Lage der WBE bleibt nach wie vor kritisch

Von: Patrick Nowicki
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Der Winterdienst ist nur eine der Aufgaben, die die WBE für die Stadt Eschweiler übernimmt. Allerdings bekommt das städtische Unternehmen in den Augen von WBE-Geschäftsführer Manfred Knollmann (rechts) zu wenig Geld für seine Leistungen. Foto: Patrick Nowicki
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Auf diesem Fahrzeug ist noch die ehemalige Kooperation mit Schönmackers angedeutet: Doch seit drei Jahren sind die WBE wieder vollständig im Eigentum der Stadt Eschweiler. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) hängen nach wie vor am Tropf der Stadt Eschweiler, denn trotz klarem Sparkurs bleibt das Unternehmen von Finanzspritzen aus dem Rathaus abhängig. Im vergangenen Jahr verzichtete die Stadt auf die Zahlung eines Darlehens in Höhe von einer Millionen Euro, das noch aus der Zeit stammt, als die Schönmackers Umweltdienste mit im Boot saßen.

Inzwischen ist die Stadt Eschweiler wieder alleinige Gesellschafterin – und pumpt jährlich Geld in die Wirtschaftsbetriebe. Auch in diesem Jahr werden es wieder etwa eine Millionen Euro sein.

Nicht ausreichend vergütet?

Ein neues Leistungsverzeichnis soll diesen Zustand nun ändern. Der WBE-Geschäftsführer Manfred Knollmann kritisiert seit einiger Zeit, dass das Unternehmen nicht ausreichend für bestimmte Dienstleistungen vergütet werde. Will heißen: Die Stadt soll für Grünpflege, Straßen- und Kanalerhaltung mehr zahlen.

Allerdings muss auch die Verwaltung im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts nach wie vor jeden Cent umdrehen. Die Pflege von bestimmten Grünanlagen fällt unter die freiwilligen Leistungen, die inzwischen gedeckelt sind. Dort würde ein Mehr an die WBE eine Kürzung in einem anderen Bereich bedeuten.

An der Wasserwiese ist man davon überzeugt, dass der Patient WBE gesundet, wenn der Leistungskatalog angepasst wird. Nach Knollmanns Rechnung erhalten die WBE aktuell etwa 500.000 Euro monatlich von der Stadt Eschweiler für verschiedene Arbeiten.

„Nötig wären allerdings zwischen 600.000 und 650.000 Euro“, sagt er. Dies sei in seinen Augen auch eine leistungsgerechte Bezahlung. Knollmann geht von einem jährlichen Überschuss in Höhe von etwa 300.000 Euro aus, wenn die Umstrukturierung abgeschlossen und die Gespräche mit der Stadt Eschweiler zu einem positiven Ergebnis führen. Allerdings steht man in der Verwaltung vor dem Problem, dass nicht alle Leistungen der WBE mit Gebühren finanziert werden können. Dies bedeutet, dass die Ausgaben der Stadt steigen würden.

Entsprechend zäh laufen die Verhandlungen, obwohl Knollmann von „positiven Signalen“ und einer „guten Atmosphäre“ spricht. Eigentlich sollen die Gespräche in diesem Jahr zu einem Ergebnis führen, allerdings wird nicht ausgeschlossen, dass eine Entscheidung erst im ersten Quartal des kommenden Jahres getroffen wird. Knollmann drängt: „Eine Anpassung ist unbedingt erforderlich, sonst droht wieder eine Zahlungsunfähigkeit.“

Schon vor etwas mehr als einem Jahr gerieten die WBE in die Schlagzeilen, als eine anonyme Anzeige eine Sonderprüfung der WBE nach sich zog. Das Ergebnis: Die Wirtschaftsprüfer bescheinigten erhebliche Mängel in der Verwaltungsorganisation und im Rechnungswesen. Diese seien laut Knollmann mit Unterstützung externer Fachleute größtenteils behoben, aber die Umstrukturierung sei noch nicht abgeschlossen.

Seit der außerordentlichen Wirtschaftsprüfung wurde an einigen Stellschrauben gedreht. Unter anderem mussten etwa zehn Leute Personal gehen. „Dies hat auch zu Arbeitsprozessen geführt“, berichtet Knollmann. Darüber hinaus wurden die Investitionen deutlich reduziert: Gab man in 2014 noch etwa 1,4 Millionen Euro für neue Fahrzeuge und Geräte aus, so verringerte sich diese Summe im vergangenen Jahr auf 490.000 Euro.

Finanziert wurde dies mit einer Ausfallbürgschaft der Stadt Eschweiler. Auch innerbetriebliche Abläufe wurden verändert. Ein Beispiel: Aus vier wurden zwei Abteilungen, um „Synergien zu nutzen“, wie Manfred Knollmann begründet.

Ende dieses Monats muss die Gesellschafterversammlung der WBE die Bilanz 2015 feststellen. Sie weist ein leichtes Plus in Höhe von 106850 Euro aus. Allerdings drücken nach wie vor Verbindlichkeiten in Höhe von 7,7 Millionen Euro. Dies entspricht fast 75 Prozent des Umsatzerlöses in Höhe von 10,23 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Die Personal- und Materialkosten machten 8,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr aus.

Krux für Verwaltung

In der Gesellschafterversammlung sitzen Vertreter aus Verwaltung und Stadtrat. Als die Krise der WBE im Spätsommer des vergangenen Jahres ihren Höhepunkt erreichte, wurden Stimmen laut, Aufgaben an andere Unternehmen zu übertragen. Dieser Gedanke scheint vom Tisch.

Die Krux für Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker: Letztlich muss die Kommune zahlen, entweder als höheres Leistungsentgelt oder als Zuschuss für die WBE. „Da beißt sich in der Tat die Katze selbst in den Schwanz“, sagt Manfred Knollmann. Er weiß, wovon er spricht: Knollmann war bis vor zwei Jahren als Kämmerer noch für die Stadtfinanzen verantwortlich.

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