Landesjugendchor zu Gast: Applaus nach außergewöhnlichem Konzert

Von: ran
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Ausdrucksstark: Die Sängerinnen und Sänger des Landesjugendchors NRW beeindruckten ihre Zuhörer in der vollbesetzten Dreieinigkeitskirche unter anderem mit Vertonungen von Texten Martin Luthers. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Laut Zeitzeugen gehörte Martin Luther wohl nicht zu den Menschen, die über ein ausschließlich „fröhliches Gemüt“ verfügten. Doch Musik galt für den Reformator, der vor 500 Jahren seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben soll und damit eine Zeitenwende einleitete, als „ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes“.

Musik vertreibe den Teufel, mache die Menschen fröhlich und sorge dafür, alle Laster zu vergessen, zitierte Pfarrer Thomas Richter den Augustinermönch am frühen Samstagabend und begrüßte so zahlreiche Gäste in der vollbesetzten Dreieinigkeitskirche, die Zeuge eines außergewöhnlichen Konzerts werden sollten: Unter dem Titel „Zeitenklänge - Weltenklänge“ präsentierten die rund 60 jungen Sängerinnen und Sänger des Landesjugendchors NRW ein faszinierendes Programm mit unter anderem Vertonungen von Luther-Texten.

Ausdrucksstark, pointiert und eine mitreißende Präsenz ausstrahlend, eröffnete das von Christiane Zywietz-Godland und Hermann Godland seit 28 Jahren geleitete Ensemble, dessen Durchschnittsalter bei 23 Jahren liegt und das zu rund einem Drittel aus Musikstudenten besteht, den rund eineinhalbstündigen Hörgenuss mit der doppelchörigen Motette „Jubilate Deo“ von Hans Leo Hassler, die der Komponist im Jahr 1612 kurz vor seinem Tod erschuf.

Feinstimmig arbeitete der Chor die musikalischen Variationen und Gegensätze heraus, die den Vertonungen des Luther-Worts „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von zum einen Heinrich Schütz (Mitte des 17. Jahrhunderts), zum anderen von Felix Mendelssohn Bartholdy (19. Jahrhundert) zugrunde liegen. Ergreifend dargebrachte Ausschnitte der Bach-Motette „Jesu, meine Freude“ forderten das Publikum zu dankbarem Applaus heraus. Mit der Brahms-Komposition „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“ zeichnete der Landesjugendchor empfindsam den Weg tiefer Verzweiflung bis hin zur Glaubensgewissheit Luthers nach, die dieser durch die Worte „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ zum Ausdruck brachte.

Den zweiten Teil des Konzerts widmeten die Sänger eher weltlich orientierten Werken: Der romantischen „Waldesnacht“ von Johannes Brahms ließen die Herren der Schöpfung beziehungsweise des Landesjugendchors den vierstimmigen Männerchor „Schöne Nacht“ von Wilhelm Nagel folgen.

Internationale Klänge prägten die Schlussphase der eindrucksvollen Gesangsdarbietung: Mit der schwedischen „Sommarpsalm“ von Waldemar Ahlen, dem russischen Zapfenstreich „Sorju bjut“ („Der Morgen schlägt“) des Komponisten Georgij Swiridow und der chinesischen Volksweise „An jenem fernen Orte“ erinnerten die Musiker an erfolgreiche Konzertreisen.

Ein (vor der Zugabe) letztes gesangliches Ausrufezeichen setzte der Landesjugendchor NRW mit der Interpretation des Werkes „Unicornis Captivatur“ des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo, in dem mittelalterliche Hymnen und Jazzrhythmen interessante Kontrapunkte setzen.

Der lautstarke Applaus der begeisterten Zuhörer, die sich ausnahmslos von den Plätzen erhoben, ließ eine Zugabe selbstverständlich werden. Das großartige „Abendlied“ von Josef Gabriel Rheinberger bildete einen würdigen Abschluss des wundervollen Konzertabends. Stürmischer Beifall begleitete die Sänger sowie die beiden Chorleiter beim Verlassen des Gotteshauses.

Dass das Konzert auch einen bleibenden Eindruck bei den Interpreten hinterlassen hat, wurde vor der Kirche deutlich. „Diese Akustik nehmen wir mit“, erklärte Christiane Zywietz-Godland kurzerhand. Ein Vorhaben, das Gerhard Behrens als Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler eher skeptisch beurteilen dürfte.

Gegen ein (hoffentlich) baldiges Wiedersehen mit dem Landesjugendchor NRW in Eschweiler spricht jedoch aus Sicht der indestädtischen Musikfreunde absolut nichts.

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