Landesmeisterschaft im Schach: Bergrather Schüler sind dabei

Von: Andreas Röchter
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Denksport, bis die Köpfe qualmen: Schüler der Grundschule Bergrath traten im Turnier der besten jungen Schachspieler des Landes in Schwerte an. Foto: Andreas Röchter
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Kluge Köpfe: Tim Lennartz, Johannes Fischer, Dean Geserick, Luis Debald und Mattis Drängmann (von links).

Eschweiler-Bergrath. Schnell bewegen sich ihre Finger über den Tisch. Ein kurzer Blick, und (meistens) ist die Situation erfasst. Doch die jungen Herren und (seltener) Damen spielen nicht mit der Playstation, sie führen Springer, Türme und Bauern über die 64 Felder, rochieren, greifen mit der Dame an und schützen vor allem ihren König. Schach lautet das Zauberwort.

Kinder aus 19 Grundschulen gingen bei den NRW-Landesmeisterschaften in Schwerte an den Start. Mit von der Partie waren die Jungs von der Katholischen Grundschule Bergrath, die sich vor wenigen Wochen den Titel des Mittelrhein-Meisters sicherten und sich damit für das Turnier auf Landesebene qualifizierten.

Dort schlugen sich Tim Lennartz, Dean Geserick, Luis Debald (4. Schuljahr), Mattis Drängmann (3.) und Johannes Fischer (2.) wacker. Zwei Mannschaftskämpfe wurden gewonnen (3:1 gegen Röttgen und 4:0 gegen Ennepetal), drei Mal trennten sich die Bergrather Remis (jeweils 2:2 gegen Senden, Wewer und Ahlen). Die Niederlagen gegen Düsseldorf-Lörick und Münster (jeweils 0:4) fielen jedoch deutlich aus. Da jeder Punkt in die Wertung einfloss, stand in der Endabrechnung Platz 16 zu Buche.

„Vor allem in Westfalen wird Schach in den Grundschulen gefördert. Die Region profitiert nicht zuletzt vom jährlichen Großmeisterturnier in Dortmund“, betont Trainer Ludwig Lennartz, der vor rund dreieinhalb Jahren eine „Schach AG“ in der KGS Bergrath ins Leben rief. „Die Jungs spielen also genauso lange Schach, wie sie Mathematik lernen. Und in beidem beginnen sie so gerade, einen Plan zu entwickeln“, schmunzelt der AG-Leiter. So unterscheidet sich das Schach, das Tim, Dean, Luis, Mattis und Johannes spielen, doch erheblich vom „Erwachsenen-Schach“. Langes Nachdenken steht noch nicht auf dem Programm, intuitives Schnellschach dagegen schon.

Und selbstverständlich ist Schach beileibe nicht die einzige Freizeitbeschäftigung der Bergrather Schach-Nachwuchscracks. Alle fünf sind oder waren aktive Fußballer, Luis Debald lernt darüber hinaus, Trompete zu spielen. „Dean hatte vor der Einschulung keine Verbindung zum Schach. Als es aber darum ging, eine Arbeitsgemeinschaft zu wählen, fiel seine Wahl fast automatisch auf Schach“, erklärt Tanja Geserick, die Mutter von Dean. Und Louis´ Mutter Yvonne Debald ergänzt: „Die Schach-AG ist an der Bergrather Grundschule inzwischen so etabliert, dass die Nachfrage beinahe automatisch erfolgt.“ Sehr zum Wohlgefallen der Eltern, schließlich fördert der Sport Fähigkeiten wie Konzentration und Kombinationsvermögen, aber auch das Sozialverhalten.

Dies unterstreicht auch Philip Hörter, Vorsitzender der „Schachjugend-NRW“: „Die Erfahrung zeigt, dass zum Beispiel hyperaktive Kinder beim Schachspiel in der Lage sind, am Brett sitzen zu bleiben.“ Auch Schulreformen haben zur Verbreitung des Schachspiels im Kinderalter beigetragen. „Schulschach boomt nicht zuletzt wegen der Einführung der Offenen Ganztagsgrundschulen“, hat Philip Hörter festgestellt.

Vereine profitieren noch nicht

Allerdings: „Die Schachvereine profitieren bislang kaum von dieser Entwicklung.“ Warum ist dies so? „Ich denke, die Vereine müssen sich besser und vor allem offensiver präsentieren. Natürlich ist auch die Konkurrenz durch andere Sportarten groß. Und die Frage wäre auch, ob die Vereine einen Ansturm junger Spieler organisatorisch stemmen könnten“, sieht er einige Fragezeichen.

Klar ist, dass die NRW-Landesmeisterschaft in Schwerte für die Viertklässler Tim, Dean und Luis der letzte Schulwettkampf auf Grundschulebene war. Ob es Schach-AG´s an ihren weiterführenden Schulen geben wird, bleibt abzuwarten. Allerdings sind Tim und Luis bereits Vereinsspieler für den Eschweiler Schachclub. Und Trainer Ludwig Lennartz hat sich fest vorgenommen, auch im kommenden Jahr den Bergrather Grundschülern so manchen Kniff beizubringen.

Die kleine Hoffnung, sich in diesem Jahr als Erster oder Zweiter der NRW-Meisterschaft für die Deutschen Meisterschaften im thüringischen Dittrichshütte zu qualifizieren, erfüllten sich aber leider nicht. „Auf Mittelrhein-Ebene haben wir nur wenig ernsthafte Konkurrenz. Deshalb sind die Spieler so starken Widerstand, wie sie ihn auf NRW-Ebene erhalten, nicht gewohnt“, analysiert Ludwig Lennartz durchaus verständnisvoll. Bei den fünf jungen Schachspielern überwog nach kurzer Enttäuschung mit einigen Tränen aber zu Recht der Stolz, in Schwerte überhaupt dabei gewesen zu sein. So konnte gut gelaunt die Rückfahrt angetreten werden.

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