Lackhersteller Valspar streicht über 40 Jobs

Von: Patrick Nowicki
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Das Aus für die Herstellung von Industrielacken kostet über 40 Menschen die Arbeitsstelle: Valspar setzt den Rotstift an. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Merckens-Lackchemie ist den meisten Eschweilern ein Begriff. Nach zwei Eigentümerwechseln gehört das ehemalige Familienunternehmen seit dem Jahr 2000 zum weltweit tätigen Konzern Valspar mit Hauptsitz in Minneapolis (USA). Ende April steht ein weiterer Einschnitt bevor.

Die gesamte Lackproduktion wird zum 1. Mai eingestellt, die Hälfte der etwa 90 Mitarbeiter verliert ihre Arbeitsstelle. Der Valspar-Standort Eschweiler soll jedoch nicht aufgelöst werden, wie Geschäftsführer Michael Seidler bestätigt. Dort solle weiter mit Lacken geforscht werden. Zudem werden dort weiter Chemikalien hergestellt, die zum Beispiel für die Spiegelherstellung verwandt werden. Die Produktion von Speziallacken für Spiegel und die Baubranche wird hingegen in Eschweiler eingestellt. Seidler nennt die Gründe: „Die Baubranche steckt europaweit in einem Tief.“ Zudem blieben Folgeaufträge in der Bahnbranche aus. Auch der Produktionsrückgang bei Solarmodulen traf Valspar schwer. „Es gab Überkapazitäten auf dem Markt, also musste sich der Konzern jeden einzelnen Standort in Europa genau anschauen“, erläutert Seidler.

Ausgehandelter Sozialplan

Der Nachteil des Standorts Eschweiler: Die Produktionsstätte ist alt und klein. „Wenn wir dort eine moderne Produktionsstrecke einbauen wollen, müssten wir das Gebäude komplett entkernen“, sagt Seidler. Andere Standorte sind jünger und modernen. Das besiegelte das Aus die Produktion an der Inde. Den Angestellten wurde die Nachricht vor einigen Wochen überbracht. Ein mit dem Betriebsrat ausgehandelter Sozialplan legt die Entschädigungszahlungen an die entlassenen Mitarbeiter. Seidler spricht in diesem Zusammenhang von einer „fairen“ Lösung und einem „Interessenausgleich, der diesen Namen auch verdient.“

Es gab auch verkehrstechnische Probleme an der Friedensstraße, die sich negativ bemerkbar machten. Lkw mussten über die enge Friedensstraße zum Firmengelände. Seidler berichtet davon, dass man sich an die Stadt gewandt habe, um eine Anbindung an die Jülicher Straße über das ehemalige Fuchs-Gelände zu bekommen. „Uns wurde Hilfe zugesagt, aber wenn kein Geld da ist?!“, sagt er. Zwar habe es Überlegungen gegeben, die Anbindung als Privatstraße zu errichten, aber mit dem Aus der Lackproduktion sei dieser Plan hinfällig.

Die in Eschweiler hergestellten Spiegel- und Industrielacke sowie Spiegellösungen werden größtenteils exportiert. Lediglich knapp 15 Prozent blieben in Deutschland. Etwa 40 Prozent der Produkte geht ins europäische Ausland, der Rest in Länder wie China, Saudi-Arabien und Mexiko. „Unsere Konkurrenten sitzen nicht in Deutschland, sondern in China, Indien und Brasilien“, beschreibt Seidler den globalen Markt für Lacke. Im Jahr 2012 gab es ein kurzes Hoch beim Umsatz mit Spiellacken, was einem positiven Geschäftsabschluss in den USA für thermische Solarkraftwerke sowie der gesteigerten Nachfrage in Asien zu verdanken war. Der Umsatz lag insgesamt im Jahr 2012 bei 37,8 Millionen Euro. Dieser brach um etwa zehn Millionen Euro im vergangenen Jahr ein, was letztlich zur Konzernentscheidung führte, Mitarbeiter zu entlassen.

In Zukunft wird der Schwerpunkt also auf die Forschung gelegt. So entwickelt Valspar in Eschweiler neue Beschichtungsstoffe, die schwermetall- und lösungsmittelfrei sind. Da diese Abteilung in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielte, hält Valspar am Eschweiler Standort fest.

„Viele in Eschweiler wissen mit dem Namen Valspar wahrscheinlich nichts anzufangen, dabei handelt es sich um den viertgrößten Lackhersteller weltweit – noch vor BASF“, berichtete der 55-jährige Seidler. Er selbst wohnt mit seiner Familie in Wuppertal, reist aber regelmäßig um den Globus, um neue Geschäftsfelder zu akquirieren. Seidler ist nicht nur für Eschweiler, sondern auch andere Konzernbereiche und Niederlassungen zuständig.

Zu hohe Löhne und Lohnnebenkosten schloss er als Ursache für den Jobabbau in Eschweiler ausdrücklich aus. Das Alter des Standortes sei letztlich das K.o.-Kriterium gewesen. „Natürlich ist es nicht schön, eine solche Nachricht zu übermitteln“, räumt er ein. Manche der Mitarbeiter seien schließlich schon seit Jahrzehnten in dem Betrieb tätig. Dennoch sei die Aufgabe des Produktionsstandortes unumgänglich gewesen.

Die Eschweiler Stadtverwaltung hat den betroffenen Mitarbeitern empfohlen, sich bei West Pharmaceutical Services in Eschweiler-Pumpe zu bewerben. „Dort werden qualifizierte und zuverlässige Mitarbeiter gesucht“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Von den Mitarbeitern war am Freitag niemand zu einer Aussage bereit. Auch der Betriebsrat war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Über 40 Menschen werden am 30. April zum letzten Mal ihre Arbeit bei Valspar in Eschweiler antreten.

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