auch um Nico kümmern können. „Bei anderen Familien sieht das deutlich schwieriger aus“, weiß sie. Wenn die Großeltern weit entfernt wohnen. Oder wenn die Frau sogar alleinerziehend ist.

Im Eschweiler Jugendamt kennt man solche Fälle und versucht zu helfen. Allerdings stoßen auch die Mitarbeiter des Rathauses oft an ihre Grenzen. Dezernent Manfred Knollmann räumt ein: „Wir können trotz aller Anstrengungen nicht mehr garantieren, dass es einen Kindergartenplatz vor der Haustür gibt.“

Dazu ist die Kommune auch nicht verpflichtet. Der Rechtsanspruch ist nämlich dann erfüllt, wenn innerhalb der Stadtgrenzen ein Platz zur Verfügung gestellt wird. Im Extremfall bietet man einer Familie aus St. Jöris einen Kitaplatz in Weisweiler an. Formaljuristisch ist die Stadt ihrer Pflicht damit nachgekommen.

Im Nordwesten der Stadt, in St. Jöris, Kinz­weiler und Hehlrath ist die Zahl der Kindergartenplätze ohnehin gering. Drei Kindertagesstätten mit insgesamt fünf Gruppen befinden sich dort. Hinzu kommt der integrative Kindergarten „Katharina Fey“ in Kinzweiler. Der Bedarf an Plätzen wird dort aktuell nicht gedeckt, die Einrichtungen führen lange Wartelisten mit Kandidaten.

Diese werden nach einem Punktesystem bewertet. Ein Punkt ist der nahe Wohnort. Allerdings kommen noch weitere Kriterien, die von jeder Einrichtung selbst festgelegt werden, hinzu. Bei einer Ablehnung drohen längere Fahrten für Eltern, denn im Nordwesten gibt es keine Alternativen.

Jens Hoffmann hat dafür wenig Verständnis: „Das soziale Gefüge geht dadurch verloren“, befürchtet er. Kindergarten und Schule sind für ihn die Keimzellen späterer Freundschaften und Verbindungen, die bis ins Vereinsleben hineinragen. „Schließlich treffen sich auch Eltern, nicht nur Kinder in der Kindertagesstätte.“ Es müsse also im Interesse der Stadt sein, ortsnah Kita-Plätze anzubieten.

Im Rathaus arbeitet man mit Hochdruck daran, den Bedarf rechnerisch zu decken. Neben dem Raumbedarf ist auch die Frage nach dem zusätzlichen Personal nicht beantwortet. Die Familie Hoffmann hat aber wenig Hoffnung. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft.“

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